Fussball
Der FC Solothurn möchte von Inlers Rekordtransfer zu Napoli profitieren

Vom Transfer von Gökhan Inler zum italienischen Serie-A-Club Napoli hat sich der FC Solothurn, Inlers ehemaliger Ausbildungsclub, ein hohe Summe erhofft. Doch ist fraglich, ob je Geld fliessen wird.

Wolfgang Wagmann
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Gökhan Inler (r.) spielte 2006 – hier in einem Cupfight gegen Wangen b. Olten – noch im Dress des FC Zürich. Sein Wechsel vom FCZ zu Udinese brachte dem FC Solothurn 28 000 Franken in die Klubkasse. HR Aeschbacher Gökhan Inler (r.) spielte 2006 – hier in einem Cupfight gegen Wangen b. Olten – noch im Dress des FC Zürich. Sein Wechsel vom FCZ zu Udinese brachte dem FC Solothurn 28 000 Franken in die Klubkasse. HR Aeschbacher

Gökhan Inler (r.) spielte 2006 – hier in einem Cupfight gegen Wangen b. Olten – noch im Dress des FC Zürich. Sein Wechsel vom FCZ zu Udinese brachte dem FC Solothurn 28 000 Franken in die Klubkasse. HR Aeschbacher Gökhan Inler (r.) spielte 2006 – hier in einem Cupfight gegen Wangen b. Olten – noch im Dress des FC Zürich. Sein Wechsel vom FCZ zu Udinese brachte dem FC Solothurn 28 000 Franken in die Klubkasse. HR Aeschbacher

Solothurner Zeitung

Gökhan Inler ist seit seinem Wechsel zu Diego Maradonas Ex-Verein Napoli definitiv der bislang teuerste Schweizer Spieler. Denn mit dem neusten Transfer ist sein Marktwert auf sage und schreibe 21 Mio. Franken geklettert. Nun machen Spekulationen die Runde, dass der ehemalige Ausbildungsklub von Inler, der FC Solothurn, am Transfer zu den Neapolitanern kräftig mitverdienen könnte. Bis zu einer halben Million Franken, so wurde in den letzten Tagen herumgeboten, könnten die Solothurner für ihren ehemaligen Edel-Junior kassieren.

Doch FCS-Medienchef Jürg Nägeli winkt ab: Es sei sogar fraglich, ob überhaupt je Geld in die Schweiz fliessen werde. «Denn der Transfer fand von einem italienischen zu einem anderen italienischen Verein statt.» Und das sei etwas anderes, als damals 2007: Beim Wechsel vom FC Zürich zu Udinese hatten für den FC Solothurn immerhin noch 28000 Franken herausgeschaut. «Doch auch damals mussten wir bei der Fifa um den Beitrag kämpfen», erinnert sich der damalige Präsident des FC Solothurn, Robert Beer.

Es wären 350 000 Franken

Das tut der FC Solothurn auch wieder im aktuellen Fall um Gökhan Inler. Denn Jürg Nägeli ist der Ansicht, dass auch bei einem Transfer innerhalb von Italien der so genannte Solidaritätsmechanismus für alle Ausbildungsvereine spielen sollte – gerade für Vereine wie den FC Solothurn, die sich auf die Juniorenausbildung fokussieren, wären diese Abgeltungszahlungen «von vitalem Interesse». Insgesamt 1,75 Prozent der Transfersumme, «also rund350 000 Franken» möchte der FCS geltend machen – doch bisher ohne Erfolg.

Auf einen ersten Anlauf bei der Member Association Fifa erhielt der FC Solothurn abschlägigen Bescheid. In Zürich stützte man sich auf einen Kommentar zum Transfer-Reglement, wonach der Solidaritätsbeitrag nur geschuldet sei bei Transfers zwischen Klubs verschiedener Verbände – was bei Udinese und Napoli, da beide Vereine der italienischen Serie A, nicht der Fall ist. «Doch wir werden alles tun, um eine einheitliche Regelung in solchen Fällen herbeizuführen», schildert Jürg Nägeli das Kernanliegen des FC Solothurn. Und hat deshalb einen Brief an den Fifa-Präsidenten Sepp Blatter selbst verfasst und ihm das Problem geschildert. Dabei geht es nicht nur um den FC Solothurn, denn die gleiche Problematik kennen der FC Basel und FC Olten (Transfer Inler), der FC Zürich und der FC Unterstrass (Dzemaili) oder der FC Adligenswil, GC und der FC Luzern (Lichtsteiner-Wechsel von Lazio Rom oder Juventus Turin).

Angespannte Finanzlage

Ob der FC Solothurn noch lange auf diesem Niveau Juniorenförderung betreiben kann, hängt von der Finanzlage des Vereins ab, die Jürg Nägeli lapidar mit «angespannt» umreisst. Neuere Zahlen zur finanziellen Situation gibt es nicht, doch bereits an der letzten Generalversammlung im Oktober 2010 konnte Finanzchef Roland Rüetschli wenig Gutes verkünden. Nach einem weiteren Jahresverlust von knapp 30000 Franken hatte sich der Schuldenberg auf neu 165000 Franken beziffert.

Vor allem einnahmenseitig hatte man beim FC Solothurn damals mit den Zahlen gehadert: Statt der erhofften750000 Franken waren nur 695000 in die Kasse gespült worden.

Ein halbes Jahresbudget

Umso wichtiger wäre eine Liquiditätsspritze durch den Inler-Transfer nach Napoli, als späten Lohn für die seinerzeitige Aufbauarbeit, welche die Nachwuchsabteilung des FC Solothurn beim heutigen Mittelfeldstar der Nationalmannschaft geleistet hat. Oder wie Jürg Nägeli vorrechnet: «Wenn wir die 350000 Franken erhielten, würde das für uns ein halbes Jahresbudget ausmachen.» Ein Budget, das der FC Solothurn an der letzten Generalversammlung noch gar nicht hatte vorlegen können.

Übrigens: Auch wenn doch noch Geld aus Napoli nach Soletta fliessen würde – 60000 Franken davon hätte der FC Solothurn bereits «vorkonsumiert» (siehe Artikel unten). Und weitere heisse Transfereisen hat der FCS nicht in rauen Mengen im Feuer. Ex-Präsident Robert Beer: «Unsere Hoffnungen ruhen noch auf Philipp und Raphael Koch, die heute beide beim FC Zürich spielen. Wenn einer oder beide ins Ausland verkauft würden ...»

... dann stellte sich für den FC Solothurn wieder die Frage, was der Fifa die Aufbauarbeit ihrer Breitensport-Vereine im Endeffekt wert ist.