Solothurn
Banga: SP-Zugpferd oder Hypothek?

(Gegen-)Angriffe auf SVP-Vertreter lösen im Kanton Solothurn eine Stildiskussion aus. SP-Politiker sprechen über schlechten Stil, gegenseitige Zerfleischung und Verunglimpflichungen in der Solothurner Politik.

Andreas Toggweiler
Drucken
Teilen
SP-Präsidentin Evelyn Borer teilt die Besorgnis über die von Boris Banga eingeschlagene Diskussionskultur.

SP-Präsidentin Evelyn Borer teilt die Besorgnis über die von Boris Banga eingeschlagene Diskussionskultur.

Hanspeter Bärtschi

Mitten im Vorwahlkampf fällt der SP-Präsident von Fulenbach, Willi Bhend, dem SP-Nationalratskandidaten Boris Banga in den Rücken. In einem Leserbrief wirft er ihm schlechten Stil vor. In der Zuschrift im «Oltner Tagblatt» hält der SP-Präsident von Fulenbach dem SVP-Kantonsrat aus Fulenbach die Stange. «Ich glaube Kantonsrat Jäggi, dass er nichts von den Pornos gewusst hat», meint Bhend zu einem Interview von Jäggi, in dem dieser tags zuvor das Angebot seiner Homepage ausführlich verteidigen durfte.

Bhend wirft Banga vor, er übernehme «mit Enthüllungen und persönlichen Angriffen» einen Stil, von dem sich die SP immer distanziert habe. «Ich hoffe, dass dies ein einmaliger Ausrutscher war.» Bhend nimmt zudem Jäggis Link zur einschlägigen Band Böhse Onkels in Schutz. Dass ein rechter Politiker diese Musik vertreibe, sei «nicht wirklich überraschend».

Auch Borer missfällt der Stil

Dass ein SP-Politiker einen Genossen in einem Wahljahr so deutlich tadelt, ist neu; erst recht, wenn es sich um einen potenziellen Nationalratskandidaten handelt. Gegenseitige Zerfleischung ist das, was die arg gebeutelte Partei in einem Wahljahr wohl am wenigsten gebrauchen kann. Parteipräsidentin Evelyn Borer pflichtet dem grundsätzlich bei. «Bei der Kritisierung des Stils muss ich Herrn Bhend allerdings recht geben», meint Borer. «Wir geraten so in ein Fahrwasser, das wir nicht wollen.»

Borer erinnert an die Ständeratswahlen, bei denen man sich – im Gegensatz zu anderen Parteien – persönlicher Angriffe enthalten habe. «Ich wünsche mir, dass dies auch in diesem Wahlkampf so bleibt.» Persönlich will sie Banga allerdings nicht kritisieren. «Es steht mir nicht zu, ihn deswegen zu massregeln.»

Banga versteht Rüffel nicht

Boris Banga hat wenig Verständnis für den Rüffel von oben. «Wenn die wüssten, was ich mir von der SVP schon für persönliche Verunglimpfungen habe anhören müssen, hätten sie vielleicht etwas mehr Verständnis, wenn ich auch scharf reagiere», meint der Grenchner Stapi.

Etliche Auseinandersetzungen seien in ausserkantonalen Zeitungen ausgetragen worden, und so wohl der SP-Führung entgangen. Im «Bieler Tagblatt» fand ein Schlagabtausch, in dem Banga Jäggi als «Pornohändler» titulierte, schon vor mehr als einem Jahr statt, ohne dass dies im Kanton Solothurn Wellen warf. Für ihn gelte angesichts der massiven Angriffe die Devise: Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil, sagt Banga.

Banga zeigt sich unbeeindruckt

Dass ihm jetzt auch ein Genosse in den Rücken fällt, erklärt sich Banga mit der speziellen Situation in der Gemeinde Fulenbach. Wir erinnern uns: Die Gemeinde im Aaregäu hatte Sozialhilfebezüger nach Grenchen abgeschoben, was Banga zu einer Beschwerde veranlasste. Fulenbach zog die Angelegenheit bis vor Bundesgericht – und verlor.

«Der Leserbriefschreiber ist ein guter Spezi von Roman Jäggi. Die beiden waren massgeblich in diese Geschichte involviert», sagt Banga. «So gesehen macht mir das Ganze überhaupt keinen Eindruck.»

So oder so scheint der streitbare Grenchner jetzt aber allmählich die SP zu spalten. Denn der Rüffel der Präsidentin steht ebenfalls im Raum. «Ich bestehe nicht auf einer Kandidatur und wurde auch nicht von der Partei darum gebeten», betont er.

Da Grenchen aber einer der raren Orte sei, wo die SP nicht im Krebsgang sei, habe er seine Hilfe angeboten, wenn es darum gehe, die beiden Listen zu füllen. «Wenn die SP darauf verzichten will – bitte. Ich brauche das nicht nochmals», so der Ex-Nationalrat. Wer auf die beiden Nationalratslisten der SP kommt, wird am 7.April entschieden.