Lüterkofen
Bauernstreit in Lüterkofen: Morddrohungen wegen einem Kuhstall

Sie kennen sich von Kindheit an, waren Spielgefährten und haben zusammen die Primarschule besucht. Bis vor rund drei Jahren waren sich die beiden wohlgesonnen. Dies änderte sich, schlagartig als der eine plante, einen Kuhstall zu errichten.

Daniel Rohrbach
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Ein Stall-Neubau lösten in Lüterkofen einen Streit aus, der auf keine Kuhhaut geht.

Ein Stall-Neubau lösten in Lüterkofen einen Streit aus, der auf keine Kuhhaut geht.

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Der eine betreibt in Lüterkofen einen Landwirtschaftsbetrieb mit Milchviehhaltung, der andere bewohnt seit 1994 direkt an der Kuhweide des anderen ein Einfamilienhaus. Bis vor rund drei Jahren waren sich die beiden wohlgesonnen. Doch dies sollte sich schlagartig ändern, als der Landwirt plante, einen neuen Kuhstall zu errichten und sein Nachbar dagegen Einsprache erhob. Der Streit, der wegen dieser Einsprache entbrannte, führte die beiden vorgestern vor das Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt.

Bis zu Morddrohungen

Der Landwirt sah sich mit einer Strafverfügung wegen Nötigung, Drohung und Beschimpfung konfrontiert, nachdem sein Nachbar bei der Polizei gegen ihn Anzeige erstattet hatte. So soll der Landwirt seinem Nachbarn unter anderem gedroht haben, wenn er alleine sei ,werde er ihn erschiessen oder ihm den Hals umdrehen.

Der Landwirt soll auch mehrfach unmittelbar neben der Liegenschaft des Nachbarn Jauche und Mist ausgeführt haben, seinen Kühen absichtlich Glocken angelegt und mehrere Maschinen, Gerätschaften - darunter ein Hühnerhaus - und Brennholz unmittelbar an der Grundstückgrenze seines Nachbarn abgestellt haben. Um seine Vorwürfe zu erhärten, hatte der Nachbar mehrere Fotos geschossen und der Polizei übergeben. Beim Augenschein vor Ort, stand ein ausgedientes Jauchefass direkt an der Grundstückgrenze.

Bäume markieren die Grenze

Der Landwirt hatte auch einige Laub- und Nadelbäume einige Meter vom Gartensitzplatz seines Nachbarn entfernt gesetzt. «Damit ich diesen Menschen nicht mehr ansehen muss», sagte der Landwirt auf die Frage von Amtsgerichtspräsident Ueli Kölliker, warum er die Bäume gepflanzt habe. «Man kann mit ihm nicht reden. Er arbeitet nur mit seinen Anwälten», erklärte der Landwirt weiter. Er habe diese ständigen eingeschriebenen Briefe mehr als satt.

Lieber ein Vergleich als ein Urteil

In einem dieser Briefe verlangte ein Anwalt des Nachbarn einen Grundbucheintrag, wonach auf dem Grundstück weder ein Schweinemaststall noch ein Hühnermaststall zu stehen kommen dürfe. Seine Baueinsprache begründete der Nachbar aber auch mit der Befürchtung, dass seine Liegenschaft entwertet werde. Durch die Machenschaften des Landwirts fühle er sich schikaniert, sagte der Nachbar. «Ich führe diese auf die Einsprache zurück. Er wollte mich so in die Knie zwingen, damit ich die Einsprache zurückziehe.»

Von Schikane oder Provokation wollte dagegen der Landwirt nichts wissen. Schliesslich habe er das Jauchefass auf seinem Grundstück abgestellt, Jauche und Mist müsse er schliesslich ausbringen und an den Beschimpfungen und Drohungen sei nichts Wahres dran.

Nach drei Jahren Krieg ist eine Lösung schwierig

Ob er denn eine Lösung aus der verfahrenen Situation sehe, fragte der Gerichtspräsident den Landwirt. dazu dieser: Er sehe keine. Es sei schwierig, nachdem man drei Jahre «gekriegt» habe. Nach einigem Hin und Her und auch nachdem Gerichtspräsident Kölliker dem Landwirten erklärt habe, dass er besser «fahre», wenn der Strafrichter kein Urteil fällen müsse, einigten sich die Parteien auf einen Vergleich. Der Landwirt verpflichtet sich, die deponierten Waren, Gerätschaften und Bäume zu beseitigen, sowie auf besagtem Grundstück zu ausschliesslicher Rindviehhaltung.

Dazu willigte er einer entsprechenden Dienstbarkeit auf dem Grundstück ein. Der Nachbar verpflichtet sich, eine allfällige Baute nicht weiter zu bekämpfen und die Strafanzeige zurückzuziehen.

Da muht gar das Bundesgericht

Die Baubewilligung des Kuhstalls wurde übrigens kürzlich vom Bundesgericht in Lausanne aufgehoben. Dies nachdem zuvor die Gemeindebehörden und alle kantonalen Instanzen für die Baute grünes Licht gegeben hatten. Dies bedeutet aber noch nicht das endgültige Aus für einen allfälligen Kuhstall. Zurzeit läuft in Lüterkofen-Ichertswil die Ortsplanrevision. Er werde alle Hebel in Bewegung setzen, damit das Grundstück, das jetzt von einer Freihaltezone überlagert wird, nur noch ausschliesslich in der Landwirtschaftszone zu liegen komme, erklärte der Landwirt.