Bob
Simon Friedli über seinen Sturz: «Ich dachte, was ist jetzt genau passiert?»

Trotz seines Unfalls an der Viererbob-WM zieht der Derendinger Bobpilot Simon Friedli bereits vor den Schweizer Meisterschaften von kommender Woche ein positives Saisonfazit.

Raphael Wermelinger
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Simon Friedli brachte an der WM im Viererbob in Altenberg nur einen Lauf runter.

Simon Friedli brachte an der WM im Viererbob in Altenberg nur einen Lauf runter.

Matthias Schrader/AP

Nachdem er eine Woche zuvor im Zweierbob als Vierter knapp an der Bronzemedaille vorbeigeschrammt war, stürzte Simon Friedli am vergangenen Samstag im zweiten Lauf der Viererbob-WM. «Bis auf ein paar blaue Flecken geht es allen gut. Es ist nichts Schlimmes passiert», kann der Derendinger Pilot beruhigen.

Davor lief noch alles wie gewünscht. Friedli fuhr im ersten Lauf die neuntbeste Zeit. «Es waren zwei, drei Fahrfehler drin. Doch wir starteten zum ersten Mal in dieser Konstellation. Gregory Jones ist auf dieses Rennen von einer Verletzung zurückgekommen. Deshalb können wir sehr zufrieden sein mit dem ersten Lauf, das hat gepasst.»

Dann kam der verhängnisvolle zweite Lauf. Der Start und die Fahrt seien besser gewesen als im ersten. Bis zur Kurve 15. «Es hat mir das Vorderboot weggenommen. Ich dachte trotzdem, dass es passt, doch wir waren zu hoch. Und mit diesem schweren Gerät kann man nicht mehr reagieren», schildert er.

Der Bob kippte bei gut 120 Stundenkilometern. Die Crew schlitterte die letzten Meter ins Ziel. Friedli zeigt sich in erster Linie überrascht vom Sturz. Er hatte nicht damit gerechnet, dass der hintere Teil des Bobs so hoch in der Kurve lag. «Während des Fallens dachte ich nur, was ist jetzt genau passiert? Erst die Analyse hat dann gezeigt, dass das Vorderboot weggerutscht ist», sagt er.

Die Rutschpartie sei alles andere als gemütlich gewesen, aber die Situation zum Glück auch nicht brenzlig. «Wir konnten im Ziel rasch aussteigen und den Bob halten.» Ein erfahrener Pilot hätte den Sturz vielleicht noch verhindern können, merkt Friedli an.

Diese Erfahrung fehlt ihm in seiner ersten Weltcup-Saison noch. Erschwerend kam hinzu, dass in der ersten Saisonhälfte wegen Corona keine Viererbob-Rennen stattfanden. «Wir konnten nur sehr wenige Fahrten machen im Vierer. Erst Ende Jahr in St. Moritz hatten wir wirklich die Gelegenheit zu trainieren.»

Trotz verpatzter WM fällt sein Saisonfazit, auch was den Viererbob angeht, positiv aus. «Es gab Hochs und Tiefs, aber insgesamt ist die Saison sehr gut gelaufen.» Auch von der WM könne das Team Positives mitnehmen: «Bei den Starts waren wir bei den Leuten. Und wenn es fahrerisch passt, können wir mit den Besten mithalten.» Friedli denkt, dass es ohne Unfall für die Top 10 gereicht hätte. «Das ist natürlich rein hypothetisch, aber mit dem, was wir am Start gezeigt haben und wenn wir nochmals zwei Fahrten so runtergebracht hätten, wären die Top 10 möglich gewesen.»

Die erste Weltcup-Saison ist für den 29-Jährigen gelaufen. Eine Pause kann er sich trotzdem noch nicht gönnen. Ab heute ist er wieder in St. Moritz im Training. Kommende Woche stehen noch die Schweizer Meisterschaften an. Im Zweier holte er 2019 schon einmal den Titel. Das Podest ist denn auch das Minimalziel von Simon Friedli. «Wir werden voll angreifen. Das gilt auch für den Vierer, aber da müsste alles passen.»

Nachwehen aufgrund des Sturzes gibt es nicht: «Es war ein kleiner Fahrfehler und nicht so schlimm. Und es passierte an einer Stelle, an der ich nie Probleme hatte in den Testfahren. Deshalb hat mich der Sturz nicht mehr lange beschäftigt.»