Es gab eine Zeit, da hat man einfach seinen Geschäftspartner angerufen. Vielleicht war er ja gerade im Büro. Falls nicht, versuchte mans später nochmals. In der Kommunikationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts läuft alles ganz anders. Jeder will – muss – zu jeder Zeit an jedem Ort der Welt erreichbar sein. Denn Geschäft ist Geschäft.

In den Chefetagen sind heute Videokonferenzen an der Tagesordnung. Apps machen aus jedem Smartphone eine kleine Telefonzentrale. Aastra Telecom Schweiz AG in Solothurn mischt bei dieser Entwicklung ganz vorne mit. Dies wurde am gestrigen ersten Medientag des Unternehmens klar. «Wir sind in verschiedenen Bereichen Marktleader, aber niemand ausser unseren Kunden kennt uns», sagte Ulrich Blatter, Managing Director bei der Schweizer Tochterfirma des kanadischen Telekomkonzerns. 130 Personen arbeiten in den Gebäuden der ehemaligen Ascom, davon 98 in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Sie entwickeln Software für Kommunikationsserver und teilweise auch die Hardware dazu. Auch das Design aller Aastra-Endgeräte kommt aus Solothurn. Besonders stolz ist man auf die neue Telefonzentrale Aastra 400, die nach dreijähriger Entwicklungsarbeit im Frühjahr lanciert wurde und von der bereits 500 Geräte schweizweit im Einsatz sind.

Grenzenlose Kommunikation

Die Kommunikationsmöglichkeiten scheinen grenzenlos. Grössere Modelle enthalten einen PC mit Applikationen nach Wunsch. So können auch gleich Lichtschalter, Türöffner, Webcams usw. am «Telefon» bedient werden. Telefongespräche und Voicemails können abhörsicher verschlüsselt werden. Wer einen Anruf im Büro am Tischapparat entgegennimmt, kann diesen ohne Unterbruch am Handy im ganzen Gebäude über WLAN weiterführen, oder auch gleich unterwegs übers Mobilnetz. Der letzte Schrei sind Videotelefone mit HD-Bildqualität und Touchscreen, welche noch diesen Herbst auf den Markt kommen sollen.

Damit jeder mit jedem pannenfrei kommunizieren kann, werden in Solothurn mehrere Testlabors unterhalten, wo alle nur erdenklichen Geräte einander anrufen – manuell oder per selbst entwickelter Testsoftware. «Wir kontrollieren mit Referenz-Sprachdateien auch die Tonqualität der Geräte», erklärt Ernst von Winterfeld, Chef der Testabteilung.

Die schöne neue Kommunikationswelt steht aber auf tönernen Füssen. Meldungen und Spekulationen jagen sich: Riesenkonzerne wie HP verkaufen ihr Kerngeschäft per Federstrich, einstige Marktleader wie Nokia drohen buchstäblich den Anschluss zu verlieren. Fehlentscheide kann sich niemand leisten. Welchen Trends folgt da Aastra? Die Konvergenz von Computer und Telefon sei augenfällig, betont Blatter, wobei die Multimedia-Anwendungen zunehmend im Zentrum stehen würden. «Video wird ein grosses Zukunftsthema sein, aber auch die Integration von mobilen Anwendungen.» Entscheidend für Kunden sei zudem die Senkung der Betriebskosten.