Kirche

Das ist ein Kreuz mit den Glückslosen

Reformierte Kirche Langenthal: eine von wenigen, die mitmachen. Foto: sat

Reformierte Kirche Langenthal: eine von wenigen, die mitmachen. Foto: sat

«Gewinnen Sie ein gutes Gefühl», heisst es auf Rubbellosen, welche die reformierte Kirche für eine Imagekampagne drucken lässt. Intern löst diese allerdings gemischte Gefühle aus. Die Aktion stösst nicht überall auf Gegenliebe.

Ein Los geschenkt bekommen, den Code frei rubbeln und im Internet schauen, was man gewonnen hat. Diesen alltäglichen Vorgang wollen die reformierten Kirchen der Kantone Bern, Solothurn, Aargau und Zürich für eine Imagekampagne nützen. Nur wird die Prozedur leicht abgeändert. Statt den Geldgewinn selbst einzuheimsen, wählt der «Gewinner» ein Projekt seiner Kirchgemeinde, das er mit dem frei gerubbelten Gewinnbetrag unterstützen will. Er selber gewinnt nichts. Und er zahlt auch nichts, sondern schaltet den Betrag für sein ausgewähltes Projekt frei. Die Kirchen haben den Jackpot mit 30000 Franken zuvor selber aufgefüllt.

«Wir wollen kirchenferne Menschen im mittleren Alter ansprechen und ihnen über die Projekte zeigen, wo sich die Kirche überall in der Gesellschaft engagiert», erklärt Frank Worbs. Der Kommunikationschef der Aargauer Kirche hat die Aktion kreiert und von einer Werbeagentur umsetzen lassen. Es gehe ausdrücklich nicht darum, Geld für karitative Zwecke zu sammeln, beton er.

So weit, so originell. Nur bekommt die Idee bisher nur bei einer Minderheit der eingeladenen Kirchgemeinden Unterstützung. Laut einem Bericht der Zeitschrift «Reformierte Presse» machen lediglich 136 von 500 Kirchgemeinden im Einzugsgebiet der Aktion mit. Die beiden Basel winkten schon zu Beginn ab. In der Region sind nur die Kirchgemeinden Grenchen-Bettlach, Langenthal, Her-
zogenbuchsee und Aarwangen dabei. Besser ist das Echo in der Solothurner Kantonalkirche (unterer Kantonsteil und Schwarzbubenland), wo 9 der 14 Kirchgemeinden mit von der Partie sind.

«Das Echo im Pfarrerkollegium und in Kirchgemeinderat war einhellig negativ», erklärt Barbara Fankhauser, Präsidentin der Reformierten von Solothurn und Umgebung, das Abseitsstehen. Einerseits habe man Mühe mit der schrillen Aufmachung der Lose, anderseits sei man terminlich und von den personellen Ressourcen her überfordert, begründet sie die ablehnende Haltung. «Insgesamt hat die Idee bei uns weder inhaltlich noch von der Umsetzung her gezündet.» Als die Aktion im Frühjahr lanciert wurde, waren die Kirchgemeinden aufgefordert, Personen in Workshops zu entsenden, um sich auf die interne und die öffentliche Diskussion der Kampagne vorzubereiten. Auch hat die Kirche Bern-Jura zusammen mit der Pädagogischen Hochschule Bern Materialien bereitgestellt für die Diskussion des Themas «Glück».

Nicht überall war das Echo so kühl wie in der Stadt Solothurn. Die Städte der Berner Kirche machen mit Ausnahme von Burgdorf alle mit. «Die Aktion gibt uns die Möglichkeit, die Kirchgemeinde in einem anderen Licht zu zeigen», erklärt Urs Hallauer, Verwalter der Kirchgemeinde Langenthal. In Langenthal können die Gewinner vier lokale Projekte unterstützen, darunter eine Spielgruppe und kirchliche Kulturevents. Zur Aufmachung der Lose meint Hallauer: «Ironie ist eben manchmal nicht so einfach zu verstehen.»

In diesem Lichte ist wohl auch die Begründung der Kirchgemeinde Baden (AG) zu verstehen, die die Aktion ablehnt, weil sie Casino-Standort ist. Andere würden wohl gerade mit diesem Argument für diese «subversive» Aktion werben, bei der man andere beglücken kann statt sich selber.

Langenthal hat es diesbezüglich geschickt gemacht: «Wir haben den Entscheid der Kirchgemeindeversammlung vorgelegt», erklärt Präsident Peter Hänni. «Die Rubbellose weckten zwar zuerst Skepsis, aber nachdem wir den Leuten die Idee genau erklärt hatten, fand sie ein gutes Echo.» Komme dazu, dass die Langenthaler Reformierten unlängst eine Studie machen liessen über ihre gesellschaftliche Wirkung. «Sie zeigte, dass wir gerade bei den 30- bis 60-Jährigen ein Problem haben. Es ist genau die Bevölkerungsgruppe, auf welche diese Kampagne zielt», sagt Hänni.

Susanne Rudin, Synodalrätin der Solothurner Kantonalkirche, rät ihren Kolleginnen im oberen Kantonsteil und im Bernbiet denn auch, die Bevölkerung und Kirchenbehörden frühzeitig und umfassend zu unterrichten. «Die hohe Akzeptanz in der Kantonalkirche hängt womöglich auch damit zusammen, dass wir schon bei früheren unkonventionellen Image-Aktionen mitgemacht haben», meint sie. «Ist Fussball alles, woran Sie glauben?», hiess es beispielsweise in einer Plakatkampagne im Jahr 2005.

Das magere Echo der neuen Kampagne hat inzwischen auch schon Folgen. Laut Frank Worbs wird das Layout der Lose optisch noch entschärft und die Anmeldefrist für Kirchgemeinden wurde bis Ende dieser Woche verlängert. «Die Lose werden aber weiterhin als solche erkennbar bleiben», versichert er.

Offiziell lanciert wird die Aktion an einer Medienkonferenz am 25.August. Bis dann soll auch eine Homepage aufgeschaltet werden. Die Verteilung der Lose erfolgt mehrheitlich mit dem Kirchenblatt. Insgesamt rechnen die Kirchen mit Kosten von rund 200000 Franken für die Aktion.

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