Gault Millau

Burgdorf ist mit vier Gault-Millau-Gaststätten eine Gastro-Hochburg

Das Stadthaus in Burgdorf: 15 Punkte für die Küche und unter den 100 besten Hotels der Schweiz.  Hans Mathys

Das Stadthaus in Burgdorf: 15 Punkte für die Küche und unter den 100 besten Hotels der Schweiz. Hans Mathys

In Burgdorf kann sich der Feinschmecker besonders vergnügen. Die vier im neuesten Gault Millau bewerteten Gaststätten erzielen zusammen im regionalen Ranking die höchste Punktzahl. Die vier Solothurner Betriebe erhalten insgesamt zwei Punkte weniger.

Jedes Jahr mit Spannung wird die neue Ausgabe des Gault Millau erwartet. Diese Woche war es so weit, und ein Blick in die Gastro-Bibel zeigt: Im Oberaargau wird seit Jahren auf hoch stehendem Niveau gekocht, und zwar schön verteilt in der ganzen Region. Einziger blinder Fleck ist Langenthal. Dort befindet sich derzeit kein einziger bewerteter Gastro-Tempel, obwohl auch dort gute Küche zu finden ist. Dafür hat – gemäss den Testern – Burgdorf umso mehr zu bieten.

Die vier erwähnten Betriebe «Emmenhof», «Zur Gedult», «Spanische Weinhalle» und «Stadthaus» erzielen zusammengezählt 59 Gault-Millau-Punkte. Darüber hinaus wurde der Hotelbetrieb des «Stadthaus» schon zum zweiten Mal in die Liste der besten Gault-Millau-Hotels der Schweiz aufgenommen. «Aus dem Rathaus (Baujahr 1745) ist mitten im Städtchen ein Hotel-Juwel entstanden», loben die Tester. Um gleich noch zum Werbespot für das Gertsch-Museum auszuholen, denn «der Besitzer (des Hotels, d. Red.) ist Kunstmäzen».

Gygax - ein Künstler seines Fachs

Die höchste Punktzahl im Oberaargau erzielte aber – wen wunderts – wieder Nik Gygax im Löwen Thörigen. Seit Jahren scheinen die Gastro-Kritiker des Ringier-Verlag-Produkts Fans des «Leue-Nik» zu sein und verleihen ihm unbeirrt 18 Punkte. Unbestritten ist Gygax ein Künstler seines Fachs, und das diesjährige Lob ist wiederum verdient. Sie schwärmen: «Nik Gygax lebt seine unglaubliche Begabung an drei Fronten aus: In seinem 18-Punkte-Restaurant, in seiner gemütlichen, aber qualitativ hochstehenden Beiz und als Störkoch für ganz besondere Aufgaben. Wer den «Leue-Nik» zu einer Gourmet & Wine-Party ins Haus holt, hat den Applaus auf sicher.»

Zu den Aufsteigern im nahen Bernbiet gehören die «Moospinte» in Münchenbuchsee und das «Forst» in Thun-stetten. Die neuen Besitzer der «Moospinte», Stefanie Weber und Sascha Berther, waren nach dem Abgang von Chrüter-Oski noch im letzten Jahr mit 15 Punkte eingestiegen. Dieses Jahr sind kocht Berther auf 16-er Niveau und hat sich – laut den Testern – aus dem Schatten des bekannten Vorgängers gelöst. Susanne und Andreas Koch-Kissling bekommen zu ihrem 10. Wirtejahr im «Forst» in Thunstetten neu eine 14-er Punktezahl. Die Tester waren hier besonders von der Fischküche und der Käseauswahl begeistert.

Werner Martin abermals mit 16 Punkten

Absteiger im Oberaargau sind «Pelzmanns Goldener Krug» in Suberg, das «Commerce» in Aarberg und der «Löwen», Fraubrunnen. Ganz aus dem Ranking verschwunden ist «Zur weissen Kuh» in Seeberg.

Im Kanton Solothurn blieb das meiste wie im letzten Jahr. Im kleinen dorneckbergischen Flüh nahe Basel kocht Werner Martin im «Martin» auch dieses Jahr mit 16 Punkten. Sein Kollege Felix Suter in der «Zur Säge» wird auch dieses Jahr mit 17 Punkten bewertet. Südlich des Passwang sind es ebenfalls die altvertrauten Namen: je 17 Punkte für «Lampart’s», Hägendorf, «Bad Attisholz», Riedholz und «Traube», Trimbach. Am meisten Gault-Millau-Punkte vereint sind in Solothurn zu finden. 57 Punkte verteilen sich auf die vier Betriebe «Zum alten Stephan», «Baseltor», «Roter Turm» und Aufsteiger «Salzhaus». Im «Salzhaus», das neu 13 Punkte erhält, loben die Tester vor allem die «feine Fusionsküche, die Gerichte aus unseren Breitengraden mit Einflüssen verschiedener Nationalitätenküchen kombiniert und zusammen mit dem Thema Salz neu interpretiert.»

«Sonne» erstmalsmit 14 Punkten

Ein weiterer Aufsteiger ist im Gäu, in Gunzgen, zu finden. Die «Sonne» erhält erstmals 14 Punkte. Küchenmeister Lorenzo Ghilardelli überzeugte die Tester hier mit seiner «klassischen Küche mit souverän aufgenommenen asiatischen Einflüssen». Einer Menukarte begegnet man in der Sonne nicht, man entscheidet hier zwischen einem Drei- oder einem Fünfgänger und lässt sich überraschen.

Nicht mehr aufgeführt in der Ausgabe 2012 ist der «Goldene Ochsen» in Olten und das Hotel Krone mit seiner «Ambassadorenstube» in Solothurn.

In diesem Gault Millau-Jahrgang fällt auf, dass man als Leser einige neue, und innovative Gastro-Betriebe vergebens sucht. Indiz dafür ist, dass nur ganz wenige mit der Einsteiger-12er-Punktezahl neu im Führer zu finden sind. Schade. Wahrscheinlich sind die Tester ebenso in die Jahre gekommen wie viele der bewerteten Küchenkünstler. Deshalb ganz einfach der Tipp: Wer gut essen gehen will, darf sich auf keinen Fall bloss auf einen Gastro-Führer verlassen. Auch nicht auf den Gault Millau für 52 Franken.

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