Attestlehren
Chance trotz kleinem Schulrucksack

Eine Veranstaltung im Alten Spital in Solothurn informiert über die zweijährige Attestlehre. Die Veranstaltung richtet sich vor allem an Schüler der Werkklassen und Oberschule.

Elisabeth Seifert
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Solothurner Zeitung

Nach einem erfolgreichen ersten Event im letzten Jahr findet am 17. März im Alten Spital in Solothurn der 2. Lehrstelleninfotag statt. Die Veranstaltung richtet sich vor allem an Schüler der Werkklassen und Oberschulen – und zwar aus dem ganzen Kanton Solothurn. «Im Unterschied zum letzten Jahr werden wir uns ausschliesslich auf die zweijährige Grundbildung konzentrieren», sagt Sanna Schär. Sie ist Fachverantwortliche Integration und Jugendarbeiterin im Alten Spital und hat die Projektleitung des Lehrstelleninfotages inne. «Mit dem Lehrstelleninfotag besetzten wir eine Nische. Wir wollen bewusst nicht die etablierten Berufsmessen für die drei- und vierjährige Lehre konkurrenzieren.»

Tipps für die Bewerbung inklusive

Im Zentrum der Veranstaltung steht eine Tischmesse, an der sich die angehenden Lernenden, aber auch deren Eltern sowie Lehrpersonen über das Angebot im Kanton Solothurn an zweijährigen Grundbildungen mit eidgenössischem Berufsattest (EBA), sprich: Attestlehren, kundig machen können. Schär: «Wie im letzten Jahr erwarten wir auch diesmal wieder die Anmeldung von vielen Schulklassen.»

Im Vorfeld des Lehrstelleninfotages organisiert das Alte Spital am nächsten Dienstagabend eine Veranstaltung ausschliesslich für interessierte Lehrpersonen. «Wir stellen immer wieder fest, dass die zweijährige Grundbildung gerade bei jungen Lehrpersonen noch eher wenig bekannt ist», sagt Sanna Schär. «Die Orientierung soll die Lehrkräfte für eine themenspezifische Vorbereitung in ihren Klassen ausrüsten.»

An der Messe in Solothurn vertreten sein werden eine ganze Reihe von Berufsverbänden, vom Autogewerbe-Verband bis zum Schreinermeister-Verband, aber auch etliche Betriebe, unter anderem die Solothurner Spitäler AG sowie Migros und Coop, und zwar zum Teil gleich mit mehreren Berufen der zweijährigen Grundbildung. Erstmals gibts im Kanton Solothurn ab Herbst eine Attestlehre als Bäcker-Konditor-Confiseur. Ebenfalls neu sind die Attestlehren als Florist(in), Holzbearbeiter(in), Polybaupraktiker(in) sowie Uhrenarbeiter(in) (siehe auch den Kasten). «Neben der Information zu verschiedenen Berufen ermöglicht die Tischmesse den Jugendlichen, ersten Kontakt zu potenziellen Arbeitgebern zu knüpfen», betont Sanna Schär. «Bei einer späteren Bewerbung können sie sich dann direkt auf ein solches Gespräch beziehen.»

Steht die Information über die verschiedenen Attestlehren im Vordergrund, offeriert der Lehrstelleninfotag zusätzlich ein Bewerbungstraining. So können Jugendliche bis Ende Februar ihre Bewerbungsdossiers bei den Veranstaltern einreichen – und erhalten dann am 17. März ein Feedback samt Verbesserungsvorschlägen. Weiter lernen die Schülerinnen und Schüler, wie sie bei einem Vorstellungsgespräch punkten können. Hilfreiche Tipps gibts etwa dazu, wie man sich für eine solche Situation angemessen kleidet und verhält, einschliesslich einer korrekten Ausdrucksweise. «In authentisch nachgestellten Situationen wollen wir die Jungen auch direkt mit ihrem eigenen Verhalten konfrontieren.»

Immer noch zu wenig Stellen

Für das kommende Schuljahr sind im Kanton Solothurn – Stand jetzt – noch 41 Attestlehrstellen als offen gemeldet. «Insgesamt dürften kantonsweit mittlerweile über 240 Attestlehrstellen angeboten werden», meint Albert Stalder, Leiter der Interessengemeinschaft (IG) zweijährige Grundbildung. Er ist einer von mehreren Partnern, die das Projekt Lehrstelleninfotag des Alten Spitals unterstützen. Im letzten Sommer haben 235 Männer und Frauen eine zweijährige Grundbildung begonnen, ein Jahr zuvor waren es 205. «Das Angebot wächst, es gibt aber immer noch zu wenig Stellen in diesem niederschwelligen Sektor», betont Stalder.

Um hier Abhilfe zu schaffen, laden die Organisatoren im Anschluss an den Lehrstelleninfotag, am 17. März ab 19 Uhr, zu einer Fachdiskussion ein. Diese steht unter dem Motto «Chancen und Risiken für Berufe mit eidgenössischem Berufsattest». Lehrlingsverantwortliche, Vertreter der Berufsschulen sowie Lernende tauschen ihre Erfahrungen mit der Attestlehre aus. Die Veranstaltung richtet sich in erster Linie an Betriebe, Berufsverbände und Lehrmeister.

«Wir könnten gut 100 Attestlehrstellen mehr besetzen», ist Albert Stalder überzeugt. «Insbesondere in Berufen, die bevorzugt von jungen Frauen gewählt werden, haben wir zu wenige Stellen.» Immer noch gebe es bei potenziellen Lehrbetrieben eine gewisse Skepsis gegen die Attestlehre. «In Betrieben, die Attestlernende ausbilden, kommt das Konzept der zweijährigen Grundbildung aber gut an», beobachtet der Experte. Ihren Teil dazu tragen vor allem auch die Berufsschulen bei, die den Attestlernenden besondere Unterstützung bieten. So besuchen die Lehrpersonen ihre «Schützlinge» immer wieder an ihrem Arbeitsplatz. Zudem ermöglichen kleinere Berufsschulklassen eine gezielte Förderung.