Solothurn
Der Solothurner Freisinn hat keinen Plan B(üttiker) für die Ständeratswahl

Heso-Zeit ist auch Tuschel- und Gerüchte-Zeit. Bekannt ist, dass Rolf Büttiker nach Ende dieser Legislatur nicht mehr als Ständerat antritt und Kurt Fluri für die Freisinnigen den Sitz im Stöckli verteidigen soll.

Theodor Eckert und Urs Mathys
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Kurt Fluri (links) will seinen Sitz verteidigen und Rolf Büttiker ist kein Joker

Kurt Fluri (links) will seinen Sitz verteidigen und Rolf Büttiker ist kein Joker

Solothurner Zeitung

Bekannt ist mittlerweile auch, dass damit nicht alle Parteigänger glücklich sind und sie Büttiker für den erwarteten zweiten Wahlgang bereits in den Startlöchern sehen. Die politischen Gegner hüten ihre Zunge ebenso wenig und verkünden munter, die beiden bisherigen Ständeräte würden auch die künftigen sein. Kein Wunder werden nun Aussprachen innerhalb der FDP und das Abfassen schriftlicher Verzichtserklärungen herumgeboten. Ist beim Solothurner Freisinn tatsächlich Feuer im Dach, oder handelt es sich bloss um einen Sturm im Wasserglas?

FDP-Präsident spricht Klartext

Kommentar

Der Solothurner Stadtpräsident und Nationalrat Kurt Fluri ist nicht zu beneiden. Mitten im Ständeratswahlkampf fliegt ihm gegenwärtig so einiges um die Ohren: Die Jungen machen ihm in Sachen Kofmehl-Öffnungszeiten die Hölle heiss und einige ältere Semester versuchen gar, den Kandidaten kalt zu duschen. Obwohl Fluri letztlich klar nominiert wurde, wollen parteiintern die Stimmen nicht verstummen, die ihm die Verteidigung des Sitzes im Stöckli nicht zutrauen. Woher die Heckschützen stammen und wer sie sind, gibt seit Wochen zu reden. Sie verstecken sich zwar hinter der Hecke, diese dürfte aber nicht im oberen Kantonsteil stehen. Wie auch immer, hinter diesem Gebüsch ertönt einem Endlostonband gleich der Ruf nach Rolf Büttiker als Retter in einem zweiten Wahlgang. Er, verständlicherweise geschmeichelt und ohnehin nicht gerne aus Bern abreisend, sah dem Treiben lange Zeit amüsiert zu. Mittlerweile dürfte auch ihm der Spass vergangen sein, schaden doch solche Mätzchen der gesamten Partei. Deren Einsteckvermögen ist bekanntlich schon zur Genüge ausgeschöpft.


Kurt Fluri ist nicht der Strahlemann, der den Leuten nach dem Mund redet. Im Gegenteil, er denkt und sagt danach, was dabei herausgekommen ist. Das kann auch schon mal unangenehm sein. In einer Welt der Beliebigkeit, ein fester Wert. So ein Mann würde es verdienen, von vorne attackiert zu werden.


Nun hat Parteipräsident Christian Scheuermeyer gesagt, was Sache ist und Rolf Büttiker zumindest verbal aus dem Rennen genommen. Das war an der Zeit. Ob es erst fünf vor, oder bereits fünf nach zwölf geschlagen hat, wird sich noch weisen müssen.

Theodor Eckert

Dagegen bestätigt Scheuermeyer, selber Nationalratskandidat, dass zwischen Fluri und Büttiker eine diesbezügliche Aussprache stattgefunden habe, die letztlich für Klarheit gesorgt habe. Von einer schriftlichen Verzichtserklärung im Hinblick auf den zweiten Wahlgang, die der langjährige Wolfwiler Politfuchs angeblich habe unterschreiben müssen, will Scheuermeyer nichts wissen: «In unserer Partei ist ein Wort eben noch ein Wort, da braucht es keine unterschriebenen Dokumente.»

Gleichzeitig lobt Scheuermeyer die Arbeit und das Wirken von Büttiker, betont aber unmissverständlich, dass dessen Zeit auf der nationalen Bühne abgelaufen sei. «Einmal ist dieser Moment für alle gekommen und deshalb würde es gar niemand verstehen, wenn wir nochmals auf ihn zurückgreifen würden.» Auf die Frage, auf wen die Partei denn in der Not sonst zählen könnte, liess sich Scheuermeyer nicht auf die Äste hinaus, er meint bloss: «Da stünden dann schon andere Namen zur Diskussion, aber sicher nicht Büttiker.»

Also Christian Wanner? «Ich stehe definitiv nicht zur Verfügung – unter keinen Umständen», winkt der Solothurner Finanzdirektor auf Anfrage aber energisch ab. «Wenn ich zehn Jahre jünger wäre, dann könnte ich mir das ja noch überlegen, aber jetzt sicher nicht mehr», sagt der 64-Jährige dezidiert. Diese Spekulationen seien eh überflüssig, glaubt Wanner weiter an Kurt Fluris Erfolg.

Was sagt Kurt Fluri?

Selbstverständlich sind die Anspielungen auch bei Kurt Fluri angekommen. Verständlicherweise hat er überhaupt keine Freude an diesem Kapitel des Wahlkampfes. Gleichwohl schätzt er es, dass das Thema nun auf den Tisch kommt und nicht weiter in der Dunkelkammer herumgeistert. Wie gewohnt redet Fluri nicht um den heissen Brei herum: «Diese Angelegenheit widert mich an. Wir hatten innerhalb der Partei ein sauberes Auswahlverfahren. Zu den versteckten Attacken kann ich nur die Steigerung zitieren Feind, Todfeind, Parteifreund».

Fluri stört sich nicht zuletzt daran, dass die Heckenschützen im Verborgenen operieren und keine konkreten Vorwürfe vorbringen. Zudem ist für ihn klar: «Solche Spielchen schaden in erster Linie der Partei.»

Bei so vielen klaren Worten interessiert natürlich, was der abtretende Ständerat und angebliche Joker Rolf Büttiker selber zum Wirbel um seine Person zu sagen hat. Er, der sich mit dem Rückzug aus der nationalen Politik schwertut. Büttiker, im Unterstützungskomitee für Kurt Fluri, meint trocken: «Was soll das Ganze? Jetzt warten wir den ersten Wahlgang ab und dann ist es vielleicht gar kein Thema mehr.» Ansonsten gibt sich der sonst gesprächigere Büttiker für einmal bedeckt.

Mindestens so viel ist ihm zu entlocken: Von einer unterschriebenen Verzichtserklärung will er ebenfalls nichts wissen. Dass Rolf Büttiker überhaupt in diese Notnagel-Rolle (ge)drängt (wird), hat nicht zuletzt mit seinem gegenwärtigen Arbeits- und Repräsentationseifer zu tun. Der Mann läuft in seinem letzten Ständeratsjahr zu einer eigentlichen Hochform auf. Er ist an mehreren politischen Fronten aktiv und dadurch medienpräsent wie kaum zuvor. Das ist schön für den Kanton und viel Balsam für das Ego, was es für die Partei bedeutet, werden wir bei der Schlussabrechnung sehen.