Männer in blauen Overalls und mit schwarzen, verrussten Handschuhen stehen um die Dampflokomotive. Es geht um die letzten Vorbereitungen, bevor die Pendelfahrten von Büren nach Rüti beginnen: Die Kuppelstange, die die Triebräder verbindet, wird geschmiert; der Feuerwehrschlauch, mit dem das Wasser gebracht wurde, wird eingerollt.

Es zischt, es pfeift, es dampft aus allen Löchern. Um 10.30 Uhr nimmt die 1901 von der «Schweizerischen Locomotiv- und Maschinenfabrik Winterthur» gebaute Dampflok die Fahrt auf. Zu den ersten Passagieren gehören auffällig viele Grosseltern mit ihren Enkeln. 45 Stundenkilometer beträgt die Höchstgeschwindigkeit der Lokomotive, 32,8 Tonnen ihr Dienstgewicht.

Sechs Stunden aufheizen

Um zwei Uhr nachts ist Urs Gerber von den Dampffreunden Bern aufgestanden, um die Fahrt vorzubereiten. Sechs Stunden dauert das Aufheizen der 2500 Liter Wasser auf die 180 Grad Betriebstemperatur. Gerbers Glück: Am 2. August wurde die Lokomotive nach Büren überführt. Vier Tage später ist das Wasser im Dampfkessel noch immer 40 Grad warm. Eine Stunde Schlaf wurde Gerber dadurch geschenkt. Kupferleitungen und Messingarmaturen im Führerstand der Lokomotive versprühen Nostalgie pur.

Nicht viel weniger Dampf und Nos-talgie versprüht das «Bijou» von Mario Bonfanti: Eine Dampfwalze aus dem Jahr 1913. Der Luterbacher Garagist hat sie selbst restauriert. An zierlichen Rädchen steuert er hoch oben auf der Walze die Wasserzufuhr zum Dampfkessel. Die Hinterräder der Walze reichen ausgewachsenen Männern bis zum Kinn.

Dampftraktor nachgebaut

Mit kleinerem Geschütz ist Niggi Schlatter aus Dornach unterwegs. In über 2000 Stunden hat er einen Dampftraktor – eine Burrell Patent Engine aus dem Jahr 1905 – im Massstab 1:3 nachgebaut. Nur gerade zehn Stück gibt es in der Schweiz. Feine Gestänge, zierliche Armaturen: Alles wirkt filigran.

Drei Dampfschiffe drehen unten an der «Ländte» ihre Runden. Die «Sirius», 1909 an den Luganersee geliefert, verbrachte Jahre auf einem Kinderspielplatz, bis sie 1980 restauriert wurde. Heute dampft sie auf dem Murtensee. Jünger ist die «Isle of Jura.» Besitzer Ralph Sahli aus Ipsach hat sie 2002 nach eigenen Plänen gebaut und abgesehen vom Dampfkessel alle Teile selbst konstruiert.

Blank poliertes Holz

Mit lautem Pfiff begibt sich die «St.Urs» aus Solothurn auf ihre Rundfahrt. Am 4. Juli 1889 hat das kleine Dampfboot seine erste Fahrt von Biel nach Solothurn gemacht. Mitten auf dem Boot befindet sich der Dampfkessel, die Passagiere gruppieren sich um ihn herum. Das Holz ist blank poliert, das Tau liegt zu einem Kreis gerollt auf dem Bug. Regelmässig tuckert der Motor, während die Fahrt unter der Bürener Holzbrücke hindurch führt.

Ein Pfiff bedeutet nach rechts fahren, zwei Pfiffe nach links, und wer rückwärts fahren will, bekundet dies lautstark mit drei Dampfpfiffen. Zehn Kilogramm Holzpellets verbraucht das Schiff bei voller Fahrt in einer Stunde – mit gemütlichem Nebeneffekt: Die Besitzer haben eigens einen Grillspiess konstruiert: Während der Fahrt können sie im Kohlenofen Cervelats grillieren.

«Wir landen», heisst es am Ende der Fahrt – «anlegen» oder «an Land gehen» sagt der Fachmann nicht. Und zum Schluss beschleicht einen somit eine leise Ahnung, weshalb es «Ländti» heisst.