Dürre

Der Kanton erlebt eine Dürrephase - und vorerst kümmerts niemanden

Der Hitzesommer 2003 brachte die Bauern an den Rand der Verzweiflung, im Bild ein Feld bei Lommiswil 2003

Der Hitzesommer 2003 brachte die Bauern an den Rand der Verzweiflung, im Bild ein Feld bei Lommiswil 2003

Die aktuelle Trockenheit ist im Kanton Solothurn vergleichbar mit dem Jahrhundertsommer 2003. Bis heute fielen erst rund 700 Liter, fast 900 hätten es sein sollen. (Noch) fühlt sich niemand von der aussergewöhnlichen Situation betroffen.

Fast unbemerkt von den meisten Menschen bahnt sich klimatechnisch ein Rekord an. Denn derzeit deutet alles darauf hin, dass das Jahr 2011 trockener wird als 2003. Dieses war unter anderem dank seinem «Jahrhundertsommer» als niederschlagsärmstes Jahr der letzten Jahrzehnte in die Annalen eingegangen.

Massiv weniger Niederschlag dieses Jahr

Im aktuellen Jahr war der Sommer zwar weniger spektakulär. Ausgerechnet zur Hauptferienzeit war es eher kühl und feucht gewesen. Zudem füllten einige, teils zerstörerische Gewitterzüge die Messbecher der Wetterstationen. Doch punkto Niederschlagsdefizit trocknet 2011 die vergangenen Jahre trotzdem ab. Bereits die ganze erste Jahreshälfte war aussergewöhnlich niederschlagsarm gewesen – und seit August hat sich dieses Defizit sogar noch leicht vergrössert.

Die dramatische Bilanz: Bis heute fielen in Grenchen erst rund 580 Liter; rund 1050 sollten es bis Ende Jahr sein. Da in Grenchen erst vor wenigen Monaten ein Niederschlagsmessgerät installiert wurde, kann man diese Station nicht mit 2003 vergleichen. Gleich wie in Grenchen präsentiert sich die Lage in Gösgen: Auch da liegt man mit der Niederschlagsmenge noch weit hinter dem Normalsoll. In Wynau, gleich an der Grenze zum Kanton Solothurn, ist es wie im Jahrhundertsommer 2003. Bis jetzt fielen erst 705 Liter, im 2003 waren es 698 Liter. Der langjährige Durchschnitt läge bei 884 Litern Regen pro Quadratmeter.

Nichts deutet derzeit darauf hin, dass das Defizit verkleinert wird. Gemäss Prognosen bleibt es auch in den nächsten Tagen trocken. Adrina Müller von «Meteonews» bestätigt denn auch, dass das laufende Defizit kaum mehr eingeholt werden kann. Man wisse zwar noch nicht, wie sich das Wetter entwickelt, aber soviel Niederschlag um das Jahressoll zu erreichen, sei unwahrscheinlich.

Heftige Dürrephase kümmert niemanden - vorerst

Einen Unterschied zum Hitzesommer 2003 gibt es jedoch: Der Grundwasserpegel ist kein Problem, da der Bedarf an Wasser im Winter nicht so hoch ist wie im Sommer. Beunruhigend dürfte die Situation allerdings werden, wenn der kommende Winter und der Frühling niederschlagsarm ausfallen. Dann würde man mit einem sehr tiefen Wert in die Hauptverbrauchszeit starten. Und so ist die Situation beinahe paradox: Obwohl die Region eine der heftigsten Dürre-Phasen der vergangenen Jahrzehnte verzeichnet, stört sich niemand daran. Im Gegenteil: Die Bauern sind sogar glücklich. Sie können das Vieh auf der Weide lassen, ohne dass ein grosser Landschaden die Folge ist.  (bge/san)

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