Energiestrategie 2050

Der Zweifler und die Gläubige liefern sich ein Duell

Zur Energiepolitik diskutierten Stadtpräsident Kurt Fluri und Stadtpräsidiums-Kandidatin Franziska Roth unter der Leitung von Werner de Schepper.

Zur Energiepolitik diskutierten Stadtpräsident Kurt Fluri und Stadtpräsidiums-Kandidatin Franziska Roth unter der Leitung von Werner de Schepper.

Der Gegner Kurt Fluri und die Befürworterin Franziska Roth lieferten sich im Solothurner Uferbau ein Wortgefecht über die Energiestrategie 2050.

Nein, voll ist der kleine Uferbau-Saal beim ersten Direktvergleich der beiden Stadtpräsidiums-Kandidierenden keineswegs. Gut 60 Personen sind gekommen, überwiegend «Fans» von Franziska Roth oder der Energiestrategie 2050. Im Gegensatz zum amtierenden Stadtpräsidenten Kurt Fluri erhält sie zumindest einmal Szenenapplaus.

Und Fluri wird von Moderator Werner de Schepper auch gleich in die Enge getrieben. Warum tritt ausgerechnet er, der SVP-Gegner, gegen eine Vorlage an, die sonst nur die SVP bekämpft? «Ich bin nicht in diesem Komitee. Die Aussagen der SVP sind mir zu primitiv. Ich bin gegen die Energiestrategie 2050 wegen ihrer Auswirkungen auf die Natur und Umwelt.»

Provokativ auch der Einstieg de Scheppers zu Roth. Warum sie überhaupt für die Energiestrategie sei, wenn doch damit der Atomausstieg nicht geschafft werde? «Ich hätte gerne ein Abschaltdatum gehabt», erklärt die SP-Frau, «aber immerhin werden damit auch keine neuen Atomkraftwerke mehr gebaut.»

Label oder nicht?

Sonnenkollektoren und Photovoltaik auf den Stadtdächern? Bis auf die Altstadt unbedingt auf jedem Dach - für Roth. «Es kommt auf den Winkel an», müsse also Sinn machen, so Fluri.

Attacke Roth: Warum habe der Stadtpräsident im Gemeinderat per Stichentscheid das Goldlabel für Solothurn als Energiestadt verhindert? Das Zuchwil hat? Immerhin habe sich Solothurn die Vorgaben der 2000-Watt-Gesellschaft auf die Fahne geschrieben. Fluri hält nichts von Labels und ihren ständigen Veränderungen der Vorgaben, macht sich für klare Massnahmen statt vage Zielsetzungen stark. Und zu Zuchwils Gold: «Unser Hybridwerk (der Regio Energie Solothurn) steht halt auf Zuchwiler Boden.» Es sollte der fast einzige Schwenker auf den Stadt-Fokus bleiben.

Nun gehts ums Geld. Was kostet uns das erste Massnahmenpaket der Energiestrategie? Von 40 Franken spricht Roth, von 3200 Fluri. Für eine vierköpfige Familie pro Jahr.

Wenn der Eisbär kommt

Nun kann Kurt Fluri begründen, wo er den Haupt-Stolperstein in der Energiestrategie sieht. Der Landschaftsschutz werde aufgeweicht, bisher geschützte Bachläufe könnten verbaut werden, die strenge Juraschutzzone des Kantons obsolet werden, wenn überall Windkraftwerke mitsamt ihrer Infrastruktur errichtet würden. «Ich begreife die Umweltverbände nicht, dass sie die Vorlage unterstützen.»

Für Franziska Roth muss «halt jeder etwas hergeben», um die Ziele der Energiestrategie zu erreichen. «Lieber Windkraft auf dem Berg oben, als der Eisbär kommt zu uns runter», meint sie dezidiert.

Auch stimme es nicht, dass durch die Windräder abertausende Vögel umkämen, beruft sich Roth auf ihren Sohn, einen Ornithologen. «Wir sind mit Leib und Seele für die Energiestrategie. Auch der WWF und Pro Natura können nicht anders», erklärt sie und fordert den Stadtpräsidenten auf, seinen «Plan» fürs Erreichen der Energieziele aufzuzeigen.

Gas nicht verteufeln

Kurt Fluri sieht Chancen im Ausbau der bestehenden Wasserkraftwerke und im Senken der Wasserzinsen durch die «Alpen-Opec». «Und wir müssen aufhören, Gas und sogar Bio-Gas, die CO2-arm sind, zu verteufeln», fürchtet Fluri eine strenge Umsetzung der Mustervorschriften des Kantons im Energiebereich (MuKEN), die das Gasversorgungsnetz der Regio Energie «kaputt» machen könnte.

Skeptisch zeigt sich Fluri gegenüber all den Experten, zweifelt an der Versorgungssicherheit, weil Solar- und Windenergie saisonal grossen Schwankungen unterworfen seien. Und der Import beispielsweise von deutschem Windstrom wegen 1000 Kilometer fehlender Leitungen schwierig sei. Anders Roth: Sie glaubt an die eigene Innovationskraft und betont zum ersten Atomkraftwerk, das sicher - nämlich 2019 – ausgeschaltet wird: «Mühleberg haben wir bereits ersetzt.» Und weitere Stilllegungen könnten kompensiert werden. Denn: «38 000 Projekte warten nur auf ihre Umsetzung.»

Der Einbezug des Publikums bringt nochmals einen Schlagabtausch. Fluri stellt fest, es würden weltweit ständig mehr Atomkraftwerke gebaut, und das Entsorgungsproblem sei technisch, aber nicht politisch gelöst. Roth sieht gerade das Gegenteil – spätestens am 21. Mai sind die Meinungen gemacht.

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