Selzach

Bis es ruhiger wird, ist noch Lärm zu ertragen

206 Meter lang werden die Lärmschutzwände in Selzach

206 Meter lang werden die Lärmschutzwände in Selzach

In Selzach wird gebaut, wie an so vielen Streckenabschnitten der Schweizerischen Bundesbahnen. Nicht an den Schienen oder den Strommasten, sondern wenige Meter daneben an der Böschung. Lärmschutzwände sollen hier entstehen.

Die Sirene heult, orange Lichter blinken. Ein Zug kommt. Schnell bewegen sich die vier Bauarbeiter mit Schutzhelm und leuchtender Weste von den Schienen weg. Wenig später braust ein Intercity-Neigezug der SBB mit Tempo 120 über die Brücke und verschwindet Richtung Grenchen am Horizont. In Selzach wird gebaut, wie an so vielen Streckenabschnitten der Schweizerischen Bundesbahnen. Nicht an den Schienen oder den Strommasten, sondern wenige Meter daneben an der Böschung. Lärmschutzwände sollen hier entstehen, aus Holz, über der Brücke aus Aluminium, 206 Meter lang. Die SBB haben vom Bundesamt für Verkehr die Auflage erhalten, landesweit die Lärmemissionen zu senken. Sie tut dies mit neuem Rollmaterial und lärmschluckenden Wänden. Doch bis es soweit ist, müssen die Anwohner gleich an der Strasse nach Altreu erst einmal Lärm ertragen.

Mit Mikropfählen befestigen

Seit Oktober sind ein Polier und drei Mitarbeiter damit beschäftigt, die Fundamente am Damm zu erstellen. Sondagen und Bohrungen ergaben einen lockeren Boden, deshalb kommen Mikropfähle zum Einsatz, auf denen die Lärmschutzwand fundiert wird. Ein Schreitbagger, der schräg am Hang arbeiten kann, bohrt diese Pfähle in die Erde, bevor sie mit Zement fixiert werden. Darauf sollen später Sockelbrett, Pfahlkopf, Stütze, Sockel- und Wandelelement kommen, bevor Holz in die Stützen eingesetzt wird. Ein komplexes Verfahren, das Zeit und viel Geld kostet. In Selzach beläuft sich der kurze Streckenabschnitt auf 1,1 Mio. Franken. Obwohl meist Beton, Glas oder Aluminium als Schutzwände dienen, greifen die Architekten hier mehrheitlich auf Holz zurück. «Wegen der ländlichen Gegend», sagt Projektleiter Tibor Gfeller.

Ruhe für Mensch und Reptil

Sowieso senken die Bauarbeiter nicht irgendwelche Wälle in den Boden, denn das Endprodukt soll nicht nur akustisch, sondern auch optisch überzeugen. Stützen werden mit Holz abgedeckt, die Böschung mit zehn Steinkörben versehen – als ökologischer Ausgleich. Hier sollen sich bald Reptilien heimisch fühlen können, genau wie nach den Bahnbauarbeiten in Grenchen. Wieder heult die Sirene, zwei Arbeiter steigen den Erdwall runter und schon jagt der nächste Zug vorbei. Ein Anwohner schaut gelassen dem Treiben zu, grüsst den vorbeigehenden Gfeller. Man kennt sich nach den ersten Wochen. Eine ältere Frau schiebt einen Kinderwagen über die Strassenkreuzung, Kinderaugen blicken zum Bagger hoch. Baustellen lärmen nicht nur, sie können auch faszinieren.

Passiert ist schnell etwas

Seit drei Jahren ist Gfeller mit dem Lärmschutz-Projekt der SBB beschäftigt. Von Olten her kommend sind nun Solothurn, Selzach, Grenchen und Lengnau an der Reihe. Der weitere Streckenabschnitt liegt dann eigentlich in den Händen der Lausanner, doch der Übergang sei eher fliessend. «Wenn wir in Olten Kapazitäten haben, helfen wir auch bis Biel», sagt er, der die Sicherheit auf seiner Baustelle grossschreibt. Denn passiert ist mit Spitzentempi der Züge bis 140 Stundenkilometern schnell etwas. So ist immer ein ausgebildeter Sicherheitschef vor Ort.

Dem guten Wetter sei Dank

In Selzach werden die Bauarbeitnen am 2. Dezember abgeschlossen sein, bisher sind die Arbeiten im Zeitplan – auch dank des beständigen Wetters: Kein Regen hält das Betonieren auf, kein Frost lässt das Wasser in den Schläuchen gefrieren. Zudem können die SBB tagsüber arbeiten, ein weiterer Vorteil, denn nachts sind die Intervalle kürzer, die Leistungen nehmen ab. Und dann ist da noch die Nachtruhe. Für Gfeller sind die Lärmschutzwände ein «angenehmes Projekt». Die Anwohner seien aufgeschlossen, «denn sie sehen, dass wir etwas für sie bauen.»

Bis es neben den Schienen deutlich ruhiger wird, dauert es noch eine Weile. Wer die Baustelle besichtigen will, findet sie sofort, die Leuchtsignale sind nicht zu übersehen. Und die Sirene heult regelmässiger, als die Glocke im Kirchturm schlägt.

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