Facebook

CVP-Kreise liessen ungefragt SP-Politiker für sich werben

Ungefragt zur Wahlhelferin gemacht: Nationalrätin Bea Heim. Foto: mjw/bar

Ungefragt zur Wahlhelferin gemacht: Nationalrätin Bea Heim. Foto: mjw/bar

Im Internet warben prominente SP-Politiker für einen CVP-Mann. Auf Facebook befanden sie sich unfreiwillig auf einer Fan-Liste der Christdemokraten. Möglich war dies eine neue Facebook-Funktion.

Rolf von Felten, CVP-Kandidat für das Amtsgerichtspräsidium Solothurn-Lebern, erhielt im Internet Support von unerwarteter Seite: Die SP-Bundesparlamentarier Roberto Zanetti und Bea Heim wurden auf Facebook als Unterstützer seiner Kandidatur präsentiert – freilich ohne, dass sie davon wussten.

In der weiten Welt des World Wide Web ist gar vieles möglich. Und spielt sich auf dem beliebten Sozialnetzwerk Facebook Merkwürdiges ab, dann droht es publik zu werden – dem lockeren Umgang der Plattformbetreiber mit der Privatsphäre der Benutzer sei Dank.

Hätte sich Ida Salvetti, SP-Kandidatin für das Amtsgerichtspräsidium Solothurn-Lebern, Ende letzter Woche auf Facebook umgetan, sie hätte sich die Augen gerieben: «Wir sind für Rolf von Felten als Amtsgerichtspräsident Solothurn-Lebern», liess eine Gruppe mit zu jenem Zeitpunkt 42 Mitgliedern die Internetwelt wissen. Auf der Fan-Liste des CVP-Kandidaten fanden sich ausgerechnet zwei der prominentesten kantonalen Köpfe der SP: Ständerat Roberto Zanetti und Nationalrätin Bea Heim. Das musste stutzig machen: Foutierten sich die beiden SP-Bundesparlamentarier um ihre Parteizugehörigkeit? Waren da zwei Aushängeschilder zum politischen Rivalen übergelaufen?

Die Sache klärte sich, bevor bei den Genossen der Haussegen schief zu hängen begann: Weder Heim noch Zanetti hatten von der Angelegenheit gewusst. Sie waren ohne ihr Wissen vom Gründer der Pro-von-Felten-Gruppe als Mitglieder hinzugefügt worden. Möglich war das, weil der unbekannte junge Mann bei beiden SP-Parlamentariern unter ihren zahlreichen Facebook-Freunden figuriert; und Facebook seit kurzem das Hinzufügen von befreundeten Personen zu Gruppen erlaubt, ohne dass deren Einwilligung eingeholt werden muss. Und dies hatte der umtriebige von-Felten-Supporter offenbar mit Heim und Zanetti getan.

Von Felten wusste von nichts

Inzwischen muss Richterkandidat von Felten wieder ohne die zwei SP-Unterstützer auskommen – beide haben per Mausklick ihre ungewollte Mitgliedschaft in der Supporter-Gruppe aufgekündet. Und das hatte offenbar auch gleich Signalwirkung: Seit Dienstagnachmittag ist die Gruppe auf Facebook nicht mehr zu finden. Rolf von Felten trägt den Verlust der zwei Facebook-Fans mit Fassung – verfügt er doch noch immer über ein überparteiliches offizielles Unterstützungskomitee, in dem freilich namhafte Sozialdemokraten fehlen.

Von der Facebook-Episode, sagt der Richterkandidat, habe er nichts gewusst. Da er nicht auf der Plattform verkehre, sei er weder der Existenz der Gruppe noch des temporären Supports von Zanetti und Heim gewahr geworden.

«Schindluderei» mit Facebook

Die beiden vermeintlich abtrünnigen SP-Parlamentarier reagieren ihrerseits sportlich auf die Angelegenheit. Er habe sich zunächst geärgert, sagt Roberto Zanetti, finde die Sache aber im Nachhinein nicht dramatisch. «Ich bin froh, gibt es aufmerksame Leute», sagt Bea Heim, die von Markus Schneider, dem Chef der SP-Kantonsratsfraktion, auf die unfreiwillige Mitgliedschaft hingewiesen wurde. Für Heim ist es im Übrigen nicht die erste Erfahrung dieser Art: Sie fand sich vor kurzem in einer Facebook-Gruppe wieder, die die Berner FDP-Ständeratskandidatin Christa Markwalder unterstützte.

Trotz zweifelhafter Erlebnisse mit Facebook schätzen Heim und Zanetti das Netzwerk auch als Bereicherung für ihre politische Tätigkeit. «Facebook ist ein amüsantes Instrument, um mit Leuten in Kontakt zu treten. Man muss aber bewusst damit umgehen», findet Bea Heim.

Die identische Meinung von Roberto Zanetti: «Facebook ist ein witziges Medium, mit dem aber auch Schindluderei betrieben werden kann.» Weder Heim noch Zanetti kennen im Übrigen den Facebook-Bekannten, der sie für kurze Zeit als Überläufer erscheinen liess, persönlich. Ständerat Zanetti vermutet in ihm einen übereifrigen Wahlkämpfer.

Letztlich ist die Angelegenheit weniger eine politische Affäre als ein Lehrstück über die Tücken des wenig diskreten Sozialnetzwerks Facebook. Roberto Zanetti jedenfalls hat die Konsequenzen gezogen: Er ist seit neuestem – freiwilliges – Mitglied einer anderen Facebook-Gruppe. Sie heisst: «Ich möchte nicht OHNE meine Zustimmung einer Gruppe hinzugefügt werden.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1