Bellach
Die Glocke des alten Hafenkrans läutet eine neue Ära ein

Mit dem gestern eingeweihten Werkhof will sich die Marti AG im Spitzenfeld der Tiefbauunternehmen behaupten. Der Werkhof der Marti AG war seit 50 Jahren historisch gewachsen. Heute präsentiert er sich herausgeputzt und aufgeräumt.

Christof Ramser
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So wars bei der Eröffnung des neuen Werkhofs der Marti AG in Bellach

Hanspeter Bärtschi

Ein in sanfter Druck auf den Knopf reicht, dann setzt sich der Koloss in Bewegung. 70 Tonnen wiegt der gelbe Kran, und doch scheint er fast über den Lagerplatz zu schweben; lautlos, einzig vom Bimmeln einer hellen Glocke begleitet. «Das ist das schönste Geräusch von allen», sagt Christoph Müller und blickt der Kranbrücke über seinem Kopf hinterher. «Es tönt fast wie in einem Containerhafen».

Und tatsächlich, der Portalkran war vorher in einem Hafen in Deutschland im Einsatz. Christoph Müller ist Geschäftsführer der Marti AG, und der Kran, der wie ein überdimensionales, stählernes Pferd aussieht, ist das Herzstück des neuen Werkhofs der Firma, der gestern in Bellach feierlich eröffnet wurde.

Unglaublich wichtig sei dieser Portalkran für den Betrieb der Grund- und Tiefbau AG, die auf dem Werkhof-Gelände Hunderte von Stahlspundwänden lagert. Nicht erst seit gestern zwar. Aber dank des Lastenhebers, der auf vier Beinen und zwei Schienen einen Arbeitsbereich von 47 mal 130 Meter überspannt, nicht mehr wild verteilt, sondern fein säuberlich aufgereiht. Überhaupt: die Organisation. Ob gestapelte Lastwagenpneus, Kettenlaufwerke von Planierraupen oder Ölfässer in den Lagerräumen, ob Kleinteile wie Schrauben, Druckfedern oder Kabel in den Schubladen – alles hat im Werkhof seinen Platz. «Das erleichtert die Arbeit enorm, und die Mitarbeiter sind motiviert», sagt Müller.

Kosten senken...

Der Werkhof der Marti AG war seit 50 Jahren historisch gewachsen. Man könnte auch sagen: ohne Konzept. Schuppen und Hallen verteilten sich wie hingewürfelt auf dem Areal südlich des Bahnhofs, die Werkstatt war viel zu klein geworden, die Wege zwischen den einzelnen Arbeitsbereichen zu gross. Während des Umbaus wurden nun Gebäude abgerissen, Schubladen auf den Kopf gestellt und «jedes Schräubchen angeschaut», wie Müller sagt. Heute, nach knapp anderthalb Jahren Bauzeit, präsentiert sich der Werkhof herausgeputzt und aufgeräumt als kompaktes Gebilde. Ob in der modernen Werkstatt, wo die Mechaniker in blauen und roten Kombis die schweren Baufahrzeuge und Maschinen der Marti AG warten, ob in der Schlosserei, wo Zubehör repariert wird oder im firmeneigenen Spritzwerk, in dem der Geruch von frischer Farbe in der Luft hängt: Organisation und Effizienz sind der Schlüssel zum Erfolg, so das Firmencredo. Über 10 Millionen Franken habe man in den Neubau in Bellach und die Modernisierung des Kieswerks in Walliswil investiert. «Ein Kraftakt für uns», sagt Müller. «Aber er war nötig, damit wir uns in der Leadergruppe der Bauunternehmungen behaupten können.»

... Effizienz steigern

Von der tiefen Beziehung der Bellacher mit der Marti AG kann Gemeindepräsident Anton Probst Geschichten erzählen: So habe er sich 1963 als 13-Jähriger in den Sommerferien sein erstes Velo im Werkhof verdient. Noch viele Jahre sei er hier ein «Feriengast» gewesen. «Das hat mich sehr geprägt, denn damals habe ich gelernt, dass man relativ wenig geschenkt kriegt und sich den meisten Teil erarbeiten muss.»

Dieser Grundsatz mag sich nicht geändert haben, das Bild des Werkhofs indes ist heute ein komplett anderes: Eine eigene Schnitzelheizung liefert die Wärme für sämtliche Gebäude, in denen längst nicht mehr zum Dach hinausgeheizt wird. Und im Gegensatz zu früher, wo sich im Werkhof so mancher mit Gebrauchsgegenständen bediente, ist das Areal heute videoüberwacht. Zudem wird in der firmeneigenen Recyclingstelle altes Baumaterial zerkleinert, wiederaufbereitet und auf Baustellen als neuer Strassenbelag aufgetragen. Übrigens: Mit der Bodenwaschanlage, die die Marti AG ebenfalls in Bellach bauen will, hat der Werkhof nichts zu tun. Beide Bauten sind aber, so ist man sich einig, ein Bekenntnis zum Standort Bellach.