Kaum Krisensymptome bei den Sommerferien», titelte der Schweizer Reisebüroverband letzte Woche eine Mitteilung zu einer Umfrage bei seinen Mitgliedern. Insgesamt verzeichne man «mehr Kunden, aber leicht geringere Umsätze», heisst es. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Ferienhungrigen von sich aus billigere Angebote suchen. «Sie bekommen einfach ihre bevorzugte Destination zu einem noch attraktiveren Preis als letztes Jahr», erklärt Erika Haag, Leiterin des asm-Reisebüros in Langenthal.

Freie Plätze in der Ägäis

Die klassischen Badeferienangebote wie Südtürkei oder Kanarische Inseln seien nach wie vor gut gebucht, teilweise gar ausgebucht, sagt Haag. Im Gegensatz zu den Deutschen seien die Schweizer auch Griechenland und den griechischen Inseln treu geblieben. Und weil die Deutschen kaum mehr nach Griechenland reisen, gibts für Schweizer auch jetzt noch freie Plätze in der Ägäis. In der Türkei haben hingegen einzelne Hoteliers aufgrund der grossen Nachfrage die Preise erhöhen können.

Bei den Ferndestinationensind wie schon letztes Jahr die USA im Trend. «Man kann fast von einem Run sprechen», meint Heinz Schachtler vom Reisebüro Travellino in Solothurn, denn die Buchungen hätten nochmals zweistellig zugelegt. Das freut die Reisebüros, denn grosse Rundreisen in Übersee erlauben den Anbietern auch eine angemessene Wertschöpfung. Auf ansprechendem Niveau stabil geblieben sei das Asiengeschäft.

Italien und Spanien als Gewinner

Bei den Badeferien im Sommer kann Schachtler ferner Spanien und Italien als Gewinner erkennen. Überhaupt seien die Euro-Destinationen für Schweizer zum Teil extrem preiswert. «Manche grossen Anbieter waren sehr geschickt bei der Absicherung des Euros. Sie haben Verträge noch letztes Jahr zur 1-zu-1-Parität abgeschlossen und können die Währungsvorteile an die Kunden weitergeben.» Insgesamt zeigt sich Schachtler mit der Buchungssituation «sehr zufrieden». Sogar Ägypten habe wieder zulegen können, wenn auch auf tiefem Niveau. Das Rote Meer gilt als Herbstferien-Destination, weil es vielen dort im Sommer zu heiss ist. «Und Schweizer machen ihre grossen Ferien hauptsächlich im Herbst», ruft Erika Haag in Erinnerung. Im Sommer bleibe man tendenziell zu Hause und unternehme bei schönem Wetter Ausflüge im Inland.

Wie wärs deshalb mit einem Trip in den Norden? «Sehr gern», sagt sinngemäss Roland Gertsch vom Reisebüro Vasellari in Solothurn. Denn Rundreisen in Skandinavien verzeichneten zurzeit ebenfalls gute Buchungszahlen. Auf breiter Front entdeckt wird zurzeit Island, und die «Hurtigruten», das legendäre norwegische Postschiff mit Kreuzfahrt-Qualitäten, ist dem Geheimtipp-Status schon längst entwachsen. Bei den Badeferien verweist Gertsch auf die klassischen Mittelmeer-Destinationen. Mit Ausnahme von Tunesien seien alle gut nachgefragt. Auch Gertsch ist somit mit dem Buchungsverlauf bisher zufrieden. «Wenn es so bleibt, gibt es ein gutes Jahr.»

Trend zum Frühbuchen setzt sich fort

Die Reisebüro-Vertreter bestätigen ferner, dass sich der Trend weg vom Last-Minute-Angebot hin zum Frühbuchen fortsetzt. «Die Frühbuchungsrabatte waren dieses Jahr beträchtlich», meint Heinz Schachtler. Laut Schätzung des Verbands beträgt zudem der Anteil der Online-Buchungen zwischen 10 und 16 Prozent, Tendenz steigend. Erika Haag von asm macht das noch kein Bauchweh. «Ich stelle fest, dass immer wieder Kunden nach schlechten Erfahrungen im Internet zur persönlichen Beratung zurückkehren.» Vielen sei das Buchen im Internet auch zu kompliziert.

Einen weiteren Vorteil der Buchung über das Reisebüro nennt Heinz Schachtler: «Die Reisenden sind gegen Konkurse von Airlines geschützt, denn die Branche hat für diese Zwecke einen Finanzausgleich.» Die Gefahr sei zurzeit real, seien doch allein dieses Jahr schon mehrere Carriers Konkurs gegangen. Die teilweise ruinöse Konkurrenzsituation verbunden mit volatilen Preisen für Flugbenzin forderten ihren Tribut.