Boningen
Der grössere Weiher lockte den Boninger Biber an

Seit Jahren sorgen die Verantwortlichen des Baustoffzentrums Olten-Zofingen (BOZ) dafür, dass in den Gruben in Gunzgen und Boningen auch Lebensraum für Flora und besonders Fauna aufgebaut wird. Mit Erfolg: Erstmals wurden Spuren des Bibers gesichtet.

Karin Schmid (Text und Fotos)
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«An dieser grossen Weide musste der Biber wohl zwei Nächte arbeiten», sagt die Projektleiterin des Kies- und Betonindustrieverbandes.

«An dieser grossen Weide musste der Biber wohl zwei Nächte arbeiten», sagt die Projektleiterin des Kies- und Betonindustrieverbandes.

Oltner Tagblatt

Die Pflanzen- und Tierwelt lockt immer wieder Schulklassen und Gruppierungen aller Art für Besichtigungsrundgänge in die Gruben. Seit etwa zwei Wochen tummelt sich dort zum ersten Mal ein besonderer Gast. «Bei der jährlichen Begehung der Grubenkommission vor etwa zwei Wochen entdeckte ein Maschinist beim grossen Weiher beim Kieswerk Boningen Frassspuren eines Bibers», erzählt Doris Hösli, Projektleiterin Natur/Umwelt beim Fachverband der Schweizerischen Kies- und Betonindustrie (FSKB).

Auf der Roten Liste

Der Biber stehe auf der Roten Liste und die Population sei nach wie vor verletzlich, erklärt Hösli. Aktuell gibt es in der Schweiz 1600 Biber «viele im Solothurnischen an der Aare und entlang der Zuflüsse.» Als typisches Biberrevier bezeichnet sie eine Auenlandschaft an befreiten Flüssen. «Die Lebensräume für Biber an den Flüssen sind aber besetzt. Die Aare ist verbaut mit Hochwasserschutz.» Der Biber sei das einzige Tier, das seinen Lebensraum selber gestalten könne. Er baue Dämme, um Wasser zu regulieren. «So schafft er auch Lebensraum für andere Tiere.» Der Biber fälle nur im Winter Bäume, um an die feinen Äste heranzukommen und die Rinde zu fressen, sagt Doris Hösli. Im Sommer ernähre sich der Vegetarier von Kräutern, Blättern und Wasserpflanzen. «Am liebsten hat er die Baumrinde eines weichen Holzes, zum Beispiel das einer Weide. Wenn keines vorhanden ist, nimmt er die Rinde einer Eiche, Buche oder Pappel.»

Biberfan Doris Hösli zeigt die Spuren im Untergäu.

Biberfan Doris Hösli zeigt die Spuren im Untergäu.

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Noch hat keiner das Tier gesehen

Zurück zum Biber auf dem Untergäuer Kiesgrubenareal, der nach Auffassung von Doris Hösli «wohl von der Aare» kam: Obwohl man laut Hösli «fast jeden Morgen einen neuen Baum am Boden liegen sieht», hat noch niemand das Tier selbst zu Gesicht bekommen. «Der grössere Weiher und das Nahrungsangebot lassen ihn wahrscheinlich in Boningen verweilen.» Die Natur- und Umwelt-Projektleiterin schätzt, dass es sich dabei um ein Jungtier handelt, das ein neues Revier sucht, um dort möglicherweise eine Familie zu gründen. Der Biber sei an Land schwerfällig unterwegs. Zur Futtersuche bewege er sich maximal zehn Meter vom Wasser weg. Er grabe sich unterirdisch einen Tunnel, um sich danach in einer Böschung eine Höhle einzurichten.

Nahrungsangebot beschränkt

Doris Hösli und Co. wollen das Verhalten des Holzfällers sowie Damm- und Burgenbauers in der Kiesgrube beobachten, aber ihn «in Ruhe lassen und Freude daran haben, dass es hier ein so seltenes Tier gibt». Alle fänden es toll. Die Spuren des Bibers sollen liegen gelassen werden. «Nur ein Baum, der auf die Piste fällt, muss natürlich weg.» Für das grösste Nagetier Europas hält sich die Gefahr auf dem Kiesgrubenareal laut Hösli in Grenzen: «Die grösste sind die Autos, von denen ein Biber überfahren werden könnte. Da der Mensch ihn lange gejagt hat, ist er ihm gegenüber sehr scheu.» Auch diesbezüglich ist die Grube ein guter Ort für den nachtaktiven Biber: «Tagsüber, wenn hier gearbeitet wird, schläft er. In der Nacht ist kein Mensch da. Da kann sich das Tier in Ruhe ernähren.» Laut Doris Hösli gibts für Biber dort auf die Dauer allerdings nur beschränkt Nahrung. «Doch zurzeit hat es in der Grube noch einige Weiden, die er fällen kann.»

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