Immobilien
Der Hunger nach Wohneigentum ist weiter sehr gross

Eine Umfrage unter einigen Banken in der Region zeigt, dass die Konditionen für Wohnbauhypotheken weiterhin attraktiv bleiben. Die Banken erwarten fürs laufende Jahr jedenfalls keine grossen Anstieg der Zinssätze.

Franz Schaible
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Blick nach oben – tiefe Hypozinsen beflügeln den Wohnungsbau weiterhin.

Blick nach oben – tiefe Hypozinsen beflügeln den Wohnungsbau weiterhin.

Solothurner Zeitung

Entwarnung für bestehende und potenzielle Besitzer von Wohneigentum: Die Banken in der Region erwarten für das laufende Jahr keinen grossen Anstieg der Zinssätze für Wohnbau-Hypotheken. Ganz so attraktiv wie noch vor wenigen Monaten wird der Erwerb des eigenen Einfamilienhauses oder der eigenen Eigentumswohnung nicht mehr sein. In der Phase der rekordgünstigen Zinssätze waren selbst langlaufende Hypotheken über acht oder zehn Jahre zu Zinssätzen deutlich unter der Drei-Prozent-Marke zu haben. Inzwischen sind die Sätze angestiegen. Fünfjährige Grundpfandkredite «kosten« aktuell rund 2,4 bis 2,5 Prozent, zehnjährige 3,3 bis 3,4 Prozent.

«Für die Schuldner bleibt die Kreditaufnahme aber weiterhin sehr attraktiv», erklärt Bruno Conzatti, Leiter Tresorerie bei der Berner Kantonalbank. Bis Ende des laufenden Jahres werde sich das Niveau kaum gross verändern. «Für potenzielle Hypothekennehmer ist also keine Eile angesagt.» Dasselbe sagt Marcel Müller, stellvertretender Geschäftsleiter der Baloise Bank SoBa in Solothurn, mit einem Wort: «Seitwärtsbewegung.» Bis im April sei das Zinsniveau zwar tatsächlich gestiegen, aber in den vergangenen Wochen sei es bereits wieder nach unten gegangen.

Für Markus Boss, Chef der Regiobank Solothurn, ist entscheidend, welches Signal die Schweizerische Nationalbank im kommenden Juni aussenden wird. Aufgrund der guten Entwicklung der Wirtschaftslage und des Zinsschrittes der Europäischen Zentralbank im April sei denkbar, dass die Notenbank den Leitzins um einen Viertelprozentpunkt anheben wird.

Wenn da nicht der Euro wäre, entgegnet SoBa-Banker Müller. Die europäische Einheitswährung sei gegenüber dem Franken «extrem schwach». Da in diesem Umfeld eine Zinsanhebung den Franken noch weiter stärken würde, käme die hiesige Exportwirtschaft noch unter stärkeren Druck. Deshalb erwartet Müller, wenn überhaupt, einen Zinsschritt erst im 4. Quartal. «Die Nationalbank kann gar nicht reagieren», ergänzt Bruno Conzatti von der Berner Kantonalbank. Umso mehr es nicht nur um den Euro gehe, sondern auch um den US-Dollar, Pfund und Yen. Gegenüber diesen wichtigen Währungen hat der Wechselkurs des Schweizer Franken diese Woche Rekordstände erreicht.

Wie günstig die Finanzierung von Wohneigentum aktuell ist, zeigt die Bautätigkeit in der Region. Es gibt kaum eine Gemeinde, in der nicht Baukräne Ein- oder Mehrfamilienhäuser hochziehen. «Wir stellen fest, dass der Hunger nach Wohneigentum umgebremst ist», umschreibt Stefan Wälchli, stellvertretender Direktor der Clientis Bank Oberaargau, die Situation. Auch die anderen befragten Banken verzeichnen einen guten Verlauf im Hypothekengeschäft. «Die Nachfrage ist nach wie vor sehr hoch», sagt etwa Markus Boss von der Regiobank. Es gebe aktuell auch keine Indikatoren, die für einen Abschwung sprächen, ergänzt Müller von der SoBa. Das Bevölkerungswachstum gehe weiter, die Zinsen blieben tief und konjunkturell sei die Schweiz gut unterwegs.

Eine weitere Gemeinsamkeit verzeichnen die Banken: Offenbar verschlechtert sich die Qualität der möglichen Schuldner. «Im Neugeschäft steigt die Zahl der Anfragen, die wir aus Risikoüberlegungen ablehnen müssen», berichtet Conzatti vom Berner Staatsinstitut. Die steigende Ablehnungsquote bei der Clientis Bank Oberaargau begründet Stefan Wälchli auch mit der Geschäftspolitik: «Wir achten darauf, dass beim Vergabeentscheid trotz hartem Wettbewerb die internen Kriterien wie Tragbarkeit und Belehnungshöhe konsequent eingehalten werden.» Zwar beteuern das alle Banken. Ob zu Recht, ist offen. Jedenfalls warnen Nationalbank und Finma regelmässig vor dem Zinsänderungsrisiko.