Egerkingen
Die geplante Kurtaxe sorgt bei Hoteliers für Unmut

Mit der Einführung einer Kurtaxe würde Egerkingen – zumindest kantonal – fast Neuland betreten. Denn im Kanton Solothurn kennen nur die drei Städte eine Tourismusabgabe.

Franz Schaible
Drucken
Teilen

Solothurner Zeitung

Dem Gemeinderat von Egerkingen ist es gelungen, das Thema Kurtaxe aus dem Dornröschenschlaf zu holen. Deren geplante Einführung – den definitiven Entscheid fällt die Gemeindeversammlung Ende Oktober – sorgt unter den dortigen Hoteliers für grossen Unmut. Sie bemängeln, dass für eine Tourismusabgabe keine Gegenleistung erbracht werde und damit die Legitimation fehle (wir berichteten).

Ansonsten brennt das Thema nicht unter den Nägeln, denn Solothurn ist definitiv kein Tourismuskanton (siehe Kasten). So kennen nur Solothurn, Grenchen und Olten eine Tourismusabgabe. Die Erhebung der Taxe liegt in der Gemeindekompetenz. In der Stadt Solothurn müssen Erwachsene pro Logiernacht 3 Franken Kurtaxe bezahlen. «Das bringt uns jährlich Einnahmen von rund 300000 Franken», sagt Jürgen Hofer, Direktor von Region Solothurn Tourismus. Die Verwendung sei zweckgebunden. «Der gesamte Reinertag dieser Taxe wird ausschliesslich für die Tourismusförderung zur Verfügung gestellt», heisst es im städtischen Reglement.

Gemeint sind etwa Betrieb und Infrastruktur des Tourist-Office mit Beratung, Information und Verkauf. Bedingung für die Erhebung einer Abgabe sei also, dass den Hotelgästen eine «spürbare touristische Gegenleistung» erbracht werde. «Die Kurtaxe ist eine Abgabe, die der Gast und nicht der Hotelier schuldet», hält Hofer fest. Es genüge nicht, «‹Bänkli› zu pflegen und einen Faltprospekt zu verteilen», nimmt Hofer Bezug auf den «Fall Egerkingen». Es fehle dort offensichtlich ein Konzept, um die Abgabe zu legitimieren. So gesehen sei die Kritik der Hoteliers in Egerkingen nachvollziehbar, obwohl eine Kurtaxe sehr wichtig sei für die touristische Entwicklung einer Region.

In Olten träumt man von Solothurner Verhältnissen

Nur träumen von Verhältnissen wie in Solothurn kann Maria Sägesser, Leiterin von Region Olten Tourismus. «Pro Übernachtung wird von der Stadt eine so genannte Übernachtungstaxe von 40 Rappen erhoben. Dieser Betrag ist eindeutig zu tief.» Dabei wäre das für die Tourismusorganisation eine wichtige Einnahmequelle. In Grenchen müssen die Hotelgäste eine Ortstaxe von 1 Franken bezahlen. «Die Abgabe ist berechtigt. Allerdings nur, wenn eine Gegenleistung erbracht wird», sagt Hotelier Emil Blümli vom Hotel Krebs. Und da erwartet er noch eine bessere Unterstützung durch Grenchen Tourismus.

Als «Haupteinnahmequelle» bezeichnet Markus Lergier, Direktor von Bern Tourismus, die Übernachtungsabgabe. «Für 2011 haben wir Einnahmen von 1,94 Millionen Franken budgetiert.» Die Gäste in den Stadtberner Hotels müssen pro Nacht Fr. 2.80 bezahlen. Die von der Stadt eingezogene Gebühr gehe vollumfänglich an «seine» Organisation. Die Kurtaxe ist in den ausgesprochenen Tourismuszentren, vorab im Berner Oberland, weit verbreitet. Kantonal geregelt ist die Beherbergungsabgabe von 60 Rappen pro Übernachtung. Diese Einnahmen werden vom Kanton nach einem Schlüssel an die verschiedenen Tourismusorganisationen zurückverteilt. Als Drittes kann auf kommunaler Ebene eine Tourismusförderungsabgabe erhoben werden. Davon machen vorab Gemeinden mit einer hohen touristischen Wertschöpfung Gebrauch.

In Langenthal müssen die Hotelgäste nur die Beherbergungsabgabe berappen, auf eine Kurtaxe wird verzichtet. «Wir sind, etwa im Gegensatz zu Grindelwald, stark auf den Geschäftstourismus und nicht auf Feriengäste ausgerichtet», sagt Matthies Stampfli, Direktor vom Hotel Bären. Und das dürfte in etwa auch auf Egerkingen zutreffen.

Aktuelle Nachrichten