Wahlen 2011
Boris Banga: Das Zugpferd, das zur Hypothek wurde

Nationalratswahlen Boris Banga verzichtet in Absprache mit seiner Partei, den Sozialdemokraten auf eine Nationalratskandidatur. Die SP weiss zu schätzen, dass Banga nun jüngeren Kandidaten eine Chance gibt.

Marco Zwahlen
Drucken
Teilen
Boris Banga richtet seinen Fokus auf Grenchen. Oliver Menge Boris Banga richtet seinen Fokus auf Grenchen. Oliver Menge

Boris Banga richtet seinen Fokus auf Grenchen. Oliver Menge Boris Banga richtet seinen Fokus auf Grenchen. Oliver Menge

Solothurner Zeitung

«Das Präsidium der SP Kanton Solothurn und die von der Amtei Solothurn-Lebern nominierten Kandidaten haben sich darauf geeinigt, dass Boris Banga auf seine Kandidatur für den Nationalrat verzichtet», schreibt die Partei in ihrer gestrigen Medienmitteilung. Parteipräsidentin Evelyn Borer betont auf Nachfrage, dass Bangas Rückzug freiwillig erfolgt sei.

Das Gespräch am runden Tisch wurde nötig, weil sich in der Amtei Solothurn-Lebern fünf Personen für vier Listenplätze interessierten. Wäre es dabei geblieben, hätte an der Nominationsversammlung vom 7.April für die Siebenerliste des oberen Kantonsteils ein Nominierter über die Klinge springen müssen. Möglich, dass es Banga getroffen hätte.

Viele Feinde – auch parteiintern

Schon vor vier Jahren hatte die SP einen Kandidaten zu viel. Der Grenchner Stadtpräsident hatte notabene als damaliger Nationalrat in der geheimen Ausmarchung am Parteitag mit den wenigsten Stimmen den Sprung auf die Nationalratsliste geschafft. Über die Klinge springen musste damals Philipp Hadorn. Mittlerweile hat Banga nicht mehr den Bonus als Nationalrat, und er hat
sich in der Kantonalpartei noch mehr Feinde geschaffen. Selbst Borer hat sich jüngst von Bangas Stil und Umgangston deutlich distanziert, nachdem dieser in einer Kolumne zum Rundumschlag gegen die SVP ausgeholt hatte.

Im Bewusstsein dessen «kann ich mir gut vorstellen, dass dies seinen Entscheid beeinflusst hat», sagt Borer. Fakt ist, dass Banga bei Bekanntgabe seiner Kandidatur sagte, bei einem Kandidatenüberschuss Platz zu machen. Ausschlaggebend für den Rückzug ist laut Borer die Ausgewogenheit der Liste gewesen. Mit drei Frauen und vier Männern im Alter zwischen 20 und 55 Jahren sei die Liste ideal zusammengesetzt. Die Partei schreibt denn auch: «Dass er nun jüngeren Kandidaten eine Chance gibt und seinen Worten nachlebt, weiss die SP sehr zu schätzen.»

Banga selbst bringt noch «familiäre Gründe» ins Spiel, ohne dabei jedoch nur annähernd konkret werden zu wollen. Zudem richtet er den Fokus auf die Stadt Grenchen: «Für unsere Stadt und unsere Region gibts es viele neue, wichtige Grossprojekte, welche meine volle Aufmerksamkeit und enge Begleitung erfordern.» Ein Wechsel im Stadtpräsidium würde der Realisierung dieser Zukunftsprojekte schaden. «Ich habe mich deshalb für Grenchen und für den Grenchner Souverän entschieden.»

Banga ist im Raum Grenchen Garant für Parteistimmen. Ein Dilem-ma für die Amteipartei: Unabhängig, wie sie zu Banga stehen, befürchten Exponenten der Amteipartei, dass die Kantonalpartei ohne eine Kandidatur des Grenchner Stadtpräsidenten mehr verliert als gewinnt. Der Tenor: Die Grenchner haben eh schon das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Gut möglich, dass dieser Minderwertigkeitskomplex die Kantonalpartei abstraft.

(Schaden-)Freude bei Intimfeind

Seit Jahren dominiert in Grenchen der Hahnenkampf zwischen Banga und Heinz Müller (SVP) im Gemeinderat. Alle vier Jahre spitzt sich dieser im Vorfeld der nationalen Wahlen zu, da beide jeweils kandidieren. Keiner lässt eine Gelegenheit aus, dem anderen an den Karren zu fahren. Müller meint denn zum Verzicht seines Intimfeindes: «Er hat offenbar geschnallt, dass er auch in seiner Partei ein Auslaufmodell ist.»

Von den ansonsten guten Kontakten zu SP-Exponten der Kantonalpartei weiss der Präsident der SVP Kanton Solothurn, dass sich in der SP eine Front gegen Banga mobilisiert hat und er daher einen schweren Stand bei der Nominationsversammlung vom 7.April gehabt hätte. Grund sei offenbar, dass Banga Parteigenossen genauso hart angehe wie Feinde ausserhalb der Partei. «Das muss jetzt nur noch die SP Grenchen einsehen», so Müller.

Aktuelle Nachrichten