Als die jungen Coiffeusen begannen, aus ihren Koffern diverse «Ersatzteile» auszupacken, hatte der Höhepunkt des 42. Solothurner Lehrlingsfrisierens begonnen. Dank einer Unzahl Haarnadeln, den extra grossen Spraydosen und vielen «Donuts» türmten sich die Frisuren mancher Models bis zu 30 Zentimeter in die Höhe. Zusammen mit unglaublich langen, falschen Wimpern, dem festlichen Make-up und den Gala-Roben verbreitete sich im Landhaus ein unvergleichlicher Glanz und Glamour. Und für alle, die nicht vom Fach sind: Diese Donuts haben keinen Zuckerguss und sind auch nicht essbar: Es handelt sich dabei um die luftig leichten Gebilde, auf welche die Haare gesteckt werden, damit die Frisuren Volumen in ganz überraschenden Dimensionen bekommen können.

Schon um 11 Uhr hatte sich das Landhaus in ein Bienenhaus verwandelt. Zunächst zeigten die Lernenden im 1. Jahr beim modischen Brushing ihr Können. Es folgte der Haarschnitt des 2. Lehrjahres, gefolgt vom Brushing. Nach den Präsentationen füllten sich die Zuschauerreihen mit den Models, sodass am Nachmittag, als das 3. Lehrjahr seine Fähigkeiten unter Beweis stellte, der ganze Saal voller «Hingucker» war: Während die Jungen mit Exotik und Extravaganz aufwarteten, glänzte die Generation der Geschäftsinhaber und Coiffeur-Meisterinnen mit edler Eleganz.

«Frisur muss zur Person passen»

Die Solothurner Sektion des Verbandes «coiffeursuisse» steht als Dachorganisation über der «(H)aarewelle». Entsprechend gross ist die Beachtung, die der traditionsreiche Anlass geniesst. Damit die Bewertung der Frisuren auch immer fair und gerecht erfolgt, werden auswärtige Juroren engagiert. «Wir schauen einerseits auf die Harmonie, denn die Frisur muss zur Person passen, und die Proportionen müssen stimmen», erklärte die Bernerin Melanie Scheidegger. «Dann ist es aber auch wichtig, dass exakt gearbeitet wurde, dass zum Beispiel die Spitzen kein Durcheinander bilden.»

«Heute ist die Gelegenheit, die künstlerische Fantasie auszuleben», beschrieb Peter Kräuchi vom Organisationskomitee den Wettbewerb. Es gehe nicht darum, sich zu besiegen, sondern, sich zu Höchstleistungen zu beflügeln. «Die Lernenden geniessen alle Freiheiten, sie sollen ihre künstlerische Freiheit ausleben. Die Abschlussprüfung war die Pflicht, dies ist die Kür – alles ist erlaubt und möglich.»