Unglück von Gretzenbach

Bauherr von Gretzenbacher Garage kann sich an kaum etwas erinnern

Einer der Angeklagten (rechts) wird in den Gerichtssaal gebracht

Einer der Angeklagten (rechts) wird in den Gerichtssaal gebracht

Im Strafprozess zum Deckeneinsturz in Gretzenbach SO mit sieben toten Feuerwehrmännern haben die vier anwesenden Angeklagten bislang kaum zur Klärung des Unglücks beigetragen. Sie können sich an fast nichts mehr erinnern oder wollen keine neuen Aussagen machen.

Bei den Befragungen vor Amtsgericht Olten-Gösgen SO räumte bislang einzig ein Ingenieur seine Mitverantwortung am Unglück ein. Dagegen konnte sich der Bauherr der 1989 erstellten Überbauung kaum mehr an Einzelheiten erinnern.

"Ich kann das nicht sagen", gab der wegen fahrlässiger Tötung Angeklagte wiederholt zu Protokoll. Er habe sich "nie Gedanken gemacht", weshalb die Decke der Tiefgarage eingestürzt sei.

Der heute 66-jährige Kaufmann hatte das Projekt für die Überbauung "Staldenacker" von einem Architekten gekauft und errichten lassen. Er verkaufte die Anlage 1994 als Stockwerkeigentum.

Der Kaufmann bestritt vor Gericht, 1990 über die festgestellten Risse in der Decke der Tiefgarage und über die zu hohe Erdüberschüttung informiert worden zu sein. Er habe den Brief des Ingenieurbüros nicht gesehen. Der Staatsanwalt wirft ihm vor, von diesen Problemen gewusst und nichts unternommen zu haben.

Betagter Bauführer schweigt

Keine Aussage machte am zweiten Prozesstag der angeklagte Bauführer. Der heute 84-jährige ist schwerhörig. Sein Verteidiger verwies auf dessen Aussagen bei zwei früheren Befragungen durch die Staatsanwaltschaft.

Am Montag hatte ein 58-jährige Ingenieur seine Mitverantwortung zugegeben. So räumte er ein, dass seine Berechnung der Statik der Einstellhalle falsch gewesen sei. Dieser Fehler ist verjährt.

Der Angeklagte hatte 1990 jedoch die zu hohe Erdüberschüttung auf der gesamten Halle kritisiert und Risse in der Betondecke festgestellt. Er war nach eigenen Angaben davon ausgegangen, dass die Missstände behoben wurden. Aber er kontrollierte dies nicht.

In der kommenden Woche wird der Staatsanwalt die Strafanträge für die insgesamt fünf Angeklagten stellen. Beim Einsturz der Tiefgarage waren am 27. November 2004 sieben Feuerwehrmänner ums Leben gekommen. Sie wollten einen Autobrand in der Einstellhalle löschen.

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