Wangen bei Olten
Bergwerk der Jungsteinzeit in unberührtem Zustand

Archäologen stiessen an der Dorfstrasse auf einzigartige Funde. Während mehrerer tausend Jahre bauten unsere Vorfahren im Gebiet «Chalchofen» an der Gemeindegrenze zwischen Wangen und Olten Silex ab.

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Felsspalte, die zu einem Schacht ausgeweitet wurde, der bis auf die Silex-führende Schicht hinunterführt. zvg Felsspalte, die zu einem Schacht ausgeweitet wurde, der bis auf die Silex-führende Schicht hinunterführt. zvg Felsspalte, die zu einem Schacht ausgeweitet wurde, der bis auf die Silex-führende Schicht hinunterführt. zvg

Felsspalte, die zu einem Schacht ausgeweitet wurde, der bis auf die Silex-führende Schicht hinunterführt. zvg Felsspalte, die zu einem Schacht ausgeweitet wurde, der bis auf die Silex-führende Schicht hinunterführt. zvg Felsspalte, die zu einem Schacht ausgeweitet wurde, der bis auf die Silex-führende Schicht hinunterführt. zvg

Solothurner Zeitung

Vor rund einem Jahr wurde bei einem Garagenneubau am Kalchofenweg 10 in Olten ein weitverzweigtes, labyrinthartiges Stollensystem entdeckt und archäologisch untersucht (wir berichteten). Dieses war allerdings durch verschiedene ältere und neuere Bauarbeiten bereits stark zerstört. Aufgrund eines geplanten Wohnhausbaus hat die Kantonsarchäologie Solothurn nun die einmalige Gelegenheit, an der Dorfstrasse in Wangen ein jungsteinzeitliches Silexbergwerk in unberührtem Zustand freizulegen. Kommenden Sonntag hat die Bevölkerung Gelegenheit, die Ausgrabung zu besichtigen.

Während mehrerer tausend Jahre bauten die Menschen der Jungsteinzeit (6000–2000 vor Chr.) im Gebiet «Chalchofen» an der Gemeindegrenze zwischen Wangen und Olten Silex (Feuerstein) ab. Dieser wurde später verhandelt und zu scharfkantigen und spitzen Gebrauchsgegenständen wie Werkzeugen und Waffen weiterverarbeitet.

Höhleneingänge ins Stollensystem

«Die neue Ausgrabungsstätte brachte bis anhin mehrere, in das Stollensystem hinein führende Höhleneingänge zutage», so Grabungsleiter Christoph Lötscher. In flachen, niedrigen Gängen beuteten die neolithischen Bergleute die Schicht mit den gesuchten Feuersteinknollen aus. Sie konnten dabei kaum mehr als kriechen und hatten keine anderen Werkzeuge als Steine, Holz und Geweihstangen, um den anstehenden Kalksteinfelsen zu brechen.

Zusätzlich zu diesen flachen Höhleneingängen am Fusse der zwei bis drei Meter hohen Felswand legten die Archäologen oben auf dem Felsen mehrere enge Spalten und Schächte frei, mit denen die neolithischen Bergleute von oben durch den anstehenden Kalksteinfelsen hindurch zur gesuchten Silex-Schicht hinunter gelangten. «Spektakulärster Befund ist ein rund drei Meter tiefer Schacht, der durch den anstehenden Kalksteinfelsen bis auf die Silex-führende Schicht hinuntergetrieben wurde», erklärt Kantonsarchäologe Pierre Harb. Dabei machten sich die neolithischen Bergleute eine natürliche Felsspalte zunutze, welche sie zu einer ovalen, 40x60 Zentimeter breiten Öffnung ausweiteten.

Oben auf dem Felsen wurde zudem ein Schlagplatz entdeckt, an dem die aus dem Felsen gewonnenen Silex-Knollen zum ersten Mal grob bearbeitet wurden. Werkstattabfall aus Tausenden von Silex-Splittern und einige wenige Gebrauchsgegenstände zeugen von der Arbeit der damaligen Werkzeugmacher und Handwerker.

Feuerstein-Lieferant der Schweiz

Der Oltner Urgeschichtsforscher Theodor Schweizer hatte bereits in den 1920er-Jahren aufgezeigt, dass die Gegend «Chalchofen» zwischen Wangen und Olten einer der wichtigsten steinzeitlichen Lieferanten von Feuerstein in der Schweiz war. Dies wird nun durch die zahlreichen Funde und Befunde der Kantonsarchäologie Solothurn zusätzlich unterstrichen. «Das Feuerstein-Bergwerk «Chalchofen» ist ein bedeutender Befund für die Schweizer Archäologie», so Harb, da mit jenem von Löwenburg/Pleigne im Kanton Jura erst ein einziges Silex-Bergwerk der Schweiz wissenschaftlich untersucht worden sei. Kürzlich durchgeführte Prospektionen und Sondierungen im Gebiet der Lägern im Kanton Zürich hätten zwar ebenfalls den Nachweis von grossräumigem Silex-Abbau in der Jungsteinzeit erbracht, förderten aber laut Harb keine so spektakulären Befunde wie in Wangen bei Olten zutage. (sks, mz)

Tag der offenen Ausgrabung: Sonntag, 9. Januar 2011, 11 bis 16 Uhr, Wangen bei Olten, Dorfstrasse 255, Bus Nr. 1, Haltestelle Chalchofen, 200 m weiter in Fahrtrichtung bis Wangen bei Olten (keine Parkplätze vorhanden).