Kapelle Allerheiligen, direkt am Fuss des Juras gelegen, umgeben von Wäldern, Wiesen und Feldern. Natur pur. Es windet, der Himmel ist wolkenverhangen – trotzdem ist die Aussicht auf die Aarelandschaft grossartig. Ein für Nichtgrenchner ziemlich überraschender Fleck in der Industrie- und Uhrenstadt.

Barbara Banga-Schaad hat diesen Treffpunkt für das Gespräch gewählt. «Dieser Ort gibt mir Kraft.»

«Werbung in eigener Sache»

Diese Kraft kann sie gebrauchen im Kampf um den Einzug in den Ständerat. Die 48-Jährige kandidiert als Mitglied der jungen, erst 2010 gegründeten Tierpartei Schweiz, für einen der beiden Solothurner Sitze im Stöckli. Ein chancenloses Unterfangen. Eigentlich weiss Barbara Banga darum, aber ein kleines Fünkchen Hoffnung hat sie trotzdem. Sie lacht herzlich und zählt drei Gründe für ihre Kandidatur auf: «Die vier kandidierenden Herren vertreten die Interessen des Tierschutzes nicht.

Barbara Banga, Ständeratskandidatin der Tierpartei, über ihren Lieblingsort

Warum ist das Ihr Lieblingsort, Frau Banga?

Die Frauen fühlen sich nicht vertreten. Ich kann damit Werbung für die Tierpartei und auch in eigener Sache machen.» Banga kandidiert gleichzeitig auch für den Nationalrat. Ihre Partei verfüge über praktisch keine finanziellen Mittel, und deshalb werde jede Gelegenheit genutzt, um den Bekanntheitsgrad zu steigern, sagt sie ehrlich und offen.

Bruch mit der SP

Die in Lengnau aufgewachsene, ausgebildete Kleinkindererzieherin und Krippenleiterin kann auf eine lange politische Laufbahn zurückblicken. Zwischen 1997 und 2009 sass sie während 12 Jahren für die SP im Solothurner Kantonsrat. «Ich war nach drei Legislaturperioden müde. Ich musste eine Pause einschalten», begründet Barbara Banga heute ihren Rücktritt von der politischen Bühne.

Im Frühjahr 2010 kam es zum Bruch mit der SP, sie gab alle Ämter in der Amtei- und Kantonalpartei ab. Ein Jahr später trat sie aus der Partei aus. Doch davon später.

Für den «Schutz der Schwächeren»

Die Politik liess Banga aber nie los. Im vergangenen Frühling trat sie der Tierpartei Schweiz bei. «Ich kann nicht anders und muss einfach weiterkämpfen. Das ist mein Naturell», begründet sie den Wiedereinstieg. Es brauche für eine bessere Welt mehr Engagement, und dies bedinge auch den aktiven Einsatz in der Politik. Warum aber ausgerechnet für die Tierpartei? «Ich kann mich mit dem Parteiprogramm genauso identifizieren wie mit jenem der SP.» Und inhaltlich seien die Unterschiede gar nicht so gross.

«Es geht um den Schutz für die Schwächeren in unserer Gesellschaft.» Sie engagiere sich generell für mehr Gerechtigkeit. «Dazu gehört auch der respekt- und würdevolle Umgang mit allen Tieren und der Natur. Ich will den Tieren eine Stimme geben.» So gesehen sei die Tierpartei eben keine Einthemen-Partei, sagt sie vehement. «Ich habe in der Tierpartei meine Heimat gefunden. Und mein Herz wird aber auch immer rot schlagen.»

Wie eine rote Ader durchfliesst denn auch das soziale Engagement ihr Leben. Seit 23 Jahren leitet sie die Kindertagesstätte (Kita) in Grenchen. «Über die betreuten Kinder habe ich einen guten Einblick in die unterschiedlichsten sozialen Schichten. Ich weiss, wo die Probleme liegen», meint Barbara Banga. Im Weiteren ist auch der Tierschutz für sie kein Alibi, um in der Öffentlichkeit auftreten zu können. Sie ist langjährige, aktive Präsidentin des Tierschutzvereins Grenchen und Umgebung. Über die Region hinaus bekannt ist sie als Mitgründerin der national ausgerichteten Kinderbuchtage geworden.

Noch viel «berühmter» wurde sie aber als Frau von Grenchens Stadtpräsident Boris Banga, mit dem sie seit 13 Jahren verheiratet ist. Zuletzt unrühmlich. Der so genannte «Internet-Skandal» führte 2009 zu nationalen Schlagzeilen und letztlich zum vollständigen Bruch mit der SP. Sie hatte im Internet Gegner ihres Mannes mit anonymen Kommentaren beleidigt. «Das war ein einschneidendes Ereignis und ein unverzeihlicher Fehler», gesteht sie ein. «Dafür habe ich mich entschuldigt.» Sie habe im Internet die «schlimmsten Sachen» über ihren Mann gelesen und dann «habe ich als Ehefrau zurückgeschlagen», versucht sie, ihr Verhalten zu erklären.

«Die Blonde von Banga»

Zurückblickend hält sie fest, dass sie ihre Stellung als Ehefrau des national bekannten SP-Politikers Boris Banga nie als Vorteil, sondern eher als Belastung empfunden habe. Sie erinnert sich an die Tuscheleien während ihrer ersten Session als Kantonsrätin. «Das ist jetzt also die Blonde von Banga.» Sie sei unter ständiger erhöhter Beobachtung gestanden. Im Nachhinein gewinnt sie dieser Rolle aber auch einen Vorteil ab; sie habe sie stark gemacht. «Ich musste mehr als andere meine Eigenständigkeit beweisen. Ich musste zeigen, dass ich nicht bloss ein Anhängsel meines Mannes bin.»

Vielleicht gründet in dieser Wahrnehmung auch ihre Art, in der Öffentlichkeit anzuecken. Sie polarisiert, spaltet das Publikum klar in Gegner und Befürworter; sei es im Streit um die Führung der Kinderbuchtage, im Kampf für den Wels in der Aare, im Einsatz gegen Sexveranstaltungen wie «Miss Gangbang» oder eben mit der Internet-Affäre. «Ich suche das nicht bewusst und ich leide darunter», meint Barbara Banga. Aber wenn sie Ungerechtigkeit spüre, wolle sie sich wehren. «Das ist wie ein innerer Antrieb.»