Reisen
«Der Markt für Ägyptenreisen ist vorderhand tot»

Die Unruhen in Ägypten durchkreuzen die Ferienpläne vieler Schweizerinnen und Schweizer. Die Reisebüros in unserer Region erhalten keine Neubuchungen. Panik ist aber nicht angesagt, vielmehr wird umgebucht statt annulliert.

Franz Schaible
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Weniger Touristen in Scharm El-Scheich am Roten Meer. AZ/Archiv

Weniger Touristen in Scharm El-Scheich am Roten Meer. AZ/Archiv

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Abraten von einer Rundreise in Ägypten oder einem Urlaub an den Stränden des Roten Meeres muss Heinz Schachtler vom Solothurner Reisebüro Travellino nicht. «Aufgrund der aktuellen Ereignisse im Nilland will praktisch niemand eine Reise dorthin buchen.» Es gäbe für kurzfristige Reisen auch gar keine Buchungsmöglichkeiten, weil grosse Tourveranstalter nach der Warnung des Eidg. Departementes für auswärtige Angelegenheiten (EDA), nicht nach Ägypten zu reisen, ihre Angebote sistiert hätten.

«Der Markt für Reisen nach Ägypten und auch nach Tunesien ist vorderhand tot.» Auch Walter Kunz, Geschäftsleiter der Eko Reisen AG in Olten, macht aktuell «keine neuen Buchungen». Es wäre auch falsch, unsichere Ferienziele anzubieten. «Die Situation muss sich zuerst wieder beruhigen.» Solange das EDA seine Reisewarnung nicht zurücknimmt, «werden wir bei Buchungen nach Ägypten mit Abflug im Februar abwinken», ergänzt Roland Gertsch, Geschäftsführer und Inhaber des Reisebüro Vasellari in Solothurn. Froh ist er, dass alle «seine» Ägypten-Reisenden inzwischen wieder planmässig in die Schweiz zurückgekehrt seien.

Kanarische Inseln als Alternative

Nicht wenige Sonnenhungrige haben aber ihre Reisen nach Scharm El-Scheich oder Hurghada bereits gebucht. Die Reisebüros haben reagiert und bieten ihren Kunden, die Reisen mit Abflug bis Mitte Februar gebucht hatten, die kostenlose Annullation oder Umbuchung an. «Wir schlagen den Reisenden Alternativen vor», sagt Patricia Nyffeler vom Reisebüro Vasellari Grenchen AG (ist unabhängig vom gleichnamigen Solothurner Reisebüro). Eine Möglichkeit seien die Kanarischen Inseln. Diese Destination geben alle Reisexperten als Ausweichziel an. Andere gebe es unter Berücksichtigung des Reisebudgets, der Distanz und der Wetterverhältnisse auch gar nicht, begründet Schachtler von Travellino. «Das Rote Meer ist die am schnellsten erreichbare Destination für all jene, die in dieser Jahreszeit den Sommer suchen.»

Ausfälle werden kompensiert

Ägypten als Reisedestination ist für die hiesigen Reisebüros ein wichtiger Markt. Gerade als Badeferienziel habe sich das Land am Roten Meer in den vergangenen Jahren «sehr gut entwickelt», erklärt etwa Walter Kunz von Eko Reisen. Trotzdem erwarten die Reiseprofis keinen Umsatzeinbruch wegen annullierter Reisen. «In 90 Prozent der Fälle gelingt es uns», so Kunz, «für die Kunden eine Alternative zu finden.» Ganz auf die Ferien verzichten wolle niemand, ergänzt Roland Gertsch von Vasellari Solothurn. «Der Schaden dürfte sich also in Grenzen halten.» Viel gravierender seien die Ausfälle im vergangenen April wegen der Vulkanasche gewesen. Da hätten die Reisebüros Umsatz verloren, denn an Ausweichvarianten habe es gefehlt.

Dass Kunden nur vereinzelt nach der Annullation lieber zu Hause bleiben, habe auch mit der Häufung der Konflikte und Zwischenfälle wie 9/11, Sars, Schweinegrippe, Vulkanasche oder eben nun Ägypten zu tun, beobachtet Schachtler: «Die Ferienreisenden sind flexibler geworden.»