Es stinkt. Süsslich, widerlich, zum «chötzerig» werden. Plastik, Pneus und allerhand halb Vergorenes, halb Verwestes. Kadaver vielleicht? «Wir haben eine Zeitung von 1973 gefunden.» Was für Martin Brehmer, Leiter Abteilung Boden im Amt für Umwelt, nur bestätigt, was er schon lange weiss: Hier im jüngsten Abschnitt des Stadtmists, im «Oberen Einschlag», wurde bis 1976 der gesamte Ghüder der Stadt Solothurn auf eine Lehmschicht gekarrt.

So entstanden 150 000 Quadratmeter Stadtmist, ausgehend vom Gebiet «Unterhof», dem ältesten Teil, über das «Spittelfeld», bis zum «Oberen Einschlag», wo jetzt Erdhaufen wie von Riesenmaulwürfen von den aktuellen Untersuchungen der Deponie zeugen. «Grauenhaft», findet auch Brehmer den Gestank und merkt an: «Wir sind etwas ratlos.» Denn derart stinkende Haufen aus dem rund drei Meter tiefen Baggerschlitz hatte man offenbar nicht erwartet.

Keine Prognose zur Wasserstadt

Hier soll die neu konzipierte Aareschlaufe mit den 600 Wohneinheiten der Wasserstadt am Nordufer entstehen (wir berichteten). Doch nur, wenn zuletzt eine Strategie der totalen Entsorgung gefahren werden kann. Prognosen dazu gibt Martin Brehmer keine ab. Nur soviel: «Es ist nicht gesagt, dass man alle Deponieteile gleich behandelt.»

Die älteren Teile seien problematisch wegen der dort festgestellten Schwermetalle, die neueren wegen der organischen Schadstoffe. Jedenfalls ist eine ganze Reihe Unternehmen beauftragt, die verschiedenen Untersuchungen vorzunehmen. «Die Bäche werden beprobt, wir befassen uns mit dem Grundwasserproblem, es gibt Rammkern-Sondierungen zum Feststoffproblem und eine ganze Reihe so genannter MIP-Sondierungen. Damit erhalten wir ein Tiefenprofil von bis zu 20 Metern.»

200 Millionen Franken

Auf die Tiefe der Verunreinigungen angesprochen meint Brehmer: «Es gibt Anzeichen von gewissen Schadstoffablagerungen auch unterhalb der Lehmschicht.» Doch werde die vorgesehene Aareschlaufe neu 6 Meter tief ausgehoben, «und dort unten gibt es kein belastetes Material mehr. Solches könnte man dann auch aufschütten.» Nicht möglich wäre aber nach Brehmers Ansicht eine Wasserstadt auf dem Stadtmist: «Ein Haus auf einer Deponie kann man nicht verkaufen.»

Weit über 200 Mio. Franken könnte eine von den Wasserstadt-Initianten erhoffte und angestrebte Rundumentsorgung kosten, mit einer Kostenfolge für die Abfallfonds von Bund und Kanton, aber auch den Verursacher, die Stadt Solothurn. Umso gründlicher nimmt man die ganze Entscheidungsfindung bei den Amtsstellen unter die Lupe.

Warum erst 2013

«Ursprünglich war tatsächlich vorgesehen, die Detailuntersuchung bis Ende 2012 abgeschlossen zu haben. Aus diversen Gründen wurde im Verlauf der Planung als neuer realistischer Termin Ende 2013 festgelegt», so Martin Brehmer. So habe man festgestellt, dass die notwendige Einbindung des Bundesamts für Umwelt (BAFU) in den Prozess anfangs zeitlich zu wenig berücksichtigt worden sei.

Zudem hätten die Planungsarbeiten für die Detailuntersuchung mitsamt den Bewilligungsschritten beim Amt für Umwelt des Kantons und dem Bundesamt für Umwelt mehr Zeit in Anspruch genommen, so dass sich bereits der Start der Feldarbeiten um mehr als ein halbes Jahr verzögerte.

«Wohl doch etwas ambitiös»

«Im Verlauf der Planung hat sich dann auch gezeigt, dass für eine fundierte Beurteilung der Situation eine einjährige Messperiode in den jetzt neu erstellten Messstellen unabdingbar ist. All dies hat zum neuen Termin von Ende 2013 geführt», erklärt Brehmer weiter. Und räumt ein: «Die ursprüngliche Planung war wohl doch etwas ambitiös.»

Ambitiös sind auch die Pläne von Ivo Bracher, VR-Präsident der Wasserstadtsolothurn AG: In vier, fünf Jahren könnte das erste Haus der Wasserstadt gebaut werden, «sofern der politische Wille da ist», hatte Bracher vor Wochenfrist erklärt. Damals war vom neuen Termin Ende 2013 für den Abschluss der Stadtmist-Untersuchungen noch keine Rede gewesen. Doch für Martin Brehmer ist klar: «Dann wissen wir, was zu tun ist!»