Die Vogelberingungsstation auf dem Subigerberg wird um einen Neubau erweitert. Unterhalb der bisherigen Beringungsstation erstellt der Vogelschutzverband des Kantons Solothurn zusammen mit dem Naturpark Thal bis im Herbst eine Naturbeobachtungsstation. Neben einem Gruppenraum für Schulungen umfasst diese auch einen neuen Beringungsraum. Ein Naturerlebnispfad, der bereits beim Bahnhof Gänsbrunnen beginnt, ergänzt das Angebot ab Sommer 2012. «Als Ausflugsziel wird die Naturbeobachtungsstation eines der Aushängeschilder des Thals werden», schreiben die Projektverfasser.

Die kleine, enge Strasse zwischen Gänsbrunnen und Court ist nicht nur bei Motorradfahrern eine beliebte Route. Dort, wo sich das Thal zwischen erster und zweiter Jurakette verengt, liegt auch eine Durchgangsroute des Vogelzuges. Kurz vor dem Binzberg, etwas oberhalb des kantonalen Naturreservates Brunnersberg, steht deshalb die Beringungsstation Subigerberg. Seit 1968 werden jedes Jahr im Herbst Vögel beobachtet, vermessen und beringt. Die Vogelwarte Sempach sammelt die Daten und wertet sie aus.

Erkenntnisse über Biodiversität gewinnen

Auch die Zahl der Brutvögel, Tagfalter- und Heuschrecken-Populationen wird auf dem Subigerberg erhoben, denn Sömmerungsweiden, Hecken, Krautsäume und Beeren bieten einen Lebensraum für verschiedene Tierarten. Daraus lassen sich wertvolle Informationen über Biodiversität, Artenkenntnis und die langfristige Entwicklung von Tierarten – aber auch deren Gefährdung – gewinnen. An dieser Forschung und den Erkenntnissen daraus will der Naturpark vermehrt Besucher teilhaben lassen. Bei Pflegeeinsätzen, Themenwochen und Kursen sollen Schulen, Gruppen und Einzeltouristen das ganze Jahr über die Naturwelten auf dem Subigerberg entdecken. «Ein Feldlabor zum Vertiefen», schwebt Thomas Schwaller, Vizepräsident des Vogelschutzverbandes Kanton Solothurn und Präsident des Vereins Region Thal, vor.

Ab dem Bahnhof Gänsbrunnen wird ein einstündiger Pflanzenlehrpfad die Besucher durch das Naturreservat zum Subigerberg führen. Auf dem Subigerberg selbst entsteht ein Naturlehrpfad an zehn Posten. Die «Wiese als Geräuschkulisse», «Magerweide oder Fettwiese?» und «die Brennessel als Heilpflanze» sind drei der zehn Themen, die auf Informationstafeln erläutert werden. Daneben sollen sich die Besucher interaktiv betätigten und mit allen Sinnen die Natur erkunden. Hören, sehen, riechen und schmecken kann man bei den Tafeln.

Alte Beringungsstation bleibt bestehen

In einem engen Gang, gleich beim Eingang der Beringungsstation, war bisher ein Beringungspult aufgestellt – neben Küche und Schlafräumen der Beringungsstation. Für die Besuchergruppen, die während der Beringungszeit täglich auf den Subigerberg kommen, ist dies zu wenig Platz. Und: «Die Vogelwarte empfahl wegen der Vogelgrippe, die Beringung getrennt vorzunehmen», erklärt Thomas Schwaller. Jetzt wird unterhalb der bisherigen Beringungsstation auf 6 mal 12 Metern ein schlichter Holzbau erstellt. Durch eine Scheibe können Besucher zukünftig die Beringung vom Gruppenraum aus beobachten. Vor dem Haus wird es eine Beobachtungsplattform gebaut, drinnen gibt es eine kleine Dauerausstellung zum Vogelzug. Für die ganzjährige Nutzung wird das Gebäude isoliert und mit einer kleinen Pelletheizung versehen. Die alte Beringungsstation bleibt als Verpflegungs- und Übernachtungsort bestehen.

Die Kosten liegen bei 332000 Franken– 267000 für den Neubau und 60000 Franken für den Naturlehrpfad. 310000 Franken sind über Drittmittel schon gesammelt. «Die öffentliche Hand leistet keine Beiträge an die Infrastruktur», sagt Schwaller. Der Naturpark übernimmt die Lohnkosten der Projektleitung. Das Areal liegt in der Juraschutzzone. Deswegen wurde vor Einreichen des Baugesuches beim Amt für Raumplanung eine Voranfrage gestartet, die positiv beantwortet wurde.