Standortmarketing
Das grosse Buhlen um Neuzuzüger

Immer mehr Gemeinden machen mit einem Slogan für sich Werbung. Dabei ist von der «Perle im äusseren Wasseramt» oder der «Technologiestadt im Grünen» die Rede.

Julia Egenter
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Solothurner Zeitung

«Perle im äusseren Wasseramt», «attraktiv und im Buechibärg» oder «Technologiestadt im Grünen» – einige Gemeinden in der Region setzen bei ihrer Homepage auf die Wirkung von Slogans. Eins haben die meisten dieser Gemeinden gemeinsam: Der Spruch beschränkt sich auf die Homepage. Er wird nicht zusätzlich auf Werbebannern oder Dokumenten abgedruckt.

Slogans können poetisch sein

Auffallend sind die geografischen Elemente, die oft in den Slogans zu finden sind: «im Grünen, im Bucheggberg, im Zentrum, an der Sonne». Viele Gemeinden versuchen, sich mit dem Hinweis auf ihre Lage für potenzielle neue Bewohnerinnen und Bewohner attraktiv zu machen.

Mühledorf wirbt beispielsweise auf seiner Homepage mit den Worten «... eine Idylle im Herzen des Bucheggberg». Für die Gemeindepräsidentin Vreni Meyer ist ein solcher Slogan jedoch «ein Detail». Viel wichtiger sei der Inhalt der Homepage. «Es müssen aktuelle Infos einer Gemeinde zu finden sein.» Allein durch einen Slogan würden ihrer Meinung nach keine Neuzuzüger angelockt werden.

Ansprechend, beinahe poetisch präsentiert sich der Slogan der Gemeinde Steinhof. «Perle im äusseren Wasseramt», ziert die Startseite. Für den zuständigen Gemeinderat René Gerber ist dieser Slogan etwas sehr Persönliches. Dennoch ist Gerber der Meinung, dass sich mit einem passenden Slogan etwas machen liesse. «Die Gemeinde sollte sich mit dem Slogan identifizieren können», meint er.

Gemeinden sind kein Produkt

Beispiel für den Versuch einer solchen Identifikation ist Grenchen. «Grenchen ... und ... (viel) ... mehr», lautet der Werbeslogan und wird bei bekannten Anlässen passend verwendet. Für Barbara Pestalozzi Kohler, Leiterin Standortmarketing, Kultur und Sport, muss «ein Slogan konsequent weitergeführt und sein Versprechen gehalten werden». So könne er der Gemeinde ein Gesicht geben.

Schnottwil als Gegenbeispiel hat für seine Gemeinde überhaupt keinen Slogan – weder offiziell noch auf der Homepage. Für den Gemeindepräsidenten Stefan Fahrer ist ein Spruch für eine kleine Gemeinde nicht allzu relevant. Ausserdem ist er der Meinung, Schnottwil müsse für die Gemeinde nicht Werbung machen wie Firmen für ein Produkt.

Bei der Verwendung von Werbeslogans gehen also die Meinungen auseinander. Viele Gemeinden halten sie für eine nicht notwendige Investition oder haben sich bis anhin nicht intensiver mit dem Thema auseinandergesetzt – und ob es notwendig ist, da scheiden sich ebenfalls die Geister.

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