Eigentlich sei das doch jedes Jahr das Gleiche, sagt ein Besucher am Märet-Fescht. Und eigentlich hat er nicht unrecht. Wie immer drängen sich in der Solothurner Altstadt unzählige Besucher vor die Marktstände und Bars. Wie immer strömt der verlockende Duft kulinarischer Köstlichkeiten durch die Gassen. Musik gibt es an jeder Ecke – wer sich geschickt platziert, kommt in den Genuss von vier verschiedenen Musikrichtungen auf einmal.

Je weiter sich die Nacht vom Sonnenuntergang und der Alkoholanteil im Blut von seinem natürlichen Nullpunkt entfernt, umso lockerer werden die Hüften geschwungen – und umso loser wird das Mundwerk. Am Kronenstutz brüllt ein Security-Mann gerade einen Teenager an, während ein offensichtlich in das Gezanke verwickelter junger Herr lautstark über die Frage philosophiert, in was für einer Stadt wir denn eigentlich leben. Alles wie immer.

Bei näherem Hinsehen fällt aber auf, dass da – nebst der gesperrten St. Ursentreppe – doch ein kleiner Unterschied zu den Vorjahren besteht. «Für 16- bis 23-Jährige: Kein Alkohol ohne Bändeli», steht auf einem Plakat an der Kreuzackerbrücke. Das ist freilich etwas übertrieben, denn die Papierarmbänder sind optional. Wer jung aussieht, kann bei einem von Vereinen und Zünften betriebenen Posten am Stadtrand den Ausweis zeigen und kriegt dafür ein Bändeli: ein gelbes ab 16 Jahren, ein blaues ab 18. «So muss man an den Bars nicht immer wieder die ID hervorholen», erläutert Mile Radoš, der seit 18 Uhr mit einigen Kollegen vom Rugby-Club Solothurn an der Brücke steht. Die Resonanz sei gut, fügt Marius Nydegger an. «Die Leute lesen das Plakat und kommen auf uns zu.» Claudia Kovalik von den «Muttiturmbiisser» ist skeptischer: «Manche Jugendliche gehen an uns vorbei und finden, sie brauchen das nicht. Aber an den Ständen werden sie merken, dass es mit einem Bändeli einfacher gewesen wäre.»

Etwas weiter, am Kronenstutz, steht eine Gruppe von Jugendlichen. Zwar ohne Bändeli an den Armen, dafür mit Wodkaflaschen in den Händen. Den Alkohol haben sie im Laden gekauft, weil ihnen die Preise an den Bars zu hoch sind – aber auch, weil sie Spirituosen an den Ständen gar nicht legal erwerben könnten. «Die Bändeli wären ja eigentlich eine gute Sache», gibt ein Mädchen der Gruppe zu. «Aber wenn man ein gelbes Bändeli kriegt und damit nur Bier kaufen kann, obwohl man eigentlich Lust auf ein Gummibärli hätte, dann kommt das Bändeli halt in die Quere.»

Charme, soziale Beziehungen und Aussehen

Den Alkohol ausserhalb des Märet-Feschts zu erwerben ist aber nicht der einzige Weg, das System zu umgehen, wie eine junge Frau mit blauem Armband in der «Radio 32»-Arena erzählt. Sie kenne Leute, die trotz noch nicht erreichter Volljährigkeit ein blaues Bändeli erhalten haben. Es scheint so, als seien Charme, soziale Beziehungen und gutes Aussehen dabei wichtige Faktoren.

Blaues Armband hin, gelbes Band her, Michael Brüderli von der «Suteria» betrachtet das Ganze kritisch: «Das Konzept hat sicher eine Präventiv-Wirkung. Ich bezweifle aber, dass man bei einem grossen Ansturm im Eifer des Gefechts immer kontrollieren kann.» An der mexikanischen Bar der «Suteria» seien die Bändeli aber ohnehin kein grosses Thema, denn hier habe man ein etwas älteres Publikum, beobachtet Brüderli, den Sombrero tief ins Gesicht gezogen. Anders in der «Radio 32»-Bar: «Wir müssen häufig Alterskontrollen machen», sagt Elena Günther. «Viele Leute wissen gar nicht, woher sie die Bändeli kriegen. Ausserdem kommt man ja auch ohne aufs Festgelände. Also müssen wir an der Bar die Ausweise verlangen. Das ist zwar mühsam, aber es ist uns sehr wichtig.»