In der Nacht auf den 10. Juli stand Gerardo Palladino vor seinem Restaurant in Oberdorf und blickte schockiert in die Flammen, die aus dem Dachstock loderten. Jetzt, einen Monat später, steht er auf der Terrasse vor dem Gemeindehaus, vis-à-vis des «Helvetia» und beobachtet die Abbruchmannschaft, die sich mit schwerem Gerät hinter der zerfetzten Hausmauer zu schaffen macht. Balken krachen zu Boden, die Böden werden eingerissen, Staub wirbelt auf: Derzeit wird das Gebäude dicht an der Weissensteinstrasse komplett ausgehöhlt.

Gerardo Palladino bleibt äusserlich gelassen, verzieht keine Miene. Doch der Grossbrand hat den 59-Jährigen hart getroffen. Nicht nur das Restaurant mit Küche, Speisesaal und Lebensmittellager wurde zerstört, auch die beiden Wohnungen fielen den Flammen zum Opfer. Wenn es die Gesundheit zulässt, würde er den Restaurantbetrieb gerne wieder aufnehmen und in seine Wohnung zurückkehren. «Das wäre mein Traum», sagt Palladino.

Die halbe Küche ruiniert

Ob sich dieser Traum erfüllt, bleibt vorerst offen. Laut dem Architekten Roland Frei aus Langendorf, der mit dem Bau vertraut ist, bleiben zumindest die massiven Aussenwände stehen. In welcher Form das Haus dann aufgebaut wird, hänge von der künftigen Nutzung ab. Wird die Liegenschaft verkauft, entstehen Mietwohnungen? Gerardo Palladino ist ratlos. Bis die Experten von der Gebäudeversicherung die Lage einschätzen können, dürften noch Tage oder gar Wochen vergehen. Küchengeräte wie Kaffeemaschine, Steamer, Kühlschrank sowie die Kasse, Stühle und Tische wurden von einer auf Renovationen spezialisierten Firma aus dem luzernischen Gisikon abgeholt und einsatztauglich gemacht. Der Pizzaofen, der Kochherd und die Fritteuse jedoch wurden durch Feuer, Löschwasser und Russ zerstört.

«So oder so: Was ich hatte, das bekomme ich nicht mehr wieder», sagt Palladino. Nicht nur seinen Besitz hat er beim Grossbrand verloren, auch die Bausubstanz mit den Stuckaturen an der Decke wurde ruiniert. Immerhin kann der erfahrene Wirt, der das «Helvetia» vor 21 Jahren gekauft hatte, auf die Solidarität von Familie und Gemeinde zählen. Unterschlupf hat er bei seinem Bruder Angelo in Biberist gefunden, Nachbarn haben Kleider gespendet. Auch die Versicherung habe ihn grosszügig unterstützt.

Bevor Palladino 1990 nach Oberdorf kam, hatte er seit 1974 in Derendingen gewirtet, danach ab 1980 in Solothurn das «Gerardo» geführt, dort wo jetzt die «Grüne Ecke» ist.

«Bald gibts hier nichts mehr»

Während er um die Ruine läuft und Schreinern und Abbrucharbeitern aus sicherem Abstand zuschaut, gehen immer wieder Dorfbewohner vorbei und heben die Hand zum Gruss. «Das mich im Dorf so viele Leute kennen und unterstützen, ist schön», sagt Palladino. Viele bedauern, dass nach Post und Bank nun auch bei einem weiteren Restaurant die Tür geschlossen bliebe. Bald gebe es im Dorf dann «gar nichts mehr», so der Tenor.

Herumsitzen mag Gerardo Palladino derweil nicht. Schon am Wochenende wird er seine Erfahrung als Wirt spielen lassen, wenn er während der Kilbi in Oberdorf den Restaurantbetrieb in der Kächschür führt. Spontan hat er die Gemeinde angefragt, ob er seine Gäste wieder bewirten könne. Eine Dienstleistung, die die Oberdörfer gerne in Anspruch nehmen.