Krankenkasse
Die definitiven Fallkosten sind immer noch unklar

Mit der neuen Spitalfinanzierung über Fallpauschalen, die ab 2012 gilt, braucht es die Zusatzversicherung «freie Spitalwahl ganze Schweiz» für Grundversicherte nicht mehr. So eine landläufige Meinung. – Stimmt nur bedingt: Es ist komplizierter.

Andreas Toggweiler
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Spitalbehandlungen werden ab 1. Januar 2012 neu finanziert. az

Spitalbehandlungen werden ab 1. Januar 2012 neu finanziert. az

Solothurner Zeitung

Wer die Krankenkasse wechseln will oder Änderungen bei seiner Police für 2012 anbringen möchte, muss dies bis Ende November seiner Krankenkasse mitteilen. Ab 2012 zahlen die Kostenträger (Kanton und Krankenkassen) auch für Behandlungen in Allgemeinen Abteilungen von Spitälern, die auf einer Spitalliste irgendeines Kantons figurieren. Diese Versicherungsdeckung musste bisher mit einer Spital-Zusatzversicherung erreicht werden. Die Frage ist: Kann die Zusatzversicherung freie Spitalwahl ganze Schweiz von Grundversicherten jetzt guten Gewissens gekündigt werden?

Auch hier gibt es keine einfache Antwort auf eine einfache Frage. «Die Sachlage ist leider kompliziert», meint Heinrich Schwarz, Chef des Solothurner Gesundheitsamtes. Bei medizinisch indizierten Behandlungen müssen Patienten, die ausserkantonal «liegen», schon heute nichts bezahlen. Die Neuregelung gilt also nur für so genannte Wahl-Eingriffe. «Die ausserkantonale Behandlung wird bezahlt bis zu der Höhe, die eine gleiche Behandlung in einem Spital innerhalb des Kantons kosten würde», präzisiert Schwarz.

Ist die ausserkantonale Behandlung teurer, muss der Patient die Differenz selber berappen. In diesem Sinne müsse jeder aufgrund der individuellen Situation entscheiden, ob er auf die Zusatzversicherung verzichten wolle, erklärt Schwarz. Wenn jemand in einer Randregion lebe und sich regelmässig ausserkantonal behandeln lasse, sei eine Zusatzversicherung für den Differenzbetrag unter Umständen immer noch sinnvoll. «Wer sichergehen will, dass er 2012 zu den gleichen Bedingungen behandelt wird wie bisher, sollte diese Zusatzversicherung behalten.»

Differenzkosten dürften sinken

Mit Kosten von jährlich etwa 300 Franken fällt sie in der Regel bei jährlichen Gesamtkosten für Krankenkassenprämien von 3500 bis 4000 Franken nicht sehr stark ins Gewicht. Der neue staatlich inszenierte Wettbewerb unter den Spitälern sollte ferner dazu führen, dass sich die Behandlungskosten allmählich angleichen. Die Differenzkosten, die so zu übernehmen wären, dürften also in den kommenden Jahren sinken.

Wie finden Patienten heraus, was ein Eingriff in einem bestimmten Spital kostet? «Sie rufen am besten an und fragen», meint Silvia Schütz, Sprecherin des Krankenkassenverbandes Santésuisse in Solothurn. Ob man hier die korrekte Antwort bekommt, ist aber nicht sicher. Haben doch die meisten Spitäler mit den Krankenkassen die so genannten Basisraten noch immer nicht ausgehandelt. Eine Einigung scheint offenbar schwierig. Anhand der Basisrate werden aber im neuen Fallpauschalen-System die Eingriffkosten berechnet. Die Sanitätsdirektoren haben jetzt die Einführung von provisorischen Tarifen beschlossen, um die Liquidität der Spitäler zu sichern.

Rechenbeispiel

Ein Rechenbeispiel: Ein Solothurner lässt sich in der Uniklinik Zürich für 10 000 Franken operieren. Kostet in Solothurn dieselbe Operation 9000 Franken, müsste der Patient 1000 Franken nachzahlen. Je 4500 Franken zahlen Grundversicherung und Kanton Solothurn. Ein Zürcher, der sich in Solothurn operieren lässt, muss logischerweise nichts nachzahlen (bekommt aber auch kein Geld heraus). Silvia Schütz von Santésuisse rät somit dasselbe wie der Chef des Gesundheitsamtes: «Wer sich ausserkantonal behandeln lässt und keine Mehrkosten will, sollte die Zusatzversicherung freie Spitalwahl ganze Schweiz behalten.»