Mümliswil
Da hatte einer tatsächlich Mist gebaut

Der Rossmistplatz bei Johannes Walser entspricht jetzt den Vorschriften. Die Richter fanden, er habe genau gewusst, dass er etwas tat, das nicht rechtens war. Nun sind die «Lämpe» aber vergessen.

Alois Winiger
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Solothurner Zeitung

Beinahe hätte ihm der Schnee einen Strich durch die Rechnung gemacht. Denn bis Ende dieses Jahres, also bis heute Freitag, muss Johannes Walser gemäss richterlichem Urteil den Pferdemistplatz auf seinem Anwesen oberhalb Mümliswil dorthin versetzt haben, wo er nach Gesetz sein darf. Den bisherigen Mistplatz nämlich hatte Walser nur 10 Meter vom Waldrand entfernt gebaut, vorgeschrieben aber sind 20 Meter. Zudem hatte er noch einige Bäume gefällt, um mehr Platz zu schaffen. Hinzu kam, dass Walser zuerst den Mistplatz baute und erst dann ein Baugesuch einreichte. Von da an habe es «Lämpe» gegeben, erzählt Walser.

Genau gewusst

Der Fall ging von der örtlichen Baukommission zum kantonalen Baudepartment, das dann darauf bestand, der Mistplatz müsse versetzt werden. Walser aber wehrte sich.

Der neue Mistplatz habe ihn bereits 10000 Franken gekostet, zudem sei der Standort ideal und störe niemanden. Dem konnten im Grundsatz sogar die Richter beipflichten, die schliesslich nach einem Augenschein im Mümliswil zu entscheiden hatten, ob die Anlage rückgebaut werden müsse. Sie musste. Die Richter folgten damit der Begründung des Baudepartements, Walser habe genau gewusst, was er tat, und die Abweichung vom Erlaubten deutlich überschritten (wir berichteten). Was übrigens nicht zum ersten Mal geschehen sei und dann zu Walsers erwähnten «Lämpe» führte. Hier habe Walser wörtlich Mist gebaut.

Schnee und Beton

Walser beugte sich dem Richterspruch, erreichte aber einen Kompromiss. Statt 20 muss der Platz nur 10 Meter vom ursprünglichen Waldrand entfernt sein. Der Entscheid wurde im September dieses Jahres gefällt, und bis Ende Jahr müsse die Arbeit abgeschlossen sein. Walser, der hauptberuflich im Strassenbau tätig ist und im Nebenberuf zusammen mit seiner Frau Jeanette in der abgelegenen Waldlichtung Studen Schweizer Halb- und Vollblutpferde züchtet, schob die Arbeit immer wieder hinaus, wie er bei einem Augenschein dieser Zeitung erzählt.

«Eigentlich wollte ich die Altjahrswoche dazu nutzen, aber ich hätte dann keinen Beton erhalten für die Bodenplatte, die Mischwerke haben in dieser Zeit geschlossen.» Letzte Woche nun, als der Schnee so weit weggeschmolzen war, dass man einen Bagger einsetzen konnte, packten er und sein Sohn Jan die Arbeit an. «Einen Tag haben wir gebraucht, aber es dauerte bis abends elf Uhr.»

Was für ein Unterschied

Wäre denn kein anderer Standort möglich gewesen? Der neue Pferdemistplatz steht nämlich von weit her sichtbar auf offenem Gelände und ist von nackten Betonplatten eingefasst. «Möglich schon», antwortet Walser, «aber entweder zu nahe beim Wohnhaus oder zu weit vom Stall entfernt.» Was für ein Unterschied zur früheren Anlage, die kaum auffiel, weil sie in den Anhang eingelassen war, von Wiesland und mit grossen Jurasteinbrocken eingerahmt. «Jeden einzelnen Stein hatte ich bewusst hingesetzt. Es hat mir richtig wehgetan, als ich sie nun wieder herausreissen musste», sagt Walser.

Ob man ihm die alte Anlage wohl bewilligt hätte, wenn er rechtzeitig um eine Bewilligung mit Sondervorschriften nachgesucht hätte? Walser überlegt kurz und meint dann: «Ich glaube nicht. Vorschrift ist halt Vorschrift, das musste ich einsehen.» Dann schaut er zum alten Standort, wo noch ein Rest von Mist liegt. «Aber schade ist es halt doch.»

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