Herzliche Gratulation zum grossartigen Erfolg. Wie haben Sie diesen erlebt?

Danke. Es war überwältigend. Wir bekamen Standing Ovations, und zwar nicht nur vom Publikum, sondern auch von der Jury. Man hat mir berichtet, dass Jurymitglieder im Verlauf des Vortrages keine Notizen mehr machten, sondern nur noch zuhörten.

Hat sich nun etwas verändert in Ihrem Leben?

Man nimmt mich anders wahr. Leute aus anderen Kreisen als jenen, in denen ich mich sonst bewege, kommen auf mich zu, wollen wissen: Wer ist dieser Meier? Das ist gewöhnungsbedürftig. Aber ich will mich dadurch nicht beeinflussen lassen, gehe meinen Weg weiter. Ich will gute Musik machen, dem Publikum etwas rüberbringen und dabei spüren, wenn es funkt.

Wie sind sie zur Musik gekommen?

Mein Vater hat in der «Eintracht» Kestenholz mitgespielt und ich war viel und gerne dabei. Dann lernte ich Klarinette spielen, aber das ging beinahe schief, weil ich mich mit dem Lehrer nicht verstanden habe. Später packte es mich dann doch und ich wollte gleich nach der Schule ans Konservatorium. Das wiederum wollte mein Vater nicht. So habe ich eben zuerst Schreiner gelernt.

Und wie kam es zum Dirigieren?

In der Jugendmusik Kestenholz entdeckte ich, dass man einen Klangkörper formen kann. Dann wurde ich Vizedirigent der «Eintracht», und dessen Dirigent Alois Grolimund sah, dass ich Talent habe, und förderte mich. Der Durchbruch kam eigentlich unfreiwillig: Als Klarinettist spielte ich bei der «Konkordia» Egerkingen mit, und als wir an einem Musiktag plötzlich ohne unseren Dirigenten Albert Brunner dastanden, hiess es: Roger, jetzt musst du ran. Da kam ich ins Schwitzen, denn ich hatte ja damals noch nie ein Stück in der 1. Stärkeklasse dirigiert. Aber es ging. Albert Brunner hat mich dann in der Folge ebenfalls gefördert.

Sie sind mit 40 Jahren bereits sehr erfolgreich. Jüngst hat Sie die Stadtmusik St.Gallen, ein Verein der Höchstklasse, zum musikalischen Leiter gewählt. Was ist Ihr Rezept?

Ich setze Ziele. Eines war, dass ich mit 40 Jahren vor einem Höchstklasseverein stehen will. Dass ich dies nun tatsächlich auf den Punkt erreicht habe, hat mich schon ein wenig verblüfft. Immerhin hatten die St.Galler 35 Bewerbungen. Und bei Schüpfheim sagte ich, dass ich nach den zweiten und dritten Rängen einen Sieg erreichen will. Aber dazu brauchte ich natürlich einen Verein, der voll mitzieht.

Besonders in der 1. Stärkeklasse steigen die Anforderungen stetig. Viele Vereine kommen ohne Aushilfen nicht mehr aus. Wie stehts in Schüpfheim?

Wir mussten ausnahmsweise zwei Waldhörner, eine Tuba, einen Kontrabass, eine Oboe und ein Englischhorn zuziehen. Aber grundsätzlich spielen wir mit den eigenen Leuten. Es darf nicht sein, dass ein Verein an einem Wettbewerb doppelt so gross ist, wie wenn er im Dorf spielt. Das ist in Schüpfheim zum Glück nicht der Fall. Die Leute dort pflegen auch die traditionellen Anlässe im Dorf. Die Musikgesellschaft wird wahrgenommen.

Aber das hängt auch mit Ihnen als Dirigent zusammen.

Ja, die Chemie stimmt, bin ja auch gerne dort. Ich gestalte den Betrieb so effizient wie möglich. Der Verein hat 60 Mitglieder, in den Proben fehlen manchmal nur gerade vier oder fünf. Wir proben einmal pro Woche, vor einem Konzert oder Wettbewerb zweimal. Das bedingt natürlich, dass die Leute für sich üben und der Dirigent gut vorbereitet ist.

Heisst nun das nächste Ziel Höchstklasse für Schüpfheim?

Sicher nicht. Ich habe jetzt zehn Jahre lang mit dem Verein gearbeitet und ihn von den hinteren Rängen an die Spitze geführt. Den Schritt in die Höchstklasse würde der Verein ganz klar nicht verkraften. Denn auf dieser Stufe werden die Orchester bis zur Hälfte mit Profis, Musikstudenten und ganz ambitionierten Amateuren gebildet, anders hat man keine Chance.

Wie schaffen Sie es, an so vielen Stellen zu arbeiten: Dirigent in Rothenburg, Schüpfheim und St. Gallen, Lehrer an den Musikschulen Gäu und Oensingen-Kestenholz, Auftritte als Klarinettist und dann noch eine Familie?

Das gehört halt einfach zum Leben eines Profimusikers. Aber es stimmt schon, mittlerweile ist es zu viel geworden. In diesem Jahr war es extrem. Das Problem war, dass Engagements als Musiker und als Experte an Musiktagen schon seit langem vereinbart waren, die Teilnahme am Eidgenössischen mit den Vereinen Rothenburg und Schüpfheim ebenfalls. Nicht eingeplant war die Bewerbung bei der Stadtmusik St.Gallen, das hat natürlich eine seriöse Vorarbeit gebraucht, denn mit mir haben sich noch 34 weitere Dirigenten beworben. Ja, es gab Zeiten, da bin ich körperlich an Grenzen gestossen. Wobei es nicht das Reisen ist, sondern die volle Präsenz und Konzentration, die das Dirigieren verlangt, wenn man etwas erreichen will. Nun habe ich einige Schüler abgegeben und auch die Leitung der Feldmusik Rothenburg.

Wie erholen Sie sich?

Im Wald. Dort ich gehe täglich etwa anderthalb Stunden mit meinem Hund spazieren. Und bei meiner Familie, meine Frau hat mir in den letzten Monaten den Rücken total frei gehalten.

Spüren Sie – als ehemaliger Schreiner – im Wald wieder die Nähe zum Holz?

Daran habe ich noch gar nicht gedacht, aber das spielt sicher mit. Die Klarinette ist schliesslich auch ein Instrument aus Holz. Und der Dirigentenstab auch.