Marcel Eheim: Das stimmt natürlich. Die Gemeinschaftsantenne Weissenstein (GAW) wurde 1973 von 9 Gemeinden als Zweckverband gegründet. Was wir jetzt feiern, ist das 10-Jahr-Jubiläum der GAW in der heutigen Rechtsform als GmbH.

Und das ist so wichtig?

Ja. Der Wechsel vom Zweckverband in eine Firma hat es erst ermöglicht, dass sich die GAW ohne bürokratische Hindernisse weiter entwickeln konnte. Als Zweckverband von inzwischen 32 Gemeinden mit 90 000 Einwohnern wäre die GAW der rasanten technischen Entwicklung und auch der politischen Rahmenbedingungen viel weniger gut gewachsen gewesen. Bis 2007 hatten wir keine eigenen Mitarbeiter. Heute sind wir ein Team von 20 Personen mit einem breiten Angebot vom Festnetztelefon über Digitalfernsehen und Internet bis zum Mobilfunk. Seit vergangenen August können sich Kunden auch im eigenen Shop beraten lassen.

Sie müssen aufrüsten, denn die Swisscom tut das auch. Der Wettbewerb, insbesondere beim Kabelfernsehen ist hart. Wo liegen Ihre Stärken?

Unsere Stärke ist die Nähe zum Kunden und der persönliche Service. Und mit unserem 50 Mbit-Quickline-Abo haben wir nach wie vor den schnellsten Internetanschluss. Mit dem Produkt Verte können zudem ein Paket mit interaktivem Digitalfernsehen anbieten.

Die Swisscom hat in Solothurn begonnen, Glasfaserkabel zu verlegen. Mit dieser Technik wird sie die Nase wieder vorne haben. Was tun Sie?

Wir nutzen die Glasfaser-Technologie schon länger. Für die letzte Meile rechnen wir mit Kooperationen zwischen den einzelnen Anbietern. Wie und in welcher Form ist im Moment noch offen. Eine Einigung scheint aber möglich.

Bis wann?

Wir rechnen noch in diesem Jahr.

Am 29. August sollen wieder sieben Kanäle von Ihrem analogen Netz verschwinden. Die Leute klagen wegen Serviceabbau.

Die Kanäle verschwinden ja nicht. Sie können bereits heute digital empfangen werden. Das ist nötig, weil wir Platz brauchen für neue HD-Sender. Nächstes Jahr rechnen wir mit 20 bis 30 neuen HD-Programmen.

Wie lange geht das noch so?

Wir versuchen, die Migrierung schrittweise vorzunehmen, also etwa alle zwei Jahre das analoge Angebot zu überprüfen. Wie gesagt: Die analog abgeschalteten Sender sind nach wie vor in unserem Programm, sogar in besserer Qualität als analog. Dazu kommen zahlreiche neue Sender dazu.

Dazu baucht man aber eine Settop Box. Diese stehen im Verruf, Stromfresser zu sein.

Wenn man heute einen Flachbildschirm kauft, ist der Digitaltuner meistens eingebaut, es braucht dort keine separate Settop-Box mehr. Die Ära der stromfressenden Zusatzgeräte ist vorbei. Alle Settop-Boxen in unserem Angebot haben einen Standby-Verbrauch von unter 1 Watt, was wir für vertretbar halten. Wem dies zuviel ist, der kann sie auch abschalten.

Der Trend geht heute Richtung interaktives Fernsehen. Wie viele Abonnenten haben Sie dafür?

Das neue Paket Verte, das z. B. zeitversetztes Fernsehen erlaubt, benutzen etwa 330 Kunden. Das erscheint noch nicht so viel. Wir können davon ausgehen, dass etwa 30 Prozent der Kunden die aktuelle Technologie wirklich ausreizen wollen. Viele andere haben kein Bedürfnis, die Tagesschau nicht um 19.30 Uhr zu schauen – noch nicht. Ich denke auch, es ist eine Generationenfrage. Je mehr sich die Leute mit den technischen Möglichkeiten vertraut machen, desto eher sind sie bereit, sie auch zu nutzen. Und bald wollen sie nicht mehr darauf verzichten.

Man hat das Gefühl, die Technologie entwickle sich schneller, als das menschliche Aufnahmevermögen dafür.

Da ist schon was dran. Gerade deshalb legen wir grossen Wert auf ausführliche Beratung vor Ort. Die Leute können bei uns in Solothurn vorbeischauen und sich die neuesten Technologien zeigen lassen.

Können Sie eine Prognose machen, wie das Angebot der GAW in zehn Jahren aussieht?

Heute ist das Internet zum gleichen Preis 100 Mal schneller als vor 12 Jahren. Diese Entwicklung wird weitergehen. Es wird eine Konvergenz geben von Fernsehen und Internet, das heisst die beiden Medien werden zu einem verschmelzen. Die Technologie wird eine flächendeckende Einführung von Full HD erlauben. Vielleicht wird sich auch 3D-Fernsehen durchsetzen.