Solothurn

Das Sommer-Reisegeschäft läuft auf Hochtouren

Die Balearen-Insel Mallorca ist ein Dauerbrenner: Die Insel (im Bild der Strand Can Picafort) bleibt eine Hauptdestination für Badeferien. Archiv/AZ

Die Balearen-Insel Mallorca ist ein Dauerbrenner: Die Insel (im Bild der Strand Can Picafort) bleibt eine Hauptdestination für Badeferien. Archiv/AZ

Die Reisefreudigkeit in den Regionen Solothurn und Oberaargau ist hoch. Dies zeigt eine Umfrage unter Reisebüros. Top-Destinationen sind nebst den klassischen Zielen in Spanien auch die griechischen Inseln.

Dieses Wochenende starten im Solothurnischen und im Oberaargau die lang ersehnten Sommerferien. Nach wie vor sind die Juli- und Augustwochen die beliebteste Reisezeit. Besonders gefragt sind Badeferien im Mittelmeerraum, wie eine Umfrage unter einigen Reisebüros zeigt.

«Die Reisefreudigkeit bleibt hoch», zieht Hans-Peter Städelin, Mitgründer und Geschäftsführer des Reisebüros Domino in Langenthal, eine erste Bilanz. Nach dem sehr guten Geschäftsjahr 2012 sei auch das laufende Jahr gut gestartet.

Insbesondere weise das erste Quartal einen hohen Buchungsstand auf. Städelin spricht von «einem Frühbucher-Jahr». Die Reiseveranstalter würden tendenziell weniger Bett- und Flugplatzkapazitäten einkaufen, um nicht darauf sitzen zu bleiben oder nur noch als LastMinute-Angebot ohne Marge verkaufen zu können.

Familien könnten dagegen von kontingentierten First-Minute-Angeboten mit Spezialpreisen für Kinder Nutzen ziehen. «Wer zu lange wartet, kann nicht mehr von günstigen Kinderfestpreisen profitieren», erläutert der Reisefachmann.

«First-Minute-Buchungen sind oftmals günstiger»

Dieselbe Beobachtung macht Roland Gertsch, Geschäftsführer des Reisebüros Vasellari Solothurn AG. «First-Minute-Buchungen sind oftmals günstiger, was vermehrt zu Frühbuchungen führt.»

Auch beim zur Knecht-Reisegruppe gehörenden Solothurner Reisebüro ist die Nachfrage gut. «Im ersten Halbjahr 2013 haben wir gegenüber dem Vorjahreszeitraum zulegen können», sagt Gertsch.

Die Gründe für das «positiv verlaufene Sommergeschäft» seien schwierig eruierbar, erläutert Walter Kunz, Geschäftsführer der Ekoreisen AG mit Büros in Olten und in Balsthal. Das vergangene Jahr sei stark geprägt gewesen von der Schuldenkrise in Europa und der Angst, dass viele Reiseländer ins Chaos stürzten.

Inzwischen habe die Situation sich doch beruhigt und das Reiseverhalten positiv beeinflusst, mutmasst er. Dagegen habe das hiesige Wetter wohl wenig Einfluss auf das Reiseverhalten. «Ich glaube nicht an die wetterbedingten so genannten Frust-Reisen.»

Badeferien sind bei den Reisebüros nicht mehr der unbestrittene Hauptumsatzträger. «Die Bereiche Badeferien und Langstrecken liefern je rund die Hälfte an den Umsatz», sagt beispielsweise Roland Gertsch von Vasellari Solothurn.

Im Segment Badeferien habe man Kunden ans Internet verloren, begründet Walter Kunz von Ekoreisen auch die von ihm beobachtete Verschiebung. Unverändert geblieben sind dagegen bei den Badeferien die klassischen Ferienziele.

Zum Beispiel Spanien. «Insbesondere die Balearen-Inseln Mallorca, Menorca und Ibiza sind beliebt. Das sind Dauerbrenner», meldet Roland Gertsch. Gerade Mallorca sei eben viel mehr als «Ballermann», und das Preis-Leistungs-Verhältnis stimme.

Sehr gefragt sei wieder Griechenland, genauer die griechischen Inseln, ergänzt Hans-Peter Städelin vom Langenthaler Reisebüro Domino. Die politischen und wirtschaftlichen Probleme würden mit der Hauptstadt Athen in Verbindung gebracht, der touristische Blick ist auf die Inseln fokussiert.

Praktisch inexistent sei hingegen das Geschäft mit Ägypten (siehe Box).

Reisewünsche immer heterogener

Generell würden dieReisewünsche immer heterogener und damit auch anspruchsvoller für die Reisebüros. «Danach müssen wir uns richten, um im Geschäft mit Reisen bestehen zu können», sagt Städelin.

Zwar nehme der Anteil der Reisebuchungen im Internet weiterhin zu. Aber hier stellt er eine Umkehr fest. Wegen des Overkills an Informationen über Flüge, Hotels, Wohnungen, Arrangements auf allen Online-Kanälen gehe die Übersicht immer mehr verloren, der Zeitaufwand zur Suche steige enorm an.

«Das Überangebot an Informationen führt wieder vermehrt Kunden in das Fachgeschäft zurück, erstaunlicherweise eher die jüngere Kundschaft», beobachtet Städelin.

Die heutige, ältere Kundschaft kurz vor oder nach der Pensionierung dagegen kenne sich inzwischen auch mit dem Internet aus und verfüge gleichzeitig über genügend Zeit zur Suche sowie über die nötigen finanziellen Mittel.

Den Trend hin zum Frühbuchen begründet Städelin noch mit einem weiteren Phänomen. Die deutschen Reiseveranstalter drängten vermehrt mit ihren Angeboten in Euro auf den Schweizer Markt; und zwar würden diese ihre in der Regel günstigeren Angebote bereits im Herbst für den kommenden Sommer auflegen, was das Frühbuchungsgeschäft logischerweise anheizt.

Domino verkaufe auch Reisen deutscher Veranstalter, obwohl dort die Bruttomarge mit 7 bis 9 Prozent tiefer sei als beim Wiederverkauf von Reisen hiesiger Veranstalter mit 11 bis 12 Prozent.

«Für uns ist das eine Investition in die Zukunft. Denn wir müssen uns entscheiden: Wollen wir etwas weniger verdienen und dafür die Kunden halten, oder wollen wir die Kunden für immer über die Grenze und ans Internet verlieren?»

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