Balsthal
Bleibt die Klus in Balsthal ein Fetisch-Mekka?

300 Fetisch-Anhänger leben seit einem Jahr in der «Schaltzentrale» in der Industriezone Klus in Balsthal ihre Neigungen aus. Nicht alle sind von diesem «prickelnden» Angebot begeistert.

Erwin von Arb
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Solothurner Zeitung

Seit September 2008 ist die «Schaltzentrale» in der Industriezone Klus in Balsthal in der regionalen Musik- und Partyszene eine feste Grösse. Allerdings nicht nur in dieser Szene, wie ein in der letzten Woche im Gratisanzeiger «Wuchedonner» geschaltetes Inserat offenbarte. Darin wurde unverblümt für die nächste «erotikgeladene» Fetischparty in der «Schaltzentrale» Werbung gemacht.

Erwartet werden gemäss Inseratetext 200 bis 300 Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Schweiz und dem umliegenden Ausland. Zielpublikum sind Paare, wie der Text weiter verrät. Die Organisatoren sprechen von einem prickelnden Gefühl, «... wenn ihr beide in ungezwungener Atmosphäre erotisch tanzt, lustvoll mit euch oder (wenn ihr wollt) mit anderen Paaren spielt, experimentiert und eurer Fantasie freien Lauf lässt». Der Beschreibung nach dürften an diesen Partys also auch Anhänger der Swinger-Szene auf ihre Kosten kommen.

Kein Einlass mit Alltagskleidern

Wie es sich für einen schweizweit operierenden Fetisch-Klub gehört, wird nur Leuten mit stilechtem Outfit Eintritt gewährt. Gummi, Lack, Leder, Latex oder Sexy-Dessous sind Pflicht, Lederhose und T-Shirt genügen nicht. Damit die Gäste nicht in solchen Outfits anreisen müssen, wird an den Partys jeweils eine Umziehmöglichkeit mit bewachter Garderobe angeboten.

Im Gegenzug stellt sich indessen die Frage, weshalb der Vermieter der «Schaltzentrale», Beat Vonhuben, überhaupt solch einschlägige Partys in seinem Lokal durchführt? Auf Anfrage erklärt er, dass solche Fetisch-Partys mittlerweile seit rund einem Jahr einen festen Platz in der «Schaltzentrale»-Agenda haben.

Die Fetisch-Party am letzten Wochenende mit 180 bis 200 Gästen war seit Anfang 2010 insgesamt bereits die siebte ihrer Art, wie Vonhuben erwähnt. Dass es bei den Partys mitunter auch zu sexuellen Handlungen kommt, stört Vonhuben nicht. «Alle machen freiwillig mit, niemand wird zu etwas gezwungen.» Primär gehe es aber um die Präsentation der neusten Lack- und Lederkostüme. Dabei stehe vor allem die Erotik und nicht der Sex im Vordergrund, versichert Vonhuben.

Zivilisiert und gut verdienend

Die Kundschaft beschreibt der Hallenvermieter als sehr zivilisiert und gut verdienend. Davon zeugten die jeweils teuren Karossen auf dem Parkplatz. Das Alter der Partygänger bewegt sich zwischen 35 und 70 Jahren. In der Fetisch-Szene verkehrten viele Banker oder Leute in Kaderpositionen, weiss Vonhuben. Entsprechend ordentlich sähen die Räumlichkeiten der «Schaltzentrale» nach den Partys aus, wie Vonhuben bestätigt. «Alles lief super, es gab nicht die geringsten Schwierigkeiten», so der 40-Jährige.

Dass sich die Fetisch-Szene in der Klus fast unbemerkt von der Öffentlichkeit eingenistet hat, gefällt Gemeindepräsident Willy Hafner nicht. Balsthal kämpfe seit Jahren gegen das Image, eine Rotlichtgemeinde zu sein. Aus diesem Grund sieht Hafner denn auch keinen Spielraum, wenn es um Erotik- oder Sexgeschäfte geht. «Ich werde mich mit Nachdruck dafür einsetzen, dass diese Szene wieder aus dem Dorf verschwindet. Wir dulden keine solchen Entwicklungen.»

Hafner denkt dabei auch an die Industriezone Klus, deren Wachstum durch solche Veranstaltungen gefährdet werden könnte. «Wir werden uns in den nächsten Tagen mit Beat Vonhuben zusammensetzen. Er soll uns erklären, was da wirklich abgeht.» Auch einen Entzug der Betriebsbewilligung schliesst Hafner nicht aus. «Wir werden die Modalitäten genau unter die Lupe nehmen.»

«Grauzone, aber nicht illegal»

Beat Vonhuben versteht die ganze Aufregung nicht, schliesslich komme ja niemand zu Schaden. «Ich finde solche Partys eine absolute Bereicherung», meint er darauf angesprochen. Er verweist ferner darauf, dass im Kanton offenbar mit verschiedenen Ellen gemessen wird. Der bei ihm eingemietete Fetisch-Klub habe nämlich die letzten fünf Jahre auch im inzwischen abgerissenen «Metro» in Olten solche Partys durchgeführt. «Da hat kein Hahn danach geschrien», findet Vonhuben.

Im Raum Solothurn sei es viel schwieriger, geeignete Lokalitäten aufzutreiben, diese Erfahrung habe man inzwischen gemacht. Die fraglichen Fetisch-Partys bewegten sich zwar in einer gewissen Grauzone, seien aber nicht illegal, hält Vonhuben fest. «Hier geht es ganz klar nicht um Prostitution, alles läuft, wie bereits erwähnt, auf freiwilliger Basis ab, Gleichgesinnte haben Spass miteinander.»

Polizei hat keine Handhabe

Vonhuben dürfte mit seiner Einschätzung richtig liegen, wie Bruno Gribi, Mediensprecher der Kantonspolizei Solothurn, auf Anfrage erklärt. «Wenn die Leute freiwillig an solchen Veranstaltungen mitmachen, haben wir keine Handhabe. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob zwei oder 200 Personen daran teilnehmen.»

Ob das den Balsthaler Behörden genügt, um nicht einzuschreiten, wird sich noch zeigen. Die nächsten Fetisch-Partys in der «Schaltzentrale» sind auf jeden Fall schon aufgegleist. Die Klus soll gemäss dem eingangs erwähnten Inserat bereits am 26. März wieder zum schweizweiten Treffpunkt für Lack-, Leder-, Gummi- und Latexliebhaber werden. Eine weitere Neuauflage ist in der «Schaltzentrale» am 28. Mai geplant.