2000-Watt-Gesellschaft

Das Glück ist nicht an die Energiefülle gekoppelt

«Miguel» Misteli (r.), Präsidentin Verein 2000-Watt-Region, mit Flurina Doppler und Marcel Hänggi.

«Miguel» Misteli (r.), Präsidentin Verein 2000-Watt-Region, mit Flurina Doppler und Marcel Hänggi.

Wie verändern wir unseren Umgang mit Energie auf dem Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft? Das war das Thema, dem sich in der Jugendherberge Solothurn ein Anlass des Vereins 2000-Watt-Region mit dem WWF Solothurn widmete.

«Wenn weltweit jedem Menschen rund um die Uhr gesamthaft immer 2000 Watt zur Verfügung stehen würden und davon dreiviertel erneuerbare Energie», könnte nach Präsidentin «Miguel» Marguerite Misteli das Ziel der 2000-Watt-Gesellschaft erreicht werden – und dies innert 50 bis gut 100 Jahren. Zurzeit brauchen wir in der Schweiz etwa 6500 Watt pro Kopf, in den USA gar doppelt so viel, in manchen Drittwelt-Ländern kaum 500 Watt.

Als nächster Referent stieg der Historiker und Wirtschaftsjournalist Marcel Hänggi mit der Überlegung ein, wie es denn wäre, wenn billige, saubere Energie à discrétion zur Verfügung stünde. Er zeichnete das Bild einer immer rasanter technologisch veränderten Welt. «Doch schon heute kommen viele Leute mit der Beschleunigung des Lebens nicht mehr mit.»

Hänggi verwies auf Studien des Brasilianers Jose Goldemberg, wonach das Wohlbefinden der Menschen bis zu einem Energieverbrauch von rund 1000 Watt stetig ansteigt, danach aber deutlich abflacht: «Wer 6500 Watt beansprucht – oder gar über 10000 Watt – wird dadurch nicht glücklicher.» Hingegen habe viel und billige Energie negative und billige Energie im System negative gesellschaftliche Auswirkungen. Hänggi plädiert deshalb für Rahmenbedingungen, die ein Leben mit geringerem Energieverbrauch ermöglichen. Allerdings blieb er eher theoretisch, wie dies denn konkret aussehen soll.

Konkreter wurde Flurina Doppler von der Erklärung von Bern (EvB). Seit 1968 setzt sich die EvB für mehr Gerechtigkeit zwischen reichen und armen Ländern sowie faire Produktionsbedingungen, aber weniger Menschenrechtsverletzungen ein – oft mit Kampagnen (www.evb.ch). Doppler zeigte auf, wie die weltweite Fleischproduktion steil ansteigt. In der Schweiz isst man jede Woche 1 Kilo Fleisch pro Person. Davon stammt zwar ein grosser Teil aus dem Inland, doch reicht das einheimische Futter nur zur Hälfte für dessen Produktion.

In der persönlichen Umweltbelastung der Schweizer geht ein Drittel auf Lebensmittel zurück und davon knapp die Hälfte auf tierische Produkte. Um die gleiche Menge Eiweiss zu produzieren wie in Getreide und Gemüse, braucht es für Geflügel 4-mal mehr, für Schweinefleisch 14-mal mehr und für Rindfleisch 20-mal mehr Energie, mit Kraftfutter sogar 40-mal mehr, betonte Doppler. Der wasserdurstige, ineffiziente Tierfutteranbau anstelle von eigenen Lebensmitteln erzeugt weltweit Hunger. Zudem werden von den Schlachttieren letztlich nur die guten Stücke gegessen. Der Rest wird vergast oder geht zu Dumpingpreisen in die armen Länder und ruiniert dort die lokale Fleischproduktion.

Im zweiten Teil suchten die Anwesenden in Gruppen nach Ansätzen zur Senkung ihres Energie- und Fleischbedarfs. Eine reiche Palette von Tipps stand schliesslich auf den Plakatbögen: vom Verzicht auf Billigflüge über saisonale, regionale Bioprodukte oder dem Einkaufen strikte nach Einkaufszettel bis zur Forderung eines Landdiensts für alle.

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