Aeschi
Der Erfinder der gemischten Bratwurst feiert sein 50-Jahre-Jubiläum

Die Metzgerei Stampfli ist seit einem halben Jahrhundert für ihre Kundschaft da. 1961, bei der Eröffnung des Geschäfts, kostetet ein paar Cervelat 90 Rappen - und es gab noch viel mehr Konkurrenz.

daniel rohrbach
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Yessica, Ruedi, Beatriz, Ernst und Anna Maria Stampfli können ihr Betriebsjubiläum feiern. DRB

Yessica, Ruedi, Beatriz, Ernst und Anna Maria Stampfli können ihr Betriebsjubiläum feiern. DRB

Solothurner Zeitung

Ernst Stampfli erinnert sich genau: «Als wir anfingen, gab es in Derendingen noch acht, in Subingen zwei, in Herzogenbuchsee und Niederönz noch acht Metzger.» In Solothurn seien es gar über zwanzig gewesen. Damals hätten sich die Metzgereien noch untereinander konkurrenziert. Dies ist heute anders.

Es gibt nur noch einen Bruchteil der Metzgereifachgeschäfte von damals. Die Grossverteiler haben, wie in allen anderen Sparten der Lebensmittelbranche, auch viele Metzgereien verdrängt. Behauptet hat sich aber die Metzgerei Stampfli in Aeschi, die am kommenden Dienstag auf genau ein halbes Jahrhundert zurückblicken kann und heute in zweiter Generation von Ruedi Stampfli geführt wird.

Die ganze Familie hilft mit

Es war der 15. März 1961 als das junge Ehepaar Ernst und Anna Maria Stampfli ihre Metzgerei eröffneten. Aeschi zählte damals nur rund halb so viele Einwohner wie heute, ein Paar Cervelat kostete 90 Rappen und ein Kilo Schweinskoteletten 9 Franken. Fleisch war, verglichen mit heute, viel teurer, sind doch seither die Nominallöhne um das sechs- bis siebenfache gestiegen. Auch die Fleischgewohnheiten haben sich verändert. Suppenfleisch, Speck und Innereien gingen in der Deutschschweiz viel öfter über den Ladentisch, während die Rindsnierstücke vorab in der Romandie ihre Abnehmer fanden.

Stampflis gehörten denn auch zu den ersten Metzgereien in der Region, die begannen, Fleisch aus dem Rindsnierstück, also Filet, Entrecôte und Huft, fest in ihrem Sortiment zu führen. «Damit haben wir uns einen Namen gemacht», sagt Ernst Stampfli. Innovativ wirkte er auch bei den Grillspezialitäten. So hat er Ende der sechziger Jahre die gemischte Grillbratwurst erfunden. Diese lässt sich, durch die Zugabe von Kalbsbrät, viel besser grillieren, als eine herkömmliche Schweinsbratwurst.

Früher Aufschnitt, heute Fondue chinoise

Interessant ist auch, wie sich die Vorlieben beim Weihnachtsmenü in den vergangenen fünf Jahrzehnten entwickelt haben. Früher sei Aufschnitt, warmer Schinken und überhaupt Geräuchertes hoch im Kurs gewesen, erzählt Anna Maria Stampfli. Fondue chinoise, heute des Schweizers liebstes Weihnachtsessen, sei in den Sechzigern kaum bekannt gewesen. Anna Maria Stampfli erinnert sich, wie erstmals eine Kundin mit einem solchen Ansinnen in die Metzgerei kam und ihrem Mann erklären musste, was sie genau wollte.

Ein grosses Engagement legten Ernst und Anna Maria Stampfli bei der Ausbildung von jungen Berufsleuten an den Tag. 15 Metzger und acht Charcuterieverkäuferinnen haben bei ihnen die Lehrzeit verbracht und drei Metzger die Ausbildung zur Meisterprüfung durchlaufen. Auch die Stampfli-Kinder, nebst Ruedi drei Brüder und zwei Schwestern, hatten zum Gelingen des Familienbetriebes beizutragen. «Jedes hatte, im Geschäft oder im Haushalt, seine Aufgabe», erzählt Anna Maria Stampfli.

Auch Ruedi Stampfli, der heutige Geschäftsinhaber, bildet Lehrlinge aus. Derzeit lernt Yessica Stampfli, eine entfernte Verwandte der Familie, bei ihm Detailhandelsfachfrau. Komplettiert wird das Metzgerei-Stampfli-Team durch Ruedis Ehefrau Beatriz, einer gebürtigen Kubanerin.

Schwedisch geräucherter Fisch

Für Ruedi Stampfli war es kein Muss, in die Fussstapfen des Vaters zu treten. Metzger ist er aus «Freude am Beruf» geworden, wie er sagt. Nach der Lehre hat er in verschiedenen Betrieben im In- und Ausland gearbeitet und so seinen beruflichen und persönlichen Horizont erweitert. Er weilte im Welschland, im Wallis, in Bolivien und in Schweden. Von dort hat er etwa die Technik des Fischräucherns mitgebracht. Die Forellen und der Lachs, die er im Sortiment hat, räuchert er selbst.

Selber geschlachtet wird in der Metzgerei Stampfli, wie in vielen Fleischfachgeschäften, schon seit ein paar Jahren nicht mehr. Dies geschieht in der Schlachterei Dauwalder in Subingen. Stampfli stellt aber nach wie vor alle Bratwurstarten sowie den Fleischkäse, Pasteten und Terrinen selber her. Ganz zu schweigen natürlich von den pfannenfertigen Fleischgerichten, die er im Angebot hat und sich einer grossen Nachfrage erfreuen. «Wenn Qualität, Angebot und Beratung stimmen, ist es auch heute noch möglich, eine Metzgerei erfolgreich zu führen», sagt Ruedi Stampfli bestimmt.