Wein
Der Jahrgang 2011 soll sehr gut werden

Die diesjährige Weinlese ist im vollen Gang, auch im Kanton Solothurn. Der Jahrgang sieht vielversprechend aus. Ein paar der regionalen Weinproduzenten berichten.

Fränzi Rütti-Saner
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Der Oensinger Ruedi von Arx freut sich – wie seine Kollegen auch – über die vielversprechende Traubenernte des Jahrgangs 2011. Alois Winiger

Der Oensinger Ruedi von Arx freut sich – wie seine Kollegen auch – über die vielversprechende Traubenernte des Jahrgangs 2011. Alois Winiger

Solothurner Zeitung

Seit vergangenem Sonntag läuft der Leset in den Rebbergen von Le Landeron, wo die Weine der Bürgergemeinde Solothurn wachsen. «Unser Oenologe, Christoph Kaser, ist derzeit im Dauereinsatz und überwacht den Leset», so der Solothurner Bürgergemeindepräsident Sergio Wyniger. «Über die Qualität dieses Jahrganges will er aber noch nichts sagen, erst nach dem Gärungsprozess». Die zu erntende Menge sei voraussichtlich gut, trotz des schwierigen, auch unbeständigen Wetters dieses Jahr, sagt Wyniger weiter. Zehn bis 14 Tage dauere die Lese der Solothurner Rebstöcke. Kaser habe dazu eine altbewährte Crew aufgeboten. «Es handelt sich um Personen aus Polen, die jedes Jahr wieder kommen», weiss Wyniger. Zu erwarten seien rund 100 Tonnen Trauben, was eine Menge von 80000 Litern Wein ergebe. «Wir haben Chasselas, Sauvignon, Chardonnay sowie Pinot Noir und eine Mischung von Malbec und Merlot im Anbau.» Die Qualität der Weine der vergangenen zwei Jahre sei auch sehr gut gewesen, sagt Wyniger weiter.

Dass die Bürgergemeinde Solothurn überhaupt einen Rebberg in Le Landeron besitzt, geht in erster Linie auf eine Schenkung zurück. Das Bürgerspital, welches früher im Besitz der Bürgergemeinde war, erhielt durch eine Schenkung im Jahr 1350 Reben am Bielersee. Der grösste Teil des heutigen Rebguts ist zudem auf eine testamentarische Schenkung des Schultheissen Niklaus von Wengi d. Älteren zurückzuführen, welcher in seinem Testament im Jahr 1466 aufgrund seiner Kinderlosigkeit das Bürgerspital als Haupterben einsetzte. Durch zusätzliche Vermächtnisse und Zuwendungen anderer Familien im Verlauf der Jahrhunderte wuchs das Rebgut auf die heutige Grösse an.

«Wir als Bürgergemeinde sind stolz auf unseren Bürgerwein», sagt Sergio Wyniger. Natürlich sei das wirtschaftliche Umfeld heute nicht einfach, und man müsse schon exakt rechnen, damit auch etwas herausschaue. Die Bürgergemeinde Solothurn hat den Oenologen Christoph Kaser zu 80 Prozent angestellt. Er erledigt diese Arbeit seit gut 14 Jahren. Am kommenden Fête das Vendanges, am 24. September in Neuchâtel, wo Le Landeron als Ehrengast mit dabei ist, machen alle Rebbauern mit, so auch die Bürgergemeinde Solothurn. «Es gibt Wein zum Degustieren, und wir laufen am Umzug mit Tambouren und Gästen mit», freut sich Wyniger schon jetzt.

Die grösste Rebanbaufläche auf Solothurner Kantonsgebiet liegt aber jenseits des Passwangs, nämlich in Dornach. Es sind dort 1,8 ha von insgesamt 6,8 ha auf Baselbieter Boden, die seit vielen Jahren von der Familie Koellreuter vom Klushof in Aesch/BL gepachtet sind und bearbeitet werden. «Das Land gehört der Bürgergemeinde Dornach», erzählt Pächterin Barbara Koellreuter. «Es ist sehr sonnenverwöhnt. Schon mein Grossvater und Vater haben diesen Rebberg bearbeitet und viel Freude daran gehabt.»

Auch sie freut sich sehr über die diesjährigen Trauben. «Wir können eine sehr gute Qualität erwarten. Auch die Menge stimmt. Einzig die Wespen plagen auch uns.» Das bedeute, dass die Trauben sehr gut angeschaut und Angefressene weggeschnitten werden müssen. «So dauert der Leset etwas länger. Doch es ist noch im Rahmen.» Sie seien dieses Jahr rund 14 Tage früher dran als andere Jahre, sagt Barbara Koellreuter. Insgesamt produziert die Familie Koellreuter 42000 Liter Wein aus ihren Rebbergen. Der Dornacher Bürgerwy kann als Blauburgunder, Blauburgunder Barrique, als Riesling x Sylvaner und als Rosé genossen werden.

Noch nicht angefangen mit der Lese haben Urs und Erika Schwarz aus Niederbipp. Sie bearbeiten einen Rebberg im aargauischen Villigen. «Wir warten so lange als möglich», erklärt der gebürtige Aargauer Schwarz. «Doch dann muss alles sehr schnell gehen.» In einem halben Tag müsse die Lese unter Dach sein. Er verkauft in seinem Hofladen einen Pinot Noir, Blanc de Noir aus dem eigenen Rebberg.

Bei Peter Müller in Erlinsbach SO hat die Lese auch schon begonnen. Der 39-jährige Rheintaler hat den Betrieb 2002 von seinem Schwiegervater Josef Müller übernommen, und eigentlich hiess Müller ursprünglich Kühnis. Den Namen seiner Gemahlin Beatrix hat er angenommen, «weil er mir besser gefällt, und weil ich den Namen des Betriebs erhalten möchte», wie er erzählt. Schwiegervater Josef Müller hatte 1971 mit dem Anbau von Riesling x Silvaner auf dem Breitehof begonnen. Auf acht Hektaren werden «Hunderte von Sorten» angepflanzt, berichtet Peter Müller. Es seien vor allem Rebsorten, die dem Klima und dem Boden angepasst seien. Bereits Mitte der 1970er-Jahre habe man auf ökologische Bewirtschaftung umgestellt, und seit 1992 produziere man nach den Richtlinien von Bio Suisse. «Insgesamt 5000 bis 6000 Liter Wein pro Jahr produzieren wir pro Saison.»