Starker Regen begleitet die Fahrt der Journalisten ins Gasterntal im Berner Oberland. Die Kander steht dem Ufer nahe, und Vertreter von Zeitung, Radio oder Fernsehen
beobachten mit skeptischem Blick den Fluss. Einige machen sich Sorgen, ob die Kander nicht überlaufe und ihnen den Rückweg abschneiden werde.

Sorgen, die von alt Bundesrat Adolf Ogi vertrieben werden. Man sei kein Risiko eingegangen, als die Stiftung Swisscor an diesem regnerischen Tag ins Gasterntal einlud, erklärt er.

Ogi gründete die Stiftung Swisscor im Jahr 2000 und waltet nun als Präsident des Patronats-Komitees. Er erzählt, dass auch die Super-Pumas beim Transport von gehbehinderten Lagerteilnehmern kein Risiko eingegangen seien. Die Helikopter flogen an diesem Tag nicht, denn das Wetter sei einfach zu schlecht gewesen.

Und so fehlen im Gasterntal nur wenige der 87 Kinder aus Moldawien, welche die Stiftung Swisscor in die Schweiz einflog. In einem zweiwöchigen Ferienlager, das dieses Jahr in Schwarzenburg im Kanton Bern stattfindet, sollen die Kinder die schwierigen Lebensumstände in ihrer Heimat etwas vergessen.

Die meisten von ihnen kommen aus Waisenheimen und leiden an einer Sehbehinderung, Gehbehinderung oder haben Rückstände in der körperlichen Entwicklung. Mit dem Lager wolle Swisscor den Kindern den Zugang zu medizinischer Versorgung ermöglichen, die ihnen im Heimatland vorenthalten bleibe, erklärt Daniel Biedermann, Vize-Präsident des Stiftungsrates von Swisscor.

«Zu Beginn des Lagers werden alle Kinder von Ärzten untersucht», erklärt Biedermann. Hörgeräte, Sehhilfen, Rollstühle, Korsetts, um aufrecht zu sitzen, und Krücken gehören zu den häufigsten Hilfen, die die Kinder benötigen.

Viele dieser Leistungen könne man nur dank freiwilligen Helfern erbringen, erklärt Biedermann. Die Kosten des Lagers betragen jährlich rund eine Viertelmillion Franken. Gedeckt werden diese durch Spenden von Wohltätigkeits-Organisationen und Privatpersonen. Swisscor erhalte keine Subventionen, hielt Biedermann fest.

Lupis Lebensmotto: «Schweiz zeigt Herz»

Ruhig wurde es, als Adolf Ogi Gianpiero Lupi gedachte. Der Solothurner Arzt war seit 2010 Präsident des Stiftungsrates von Swisscor und verstarb im Mai dieses Jahres. Bereits vor seinem Posten als Präsident habe sich Lupi immer mit Herz und Seele für Swisscor und die Kinder eingesetzt, so Ogi.

«Gianpiero Lupi lebte unser Motto: Die Schweiz zeigt Herz. Wir sind alle sehr, sehr traurig, dass er gestorben ist.» Der Solothurner Lupi hatte den Rang des Divisionärs in der Schweizer Armee inne und war von 2001 bis 2008 Oberfeldarzt.

Mehr als zehn Jahre habe Lupi bei Swisscor mitgewirkt, auch nach seiner Pensionierung. In seiner Zeit hat Lupi über tausend bedürftige Kinder in die Schweiz geholt.

Schweiz hat Vorbildfunktion

«Moldawien ist das Armenhaus Europas. Das jährliche Durchschnittseinkommen liegt bei 2000 Euro», erklärt Ogi, warum die Wahl auf das südosteuropäische Land fiel. In Moldawien würden Menschen dreier unterschiedlicher Ethnien leben, die teilweise nicht miteinander sprechen würden.

Die Schweiz habe somit eine solidarische und vorbildhafte Aufgabe, schliesslich lebe man hier seit 1848 in Frieden und Freiheit, und das mit vier Sprachen, vier Kulturen, 26 Kantonen und 2000 Gemeinden, so Ogi.

In Integrationskursen werde den Kindern gezeigt, wie man trotz Sprachdifferenzen und unterschiedlicher Herkunft friedlich miteinander sein könne. Dass die moldawischen Kinder den Integrationskurs verstanden hatten, zeigten sie im Anschluss. Lieder und Tänze aus der Heimat führten sie vor. Und alle sangen und tanzten mit, egal ob blind oder taub.