Landwirtschaft
Das Korn ist auf vielen Feldern überreif

Bauern hoffen auf trockenes Wetter, damit das reife Getreide geerntet werden kann. Denn obwohl das Korn in tieferen Lagen teilweise überreif auf den Feldern steht, mussten die Mähdrescher insbesondere letzte Woche in den Garagen warten.

Marco Zwahlen
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Solothurner Zeitung

«Ist der Frühling trocken, gibts einen nassen Sommer» – in diesem Jahr ist diese Bauernregeln ein Volltreffer. So manch einem Getreidebauern wäre es aber momentan lieber, dem wäre nicht so. Der nasse Juli und die aktuell wechselhaften Bedingungen machen momentan zu schaffen. Obwohl das Korn in tieferen Lagen teilweise überreif auf den Feldern steht, mussten die Mähdrescher insbesondere letzte Woche in den Garagen warten. «Jetzt zwei oder noch besser drei Tage hintereinander trocken wäre gut», sagt Jonas Zürcher, Pflanzenanbauberater beim Wallierhof Riedholz. Schon jetzt sei aber klar, dass in einigen Regionen Verluste eingefahren würden. Das Korn schlägt aus. Dies mindert die Qualität. Statt als Brotgetreide kann es nur als Futtergetreide verwendet werden. Folge: «Bis zu 40 Prozent weniger Einnahmen», so Zürcher.

Gestern konnte erneut kaum geerntet werden. Die kurze Trockenperiode zuvor hat aber an einigen Orten die Situation entschärft. «Ich schätze, dass 95 Prozent der Ernte eingefahren sind. Davon waren gut 80 Prozent Brotgetreide», sagt Ueli Emch aus Kammersrohr zur Situation in seinem Erntegebiet. Selbst Landwirt, war er mit seinen Mähdreschern als Lohnunternehmer in den letzten Tagen zwischen Bellach und Attiswil an der Arbeit. Er habe dafür extra noch einen Mähdrescher zugemietet. Die Problematik zeige aber allein die Tatsache, dass die Landi jeweils Proben wolle, um die Qualität zu überprüfen.

Obst mit hervorragender Qualität

Laut Jonas Zürcher könnte das anhaltende feuchte Wetter in einigen Regionen auch den Obstkulturen schaden. Vor allem dann, wenn es auch noch schwül wird. Pflaumen, Zwetschgen, Kirschen und Äpfel faulen, die Erntemenge und Qualität leidet. Auf der anderen Seite sei das nasse Wetter gut für den Futterbau, aber auch für die Kartoffeln und den Mais.

«Unerwartet positiv überrascht» ist der Pflanzenanbauberater angesichts des viel zu trockenen Frühlings und der mittlerweile aufgehobenen Bewässerungseinschränkungen über Mengen und Qualität der bisherigen Ernten. Denn: «Gegenüber einem Durchschnittsjahr ist das laufende Jahr immer noch zu trocken.» So manch einem Konsumenten dürfte auch aufgefallen sein, dass inländische Früchte – angefangen bei den Erdbeeren bis aktuell zu den Aprikosen, Zwetschgen und Pflaumen – früher als sonst auf dem Markt gekommen sind. «Alles war etwa zwei Wochen früher reif, als normalerweise», so Zürcher. Aussagen, die Ueli Emch bestätigt: «Die Qualität ist hervorragend.» Der Landwirt weist grundsätzlich darauf hin, dass ein trockenes Jahr in der Regel besser ist, als ein nasses: «Ist es trocken, gibt es weniger Pilzkrankheiten.»

Schwarzbubenland trocken

Der trockene Frühling hat aber regional unterschiedliche Auswirkungen gehabt. Regionen mit leichten Böden, welche weniger Wasser speichern können als schwerer Boden, sind sozusagen ausgetrocknet. Leichte Böden gibt es vor allem im Schwarzbubenland, zum Teil auch im Wasseramt, aber auch in der Region Fulenbach/Wolfwil. Im Schwarzbubenland kommt hinzu, dass es noch weniger Niederschläge gab als auf der anderen Seite des Juras.

Der nasse Juli wiederum hatte auch seine stürmischen Seiten. Hagelniederschläge haben insbesondere im Gäu einigen Kulturen arg zugesetzt.

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