Cargodrome
Der Bund muss sich mehrere Millionen ans Bein streichen

Die Liquidationsgesellschaft hat keinen Käufer für den Güterterminal «Cargodrome» in Wiler b. Utzenstorf gefunden. Der Grundbesitzer drängt auf eine Versteigerung und möchte auf dem Gelände eine Recyclinganlage für Altautos bauen.

Andreas Toggweiler
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Der Kombiverkehrs-Terminal in Wiler hat keine Zukunft mehr. (fg)

Der Kombiverkehrs-Terminal in Wiler hat keine Zukunft mehr. (fg)

AZ

Noch im letzten Frühjahr bestand Hoffnung, dass für den brachliegenden Güterverkehrsterminal ein Käufer gefunden wird. Deshalb hat im April der Burgdorfer Gerichtspräsident einem Nachlassvertrag zur Liquidierung der Betreiberin Wiler Terminal Logistic (WTL) zugestimmt.

Gemäss Nachlassverwalter Pablo Duc von der Berner Firma Transliq gab es zunächst mehrere Interessenten; auch solche, die bereit gewesen wären, den Güterterminal weiterhin als Umladestation für den Bahngüterverkehr zu nutzen.

Davon ist jetzt nicht mehr die Rede. Trotz Einsetzung eines Maklers im vergangenen Frühjahr habe am Ende nur eine Offerte resultiert. Und diese sei vom Gläubigerausschuss als nicht genügend zurückgewiesen worden. «Im Vordergrund steht jetzt effektiv die Versteigerung der Anlage», sagt Duc.

Drängen auf Versteigerung

Dies umso mehr, als die einzige Offerte für den Cargodrome-Kauf vom Grundbesitzer des Landes kam, auf dem der Terminal im Baurecht steht. Es ist der Gerlafinger Immobilienunternehmer Hans Moser. Er hatte das Land, auf dem das Cargodrome im Baurecht errichtet wurde, schon früher erworben.

Die bisherigen Preisvorstellungen sowie die Erwartungen an die künftige Nutzung des Güterterminals seien völlig unrealistisch, meint Moser. Der Güterterminal sei eine absolute Fehlinvestition gewesen ohne Aussicht auf einen jemals rentablen Betrieb. Er möchte, dass die Liegenschaft möglichst schnell versteigert wird. Denn Baurechtszinsen hat er für sein Land bisher noch keine gesehen.

So hofft er, dass er dieses Jahr auch noch günstig zu den Bauten kommt. Theoretisch könnte auch noch die Deutsche Verkehrsbank mitbieten, die noch mehrere Millionen auf die Liegenschaften ausstehend hat. Moser allerdings hätte konkrete Vorstellungen, was er mit dem Gelände anfangen möchte. Ihm schwebt ein Projekt für das Recycling von Altautos vor. Dazu sei das Gelände aufgrund seiner Nähe zum Stahlwerk Gerlafingen gut geeignet. Auf dem Von-Roll-Areal besitzt Moser bereits eine Parzelle, dazu auch das ehemalige Pförtnerhaus (Verwaltungsgebäude).

Er spricht von einem langfristigen Projekt. Zusammen mit einem Partner müssten für ein Autorecycling im grossen Stil zunächst die erforderliche Infrastruktur errichtet werden. Moser denkt insbesondere an bestehende Anbieter in der Recycling-Industrie sowie an die «Stiftung Auto-Recycling Schweiz», die für eine umweltschonende Verwertung von Altautos einen Fonds in der Höhe von 75 Mio. Fr. geäufnet hat.

Mit einer besseren Ausweidung der Fahrzeuge, Ersatzteilverkauf und Recycling der Werkstoffe dürfte sich die Autoverwertung weiter rentabilisieren lassen, glaubt er: Umweltfreundliche Autoverwertung sei sicher auch im Interesse des Bundes. Die Stiftung Autorecycling glaubt hingegen, dass der Markt in der Schweiz schon ziemlich gesättigt ist.

Das Cargodrome wurde 2004 mit massgeblichen Bundesmitteln gebaut. Die Anlage für 23 Mio. Fr. erhielt 8,8 Mio. Fr. Subventionen und 5,9 Mio. Fr. zinslose Darlehen der öffentlichen Hand. Nur ein kleiner Bruchteil wurde bisher zurückbezahlt.

Millionenverlust für den Bund

Wird die Anlage umgenutzt, fordert der Bund die Darlehen zurück. Nur wird er als Gläubiger 3. Klasse nicht mehr viel davon sehen. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) räumt in einer Stellungnahme gegenüber der az ein, dass es zu einer Versteigerung kommt.

Die rückzahlbaren Darlehen seien bereits in der Staatsrechnung 2010 wertberichtigt worden. Zwar habe auch der Bund an der Suche nach einem Unternehmen beteiligt, welches den Terminal für den kombinierten Verkehr nutze. Diese sei aber nicht zuletzt aufgrund der Wirtschaftslage erfolglos geblieben.

Immerhin zieht das BAV die Lehren aus dem Disaster: Heute würden nur noch Darlehen gegeben, wenn die Gesuchsteller diese über Grundpfand oder Bankgarantie sichern können, heisst es in der Stellungnahme.