Fernwärme
Derendingen macht jetzt Dampf in Sachen Fernwärmeleitung

Trotz drohender Sappi-Schliessung soll die Gemeinde an die Fernwärmeleitung angeschlossen werden. «Aus Abfall Fernwärme herzustellen ist ökologisch mehr als nur sinnvoll», meint Gemeindepräsident Kuno Tschumi.

Rahel Meier
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Die Fernwärmeleitung der Kebag durchquert das Derendinger Gemeindegebiet. rahel meier

Die Fernwärmeleitung der Kebag durchquert das Derendinger Gemeindegebiet. rahel meier

Solothurner Zeitung

«Der Gemeinderat Derendingen verlangt den Weiterbetrieb der Dampfleitung zur Papierfabrik Sappi Biberist, beziehungsweise die Prüfung sämtlicher Möglichkeiten zur Versorgung des geplanten Fernwärmenetzes.» Mit diesem klaren Auftrag wurde der Gemeindepräsident Kuno Tschumi in Verhandlungen mit den zuständigen Stellen geschickt. Und er hat gute Neuigkeiten. Verschiedene Möglichkeiten wurden geprüft. Und eine kristallisiert sich als machbare Lösung heraus.

Spielregeln haben geändert

Schon als die Dampfleitung zwischen der Kebag in Zuchwil und der Papierfabrik Sappi in Biberist gebaut wurde, wollten sich einige Hausbesitzer in Derendingen an die Leitung hängen und die Fernwärme nutzen. Damals hiess es, dass es zu teuer sei, einzelne Quartiere anzuhängen. In der Zwischenzeit hat sich aber die Philosophie verändert. Einerseits wurden in Derendingen einzelne Gebäude an den Rücklauf der Dampfleitung angehängt. Andererseits werden in Luterbach und Zuchwil ganze Quartiere mit Fernwärmeleitungen erschlossen.

Deshalb möchte Derendingen – auf dessen Gemeindegebiet die Dampfleitung schliesslich durchläuft – nun auch profitieren. «Aus Abfall Fernwärme herzustellen ist ökologisch mehr als nur sinnvoll», meint Kuno Tschumi. Die Gemeinde würde die heutige Heizung für das Schulhaus Mitteldorf frühzeitig aufgeben und sich an der Fernwärme anhängen. Ebenso wäre das Altersheim Derendingen–Luterbach daran interessiert, mit Fernwärme von der Kebag zu heizen. Dazu kommen verschiedene andere Grossbezüger, die bereits heute Fernwärme von der AEK beziehen. Letztere müssten aber umrüsten, da sie nicht direkt an der Dampfleitung, sondern am Rücklauf derselben, angeschlossen sind.

«Einfach einen Deckel drauf»

Das einfachste wäre es, wenn der Dampf einfach wie heute in die Leitung nach Biberist geleitet würde. «Im Moment sieht es aber nicht so aus, als ob es eine Nachfolgeregelung für Sappi gäbe. Damit macht es auch keinen Sinn, Dampf bis nach Biberist zu leiten», erklärt Tschumi. Ohne die Papieri unter Volldampf sei es technisch gar nicht machbar, den bisherigen Dampf durch die Leitung zu schicken. «Wir tendieren deshalb darauf, in Derendingen einfach einen Deckel auf die Leitung zu stülpen.»

Die Leitung würde erhalten bleiben, falls es in Biberist später wieder Abnehmer geben sollte. «Das würde allerdings heissen, dass der Dampf nicht in derselben Art wie heute eingespeist wird.» Statt Dampf, der mehrere Hundert Grad heiss ist, würde so genannter Satt-Dampf, mit nur rund 100 Grad, in die Leitung gelassen. «Das hat den Nachteil, das einiges verloren geht, weil es kondensiert», so Tschumi. Satt-Dampf würde deshalb die Kosten für die Fernwärme leicht verteuern.

Die Variante, eine Leitung mit kleinerem Durchmesser, in die bestehende Röhre zu ziehen, wurde ebenso verworfen, wie die Idee eine eigene Dampfleitung für die Gemeinde Derendingen zu bauen.

Jetzt Farbe bekennen

«Jetzt müssen die Interessierten Farbe bekennen. Wollen sie Fernwärme oder nicht?» Nur wenn genügend Interessierte einen Vertrag mit der AEK unterschreiben, nimmt diese die Arbeiten in Angriff. «Die Gemeinde kostet der Leitungsbau keinen Franken. Die AEK tätigt die Investitionen.» Die Energiebezüger bezahlen diese Investition mit ihrem Energiepreis über die Jahre allerdings wieder zurück. Weil sich in der Zwischenzeit mit der drohenden Schliessung der Sappi die Umstände verändert haben, muss die AEK auch alle bereits bestehenden Verträge nochmals neu verhandeln.

«Langfristig ist das Heizen mit Fernwärme günstiger», ist Kuno Tschumi überzeugt. Die Gemeinde will bis Ende Oktober wissen, ob das Projekt zustande kommt oder nicht. «Wir müssen planen können. Nicht nur wegen unseres Heizungsverbundes im Schulhaus Mitteldorf. Auch das Altersheim hängt in der Luft und es gibt andere grössere Bauprojekte, die anlaufen und bei denen die Bauherrschaft interessiert wäre.» Schon 2012 könnte der Bau des Fernwärmeleitungsnetzes beginnen.

Sorgen macht Tschumi dabei, dass es für die Fernwärmeprojekte in Derendingen keine Subventionen mehr geben soll. «Das haben wir jedenfalls so gehört.» Die AEK sei am Verhandeln mit den dafür zuständigen kantonalen Stellen. «Wenn die AEK einen abschlägigen Bescheid erhält für die Förderbeiträge, werden wir uns als Gemeinde wehren. Es wäre eine Schande, wenn ein solch sinnvolles Projekt nicht gefördert würde.» Auch im Kantonsrat wird dementsprechend Druck gemacht.