Kantonsgeschichte

Der Kanton ist endlich im 20. Jahrhundert angelangt

Nach dem 19. soll nun das 20. Jahrhundert Solothurns von einem Autorenteam dargestellt werden.  Ueli Wild

Nach dem 19. soll nun das 20. Jahrhundert Solothurns von einem Autorenteam dargestellt werden. Ueli Wild

Der Solothurner Regierungsrat ist neugierig auf die jüngste Geschichte seines Kantons: Er hat an seiner letzten Sitzung das Projekt für eine Kantonsgeschichte des 20. Jahrhunderts lanciert und einen Rahmenkredit von 1,75 Millionen Franken bewilligt.

In sechs Jahren – bis Ende 2017 – sollen für die Darstellung der Zeit vom Ersten Weltkrieg bis zum Jahr 2000 zwei Teilbände mit insgesamt 960 Seiten vorliegen.

Von 1914 bis zum Jahr 2000

Seinen Wunsch, auch die Kantonsgeschichte des 20. Jahrhunderts von Historikern darstellen zu lassen, hatte der Regierungsrat schon im Frühjahr festgehalten. Anfang April war der von einem Autorenteam unter der Projektleitung von André Schluchter (Olten) erarbeitete Teil 2 des vierten Bandes (1831 bis 1914) der Öffentlichkeit vorgestellt worden (wir berichteten). Die Regierung beurteilt die Reaktionen auf diesen neusten Teilband als «durchwegs positiv». Das Ziel – «ein lesbares, gut illustriertes Buch vorzulegen, das die solothurnische Geschichte aus verschiedenen Perspektiven betrachtet und wissenschaftlichen Ansprüchen genügt» – sei erreicht worden, heisst es im Regierungsratsbeschluss.

Ende April hatte die Regierung den Projektleiter und die von Verena Bider, Direktorin der Zentralbibliothek Solothurn, präsidierte Fachkommission beauftragt, das weitere Vorgehen aufzuzeigen. Laut deren Bericht sollen wiederum zwei Teilbände erarbeitet werden, die das «kurze» 20. Jahrhundert, genauer die Jahre von 1914 bis 2000, in sechs thematischen Längsschnitten darstellen. Es sind die gleichen Themenbereiche wie im Band 4 über das 19. Jahrhundert: Landschaft und Bevölkerung; Wirtschaft und Verkehr; Gesellschaft; Staat und Politik; Kirche, Religion, Frömmigkeit; Kultur.

Der Bericht enthält bereits eine detaillierte Kapiteleinteilung. Der Gesamtumfang beider Teilbände wird auf 960 Seiten veranschlagt, etwas knapper als Band 4. Beide Bände sollen bis im Jahr 2017 vorliegen, mit Kosten von 1,75 Mio. Franken. Entsprechend dem Bericht hat der Regierungsrat gestern den Rahmenkredit aus dem Lotteriefonds bewilligt und damit die historische Aufarbeitung des 20. Jahrhunderts im Kanton Solothurn angestossen.

Im Lauf des kommenden Jahres hofft Projektleiter André Schluchter – er ist Leiter der Abteilung Kulturpflege im kantonalen Amt für Kultur und Sport – das Autorenteam zusammenstellen zu können. Gesucht sind Historikerinnen und Historiker, die über profunde Vorkenntnisse der solothurnischen Geschichte im 20. Jahrhundert oder in anderen Regionalgeschichten verfügen.

Vom Klassenkampf bis zur SVP

Die Kantonsgeschichte des 20. Jahrhunderts verspricht spannend und kontrovers zu werden, vielleicht sogar populär: Viele Themen sind uns heute Lebenden präsent und mit Emotionen verbunden. Einige Stichwörter aus der vorgesehenen Kapiteleinteilung mögen dies veranschaulichen: Fremde kommen (und gehen), Bankenkrisen (Ersparniskasse Olten, Bank in Kriegstetten), Blüte, Höhepunkt und Niedergang solothurnischer Traditionsindustrien (Metall, Uhren, Schuhe), Egerkingen und das Gäu als Logistik-Center und Drehscheibe im europäischen Autobahnnetz, Energiepolitik – von der Wasserkraft zum AKW Gösgen und zum Streit um die Nutzung von Windenergie, die «Amerikanisierung» des Alltags nach dem Zweiten Weltkrieg, Parteipolitik vom Generalstreik bis zum Aufstieg der SVP. Ausgespart bleibt eigentlich nur die Zukunft.

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