Facebook
Der Fall Mosimann zeigt: Im Netz akzeptieren Politiker viele Freunde

Auch bekannte Politiker sind Facebook-Freunde von Beat Mosimann. Ihnen hätten die Äusserungen auffallen können. Doch nur zwei wollen etwas bemerkt haben. Andere kennen ihre «Freunde» gar nicht.

Lucien Fluri
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Facebook hat seine Tücken: Wen soll man als Freund akzeptieren und wen nicht?

Facebook hat seine Tücken: Wen soll man als Freund akzeptieren und wen nicht?

Keystone

SVP-Anhänger Beat Mosimann ist auf Facebook gut vernetzt. Nicht nur Toni Brunner und Jean-François Rime haben ihn als «Freund» akzeptiert. Auch die Solothurner SVP-Männer Heinz Müller, Hansjörg Stoll, Bruno Oess und Leonz Walker gehören dazu. Kennen tun sie ihn aber nicht. Das zeigt: Facebook ist für Politiker ein Dilemma. Auf Freundschaftsanfragen reagiert wohl kein Wahlkämpfer ablehnend, ihre Facebook-Freunde können sie aber nicht kontrollieren.

«Ich kenne ihn gar nicht. Alles, was extrem ist, verurteile ich», sagt der Balsthaler SVP-Kantonsrat Bruno Oess überrascht über seine Freundschaft. 640 Facebook-Freunde hat er. «Man sagt schnell einmal ja», so Oess. Er erhalte zum Teil mehrere Anfragen täglich. Als er etwa gegen das Asylzentrum auf dem Hellchöpfli opponiert habe, habe sich dies auch auf Facebook ausgewirkt.

Überprüfung nicht möglich

«Es ist gar nicht möglich, alle Facebook-Freunde zu überprüften», sagt der Bettlacher SVP-Kantonsrat Leonz Walker. Auch er kennt Mosimann nicht. Weder Oess noch Walker haben nach eigenen Angaben Mosimanns Äusserungen auf Facebook gesehen.

Auch ausserhalb von Facebook ist der ehemalige SVP-Kantonalpräsident Heinz Müller mit Mosimann bekannt. Er habe dessen Äusserungen nicht mitbekommen, sagt Müller. Mosimann soll unter seinen Facebook-Freunden bleiben. «Ich habe nichts gegen ihn persönlich.» Würde er ihn wegen einer extremen Meinung ausschliessen, müsste er auch einige Linke ausschliessen.

Einer widersprach auch

Gesehen hat die Äusserungen dagegen der Mümliswiler SVP-Kantonsrat Hansjörg Stoll. Genau befasst habe er sich damit aber erst am Wochenende, als der Parteiausschluss ein Thema war. Mosimann habe so viel geschrieben, dass die Tendenz abgenommen habe, dies zu lesen. «An der obersten Limite» seien die Äusserungen, so Stoll. Am Stammtisch so zu sprechen sei das eine. «Über Facebook gehen solche Äusserungen nicht, da müssen wir uns distanzieren.»

Aufgefallen sind die Äusserungen auch dem Heinrichswiler CVP-Kantonsrat Rolf Späti. «Ich habe mehrmals direkt Antworten gegeben und widersprochen», sagt Späti. Mosimanns Äusserungen mit der Tendenz «die Schweiz nur für die Schweizer» hätten ihn mehrmals gereizt. Persönlich kennen sich Späti und Mosimann nicht. «Mehr als 30 Freunde hat man im realen Leben nicht», sagt Späti. Auf Facebook hat er 1070 Freunde. Die Freundschaft mit Mosimann will er nicht aufkünden. «Das habe ich noch nie bei jemandem gemacht», sagt Späti.

Nicht mehr alle wollen jedoch zu Mosimanns Freunden gezählt werden. Aus den 720 sind inzwischen 660 geworden. Doch es gibt auch die andere Seite: Auf Mosimanns Facebook-Profil gibt es seit Sonntag rund 20 Kommentare. Erstaunlich sei, sagt eine Person, die Einblick hat, wie viele zustimmende Kommentare es gebe. So werde gesagt, Mosimann habe zwar unschöne Worte gewählt, liege mit seiner Kritik am Asylsystem jedoch richtig. Mit einer Medienkampagne solle ein Aufmüpfiger zum Schweigen gebracht werden, so der Tenor.