Entwicklung und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen aus medizinischer und sozialer Sicht standen am Themenabend «gsung&zwäg» im Fokus. Patrik Lischer, Leitung Pädagogik und Personal begrüsste am Themenabend der Tageschule Mittelland / International School Solothurn Eltern, Lehrpersonen und Fachpersonen zum Austausch. Dass das Thema derzeit rege diskutiert wird, lässt sich an Studienresultaten aus aller Welt ablesen: Verunsicherung ist eine der Folgen. Das Kind wird zur statistischen Zahl. Fehlernährung, Übergewicht und Bewegungsmangel stehen Reglementierungen und geschlossenen Spielplätzen gegenüber. Gamekonsole und Internet stellen zu viele Kinder ruhig.

Menschenverstand und Instinkt

Dr. Oliver Adam, Gruppenpraxis für Kinder- und Jugendmedizin Solothurn, kennt auch als Vater von drei Kindern die schwierigen Voraussetzungen, welche Erziehungsarbeit und Entwicklung unserer Kinder massgeblich beeinflussen. Er plädiert für einen lockeren, aber bewussten Umgang mit dem Thema «Ernährung und Bewegung» und fordert auf, sich wieder mehr auf den gesunden Menschenverstand und den eigenen Instinkt zu verlassen. «Kinder ernähren sich prinzipiell nicht falsch. Es ist auch ganz normal, dass sich Kinder in den verschiedenen Phasen ihrer Entwicklung manchmal sehr einseitig ernähren.» Wichtig ist vielmehr die Erhaltung des natürlichen Bewegungsdrangs der Kinder. «Regelmässige Bewegung an der frischen Luft regt auch die Gehirnleistung an. Das gilt übrigens auch für erwachsene Personen.»

Nicht jedes Schreien bedeutet «Hunger»

Besondere Herausforderungen bestehen bei der richtigen Interpretation von Entwicklungsstörungen: Störungen der oralen Bindung beim Baby - nicht jedes Schreien bedeutet «Hunger». Wählerisches Essverhalten beim Kleinkind trifft auf die Angst der Eltern vor Mangelernährung. Es besteht die Gefahr, dass Essen zum Erziehungsmittel oder gar zum Machtkampf mutiert. Ess- und Magersucht bei Jugendlichen gehen oft mit dem Umgang mit Vorbildern und sozialem Druck einher. Wichtige Unterstützung und Beratung bieten dabei die jeweiligen Hausärzte.

Es gibt keine Allerweltsrezepte

René Henz, Experte für Suchtprävention und Gesundheitsförderung der Perspektive Solothurn, verweist auf den Zusammenhang zwischen Gesundheit und Entwicklung: «Unsere Lebensziele werden wesentlich von der Gesundheit beeinflusst, wobei zu beachten ist, dass unser Körper und unser Geist in jedem Alter verschiedene Entwicklungsaufgaben zu bewältigen hat. Wirken diese Faktoren ausgewogen, beeinflussen sie unsere Gesundheit positiv und damit die Ziele, die wir uns setzen. Dazu gehört auch der Aufbau eines gesunden Selbstbewusstseins.»

Allgemeingültige Rezepte oder Ratschläge gibt es nicht: «Aber es gibt Regeln: Bleiben sie in Kontakt mit ihrem Kind. Machen sie keine Vorwürfe, vermeiden sie Moralpredigten. Teilen sie ihrem Kind die eigenen Ängste mit. Neugierde und Lebendigkeit gehören zu einer gesunden Entwicklung.» Die Fachstelle Perspektive in Solothurn leistet kostenlosen Beratungsdienst für Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrpersonen. (mb/zvg)