Grenchen

Boris Banga hat niemanden gemobbt

Schlechter Führungsstil, aber kein Mobbing.

Schlechter Führungsstil, aber kein Mobbing.

Der Grenchner Stadtpräsident hat laut Voruntersuchung einen schlechten Führungsstil, von Mobbing - dem eigentlichen Hauptvorwurf - war allerdings nichts mehr zu finden.

Gestern Montag, 13.46 Uhr, auf der Redaktion dieser Zeitung wird die Stimmung unvermittelt nervöser. Der Grund, ein überfälliges E-Mail der Stadtkanzlei Grenchen ist auf den Bildschirmen aufgetaucht. Vielsagender Titel: Medienmitteilung der Gemeinderatskommission GRK zur Voruntersuchung betreffend den Stadtpräsidenten. Absender: Vize-Stadtpräsident Hubert Bläsi. Und der

Inhalt ist in der Tat brisant. Eine ausserkantonale Expertengruppe kommt zum Schluss, dass bei Stadtpräsident Boris Banga «beträchtliche Führungsprobleme vorliegen». Banga pflege zum Teil einen «wenig wertschätzenden, zeitweise gehässigen Umgangston». Gemäss Bericht bestehe deshalb dringlicher Handlungsbedarf. Und die GRK lässt im Schreiben keinen Zweifel daran, dass sie in Zukunft «aktiver gegen diese Mängel» vorgehen wolle. Wohl verstanden in Zukunft, die Vergangenheit will man ruhen lassen.

Kommt Banga ein sechstes Mal?

War da nicht ursprünglich der Hauptvorwurf Mobbing im Raum, wurde die ganze Übung nicht deshalb überhaupt inszeniert? So ist es. Geblieben ist davon allerdings nichts. Entsprechend freudig hat Boris Banga den Expertenbericht zur Kenntnis genommen. Allerdings erst gestern Montag um 11 Uhr, nachdem er mit Nachdruck verlangt hatte, endlich den Inhalt des Papiers zu erfahren. Verständlich, schliesslich liegt das Ergebnis seit dem 7. September 2010 vor und auf dem lokalen Internetportal «grenchen.net» ist bereits in vielsagender Weise darüber spekuliert worden. «So etwas geht doch nicht, das ist ein unhaltbarer Zustand», ereifert sich Banga gegenüber dieser Zeitung zu Recht.

Völlig unverständlich sei zudem, dass er zu all den Punkten keine Stellung nehmen konnte. Auf die Details angesprochen, weist der Stadtpräsident explizit darauf hin, dass er kein Mobbing begangen habe. «Das hätte mich schon gebissen, wenn das der Fall gewesen wäre». Dasselbe gelte natürlich auch für eine Dienstpflichtverletzung. Auch davon könne überhaupt keine Rede sein.

Auf seinen Umgangston angesprochen, meint der ehemalige SP-Nationalrat bloss: «Ich bin fünfmal wiedergewählt worden, ein derart schlimmer Zeitgenosse kann ich demnach nicht sein.» Im Nachsatz räumt er allerdings ein, dass er zuweilen durchaus mal laut werden könne. Doch bekanntlich gebe es unterschiedliche Führungsstile. Die ganze Übung betrachtet der Stadtpräsident als politische Abrechnung. Was heisst das für die Zukunft von Boris Banga, wird er gar ein sechstes Mal antreten? «Die Situation würde es eigentlich direkt erfordern», meint er lapidar.

Hauptvorwurf vom Tisch

Nach wiederholten öffentlichen Mobbing-Vorwürfen hatte Stadtpräsident Banga im letzten März die Flucht nach vorne angetreten: Er leitete eine Untersuchung gegen sich selber ein. Auf Nachfrage bestätigt Vize-Stadtpräsident und GRK-Sprecher Hubert Bläsi (FDP), dass die zur Diskussion stehenden Vorkommnisse nicht Mobbing-Charakter erreichen. Gerade die auch in der Sonntagspresse laut gewordenen Mobbing-Vorwürfe hätten die GRK letztlich zum Handeln gezwungen. Die Voruntersuchung lasse nun aber «ein formelles Disziplinarverfahren gegen den Stadtpräsidenten nicht als gerechtfertigt erscheinen», heisst es in der GRK-Medienmitteilung. Die Gemeinderatskommission will folglich «den Fokus auf die Zukunft richten» und «Massnahmen ergreifen, die bald wirken». Solche würden derzeit geprüft, bestätigt Bläsi. Vertiefende Informationen dazu lässt sich Vize-Stadtpräsident Bläsi nicht entlocken. Hier gehe es um «eine personalrechtlich nicht öffentliche Sache». Über die getroffenen Massnahmen werde «zu gegebener Zeit» informiert.

Seit der Ablieferung des Berichts sind fast zwei Monate verstrichen. In der Zwischenzeit habe die GRK «engagiert über Inhalt und Schlüsse debattiert», begründet Hubert Bläsi die seither verstrichene lange Zeit.

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