«Die Nachfrage nach Hypotheken für den privaten Wohnungsbau ist enorm», sagt Markus Boss, Chef der Regiobank Solothurn. Bruno Conzatti, Leiter Tresorerie bei der Berner Kantonalbank, beobachtet ein ungebrochen hohes Interesse nach Wohnbaukrediten. «Die Nachfrage wird tendenziell noch zunehmen.» Es sei «sehr einladend, Wohneigentum zu erwerben», ergänzt Marcel Müller, stellvertretender Geschäftsleiter der Baloise Bank SoBa in Solothurn.

Hypozinsen auf Rekordtief

Indirekt verantwortlich für das anhaltend boomende Geschäft mit Hypotheken ist der schwache Euro respektive der starke Franken. Um die Frankenaufwertung zu stoppen und damit die Exportwirtschaft zu stützen, verfolgt die Schweizerische Nationalbank seit Längerem eine Tiefzinspolitik; vergangene Woche hat sie das Zielband für den Leitzins sogar auf 0 bis 0,25 Prozent gesenkt, also praktisch auf Null. In der Folge sind die Zinsen für Grundpfandkredite vom bereits sehr tiefen Niveau nochmals gesunken.

Wie eine Umfrage unter Banken in der Region zeigt, sind die Zinssätze für fünfjährige Festhypotheken teilweise unter zwei Prozent, jene für zehnjährige grösstenteils deutlich unter drei Prozent gefallen (siehe Tabelle). Und das ist keine Eintagesfliege. «Bis Ende Jahr wird sich an den tiefen Zinsen nichts ändern», wagt Boss eine Prognose. Für Margrit Friedli, Leiterin der Spar- und Leihkasse im oberaargauischen Wynigen, «sind weitere Zinssenkungen zurzeit sicher nicht auszuschliessen.»

Mehr Schuldner – höhere Risiken

Für bestehende und künftige Hausbesitzer sind das rosige Aussichten. Andererseits nehmen mit der steigenden Zahl der Hypothekarschuldner auch die Risiken zu, sowohl für Kreditnehmer wie Banken. Dann etwa, wenn die Zinsen steigen – und das werden sie irgendwann. «Wir müssen unsere potenziellen Kunden vermehrt darauf hinweisen. Viele sind sich nicht bewusst, dass das aktuelle Zinsniveau nicht der Normalität entspricht», erklärt Boss von der Regiobank.

Die Bankenvertreter versichern aber unisono, die internen Kreditrichtlinien wie Tragbarkeit und Belehnungsgrenze strikte einzuhalten. «Wir gehen trotz hartem Wettbewerb keine Geschäfte zulasten des Risikos ein. Allenfalls bei den Konditionen gibt es eine kleine Flexibilität», erklärt etwa SoBa-Mann Marcel Müller. Von «traumhaften Zinsverhältnissen» spricht Stefan Wälchli, stellvertretender Direktor der Clientis Bank Oberaargau. «Sie sind so verlockend, dass sich auch jene melden, die sich Wohneigentum langfristig nicht leisten können. Die Ablehnungsquote steigt deshalb an.»

Hypothekarzinssätze im Überblick

Hypothekarzinssätze im Überblick

Strengere Regeln in Sicht

Offenbar sind nicht alle Akteure überzeugt, dass jede Bank ihre Hausaufgaben gemacht hat. Nicht nur warnen seit einem Jahr Nationalbank und Finanzmarktaufsicht Finma regelmässig vor Zinsänderungsrisiken. Jetzt diskutieren Finma und Bankiervereinigung gar über eine Verschärfung der Vergaberichtlinien für Hypokredite. Unabhängig davon hat die Berner Kantonalbank bereits reagiert, wie Bruno Conzatti sagt. «Wir verlangen für die Kreditvergabe 20 Prozent echte Eigenmittel, also ohne Einbezug von Pensionskassengeldern.»

Keine Crash-Gefahr in der Region

Allfällig höhere Zinsen sowie eine mögliche Rezession bergen noch weitere Risiken. Die Nachfrage nach Wohneigentum nimmt ab und die Immobilienpreise sinken. Bei einem grösseren Preiseinbruch muss der Hausbesitzer deutlich mehr amortisieren, ansonsten die Liegenschaft überbelehnt ist. Die Banken schätzen diese Gefahr für unsere Region als tief ein. «Es gab in der Vergangenheit keine Übertreibungen und die Immobilienpreise sind nur moderat gestiegen. Es wird zu keinem Crash oder Flächenbrand kommen», sagt stellvertretend Marcel Müller. Dies bestätigt Urs Leimer von der Leimer Immobilien AG in Grenchen. «In unserer Region gibt es keine Überhitzung. Eine Preisblase hat sich nicht aufgebaut.»