Comic
Das «Hollywood» des Comic erstürmt

Der Balsthaler Franz Zumstein schreibt und zeichnet derzeit am 3. Band seiner in Frankreich sehr erfolgreichen Reihe «Le Faucon du desert» – Der Wüstenfalke. Ein Atelierbesuch.

Fränzi Rütti-Saner
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Schweiz am Sonntag

Lybien, im Sommer 1942: Der junge, flugbegeisterte Ali, der durch abenteuerliche Umstände selbst zum Jagdflieger wird, erweist sich am Steuer einer Messerschmitt Me 109 als überraschendes Talent. Trotzdem machen ihm die Sehnsucht nach seiner Verlobten Aischa und der Ekel vor dem Krieg zu schaffen. Ein Kriegsberichterstatter stirbt in seinen Armen und übergibt ihm seinen letzten Wunsch. Einen Brief nach München zu bringen. Ali packt die Gelegenheit nach Deutschland zu fliegen, um die Spur seiner leiblichen Mutter aufzunehmen. Sein Transportflugzeug hebt ab, als Aischa au dem Fliegerstützpunkt eintrifft, um ihm mitzuteilen, dass sie schwanger ist. Alis Reise entwickelt sich ganz anders als geplant...

Dies ist die Geschichte, die im ersten und zweiten Band der Comic-Reihe «Le Faucon du desert» erzählt wird. Ausgedacht und gezeichnet hat die Story um den jungen Piloten Ali Franz Zumstein, ehemaliger Lehrer und in der ganzen Schweiz durch seine Comic-Reihe «Die Himmelsstürmer», die sieben Jahre in der Coop-Zeitung gedruckt wurden, bekannt. Nun ist für Zumstein ein weiterer grosser Traum in Erfüllung gegangen: Seine jüngste Comic-Geschichte wird in Frankreich, beim renommierten Comic-Verlag Delcourt, herausgegeben. «Ich hatte mir die Geschichte um Ali schon vor einiger Zeit ausgedacht», erzählt Zumstein, der in seinem Haus in Balsthal lebt und arbeitet. Schon als kleiner Junge hätten ihn die Flugzeuge, der dreissiger und vierziger Jahre fasziniert. Das sei einer der Gründe, warum die Geschichte während des Zweiten Weltkrieges spielt.

Von einer ernsthaften Erkrankung geheilt

Mit Konzept und Zeichnungen des ersten Bandes habe er dann vor zwei Jahren bei zwei französischen Comic-Verlagen angefragt und schon kurz danach habe er von demjenigen, der er sich insgeheim wünschte, auch eine positive Antwort bekommen. Das war, nach der Heilung von einer ernsthaften Erkrankung, die zweite Freude, die Franz Zumstein erleben konnte. Die erste war der Kantonale Preis für Comic, den er im vergangenen November vom kantonalen Kuratorium für Kulturförderung entgegen nehmen konnte. «Bei Delcourt arbeiten meine liebsten Zeichner», sagt Zumstein. Er fühle sich im Pariser Verlag richtig gut aufgehoben. Der Umgang sei locker aber verbindlich, und zum ersten Mal muss sich der Zeichner nicht selbst um Werbung und Vertrieb seiner Comics kümmern. Trotzdem hat er neben dem Zeichnen noch genug zu tun: Comic-Messen besuchen, Signierungen, zum Beispiel am speziellen Fliegercomicfestival in Paris, Präsentationen - vieles in Frankreich, aber auch in der welschen Schweiz. Comics haben dort einen viel höheren Stellenwert als auf dem deutschsprachigen Markt. Zumstein: «Das war früher so und ist bis heute so. Ich schreibe die Geschichte allerdings in Deutsch und lasse sie dann ins Französische übersetzen». Zunächst habe er das selbst noch getan, doch der Zufall wollte es, dass bei einer Comic-Messe in Genf ein Fan ihn auf die «Faucon»-Geschichte ansprach, die damals noch in Rohfassung vorhanden war. «Er meinte, bei den Texten stimme dann aber Einiges nicht. Ich konnte ihn dann gleich gewinnen, mein Übersetzer zu werden. Ein Glücksgriff, wie sich herausstellte, denn der ausgebildete Lehrer ist - wie ich - Flieger- und Comicfan.»

Franz Zumstein hat jede Seite seines Comics im Kopf und zeichnet sie direkt aufs Papier. Das heisst, eine gedruckte Comic-Seite ist identisch mit derjenigen seiner Zeichnung, die er zuerst skizziert und dann in Tusche und mit Aquarell-Farben ausführt. So entstehen wunderschöne A3-Blätter, die für sich alleine schon Kunstwerke sind. «Es gibt auch Kollegen, die am Computer arbeiten», erzählt er. Doch das sei nichts für ihn. «Ich denke, Zeit braucht man mit dem Zeichnen am Computer genauso viel». Zumsteins Art zu zeichnen bezeichnet man als «Couleur direct»-Technik. In Frankreich bestehe dafür ein eigener Kunst-Markt, erzählt er. «Für die Original-Blätter von bekannten Zeichnern gibt es spezialisierte Galerien. Dort werden für solche Blätter zwischen 800 bis zu 40000 Euro bezahlt.»

Comic-Bänd des «Faucon» verkaufen sich sehr gut

«Das wichtigste und Zeitraubendste sind aber die Recherchen», sagt er. «Wie haben die Uniformen ausgesehen, welche Autos waren damals im Einsatz, wie sah die Silouette einer bestimmten Stadt aus. Immer wieder wird es nötig, solche Details in Erfahrung zu bringen.» Deshalb hat Zumstein inzwischen eine riesige Bibliothek zusammengetragen und entsprechende Fachliteratur oder Fachmagazine studiert. «Und das Internet ist natürlich auch sehr wichtig.» Die beiden Comic-Bände des «Faucon» laufen sehr gut, freut sich Zumstein. Vom ersten Band wurde bereits eine Zweitauflage gedruckt. Der dritte Band, an dem er derzeit arbeitet, soll in Kürze auf den Markt kommen. Ein Ende der Reihe ist derzeit nicht vorgesehen. «Ich habe schon noch ein paar Ideen auf Lager», lacht der Balsthaler. Ob der «Wüstenfalke» auch mal in Deutsch erscheinen wird, kann er momentan noch nicht sagen. «Ich müsste selbst aktiv werden, denn die Rechte für meine Muttersprache habe ich behalten, doch im Moment fehlt mir einfach die Zeit». Allerdings sind die bisher erschienen Bände im Schweizer Buchhandel erhältlich, «Oder auch bei mir direkt».

Mehr Infos unter: www.himmelsstuermer.ch

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