St.-Ursen-Kathedrale
Das ist der Feuerteufel von Solothurn

Er war in der SP und auch schon Geschäftsprüfer. Er wohnte an der Friedensstrasse und predigte öffentlich Toleranz: Andres Z. Dann verübte der 61-jährige Oltner gestern den Brandanschlag auf die St.-Ursen-Kathedrale. Wer ist dieser Mann?

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Fabian Saner

Altar, Teppich und Kerzenständer waren bereits Raub der Flammen geworden, als Andres Z. dem Domsankristan Bruno Emmenegger mit ruhiger Stimme sagte: «Ich habe die Kirche angezündet.» Emmenegger hatte sich fatal geirrt. Der «ältere, seriös wirkende Mann», der ihm an der Pforte versprach, niemanden in die St.-Ursen-Kathedrale zu lassen, war nicht Zeuge sondern Täter.

Schäden noch nicht absehbar

Auf einen «sechsstelligen Betrag» bezifferte die Kantonspolizei Solothurn gestern die Schäden, die noch nicht absehbar sind. Experten sollen insbesondere jene an der Orgel abklären - von der Dauer der Schadensbeseitigung hängt es auch ab, ob am 16. Januar der neue Bischof von Basel, Felix Gmür, in der barock-klassizistischen Bistumskathedrale geweiht werden kann. (ww)

Ungerechtigkeit vergiftet das Zusammenleben

«Im Tessin gelte ich nicht als Spinner»

Anders Z., der Branstifter der St.-Ursen-Kathedrale in Solothurn, fällt schon seit Jahren auf. Im Jahr 2000 gab er in «az» folgendes Interview:

Sie sind in Aarburg geboren, Sie machten hier einige Erfindungen, Sie sprachen mal am 1.August zum Volk, zuletzt waren Sie in der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission und Sie sind in der SP. Warum verlassen Sie Aarburg fluchtartig Richtung Lugano?

Andres Z.: Die Leute sind im Tessin einfach anders. Ich glaube, dass mich viele Aarburger nicht ernst nehmen können. Ich werde als Spinner bezeichnet. Im Tessin geht es besser. Vor allem komme ich mit meinen Erfindungen besser an.

Wollen Sie im Tessin reich werden?

Z.: Ich denke schon, dass ich mit ein wenig Glück das grosse Geld verdienen könnte.

Und wenn es nicht klappen sollte, sind Sie ja nicht nur Erfinder.

Z.: Ich arbeite freiberuflich als Beleuchter.

Was war für Sie die schlimmste Erfahrung.

Z.: Das war, als ich Christoph Blocher beleuchten musste. Das zweitschlimmste: Als ich Werbung für Whisky und Zigaretten machen musste.

Kommen Sie wieder nach Aarburg zurück, zum Beispiel, weil Sie kaum Italienisch können?

Z.: Ich kann das im Moment nicht sagen. Bis jetzt ist es mir jedenfalls im Tessin viel wohler als in Aarburg. (RvA)

Andres Z., so erzählte er dem «Oltner Tagblatt» weiter, verstehe sich nicht als Philosoph oder gar Prediger, im Gegenteil: Gerade das sture Beharren auf letzte Wahrheiten habe ihn dazu bewogen, dagegen ein Bild und eine Form der Vielfalt zu entwickeln.

Kindheit in einer Sekte

Der Antrieb dazu hatte durchaus persönliche Erfahrungswurzeln: Andres Z. hat in seiner Kindheit, die er in einer Sekte verbringen musste, gemerkt, dass er sich «gegen fremdverschuldetes Verharren in der Unmündigkeit» zur Wehr setzen muss. «Statt dass Toleranz gelehrt wurde, wurde Intoleranz gepredigt», so seine Essenz. Und dies sei ihm auch später immer wieder begegnet, bei Einzelnen wie bei Institutionen.

Brandstifter richtet in St. Ursenkathedrale grossen Schaden an
25 Bilder
Der zerstörte Altarbereich
Überreste des Brandanschlags.
Der Tatort: Altarbereich der Kathedrale.
Die Polizei sperrte die Kirche ab.
Ein erster Augenschein am frühen Nachmittag zeigte das Ausmass des Anschlags
Die Feuerwehr fährt auf
Die Kathedrale vor dem Brand. St. Ursenkathedrale Solothurn, Chor

Brandstifter richtet in St. Ursenkathedrale grossen Schaden an

Tele M1

Erfinder Andres Z. war allerdings nicht nur ein Spinner. 1984 erhielt er an der Muba den Erfinderpreis für ein so genanntes anza-Aggregat (siehe Video). Das Gerätchen war gedacht für Kühlkompressoren für Klimaanlagen, Chemie- und Dosierpumpen. Später tüftelte er mit mässigem Erfolg an einem Wassersportgerät herum - auf den Markt gelangte es nie. (sza/rsn)